Swiss-League-Playoffs

Der Diebstahl in Langenthal: Der EHC Olten gewinnt gegen den SCL auswärts 2:1

Der EHC Olten gewinnt Spiel drei im Playoff-Halbfinal in Langenthal 2:1. Am Ende gab es bloss eine Frage: Wie schaffte man das bloss? Die Antwort: Eine aufopfernde Defensivleistung und ein überragender EHCO-Torhüter Matthias Mischler.

Was war das für ein verrücktes Playoffspiel! Bereits die Statistik dazu spricht Bände: 11:40-Torschüsse in 60 Minuten, 1:10-Abschlüsse im letzten Drittel. Das Resultat? Ein 2:1-Erfolg für den gastierenden EHC Olten.

Es ist ein Sieg, der von den Oltnern regelrecht gestohlen wurde. Denn die Dreitannenstädter hatten nach zwei schnellen Toren nach bereits sieben Minuten die offensive Arbeit nahezu eingestellt und sich in den restlich verbleibenden 53 Minuten in der Defensive mit Händen und Füssen gegen die stets heranstürmenden, ja fast übermächtigen Langenthaler gewehrt – schliesslich mit Erfolg, sodass der EHCO mit einer 2:1-Führung in der Halbfinal-Serie in das vierte Spiel am Mittwoch in Olten steigt.

EHCO-Trainer Chris Bartolone erscheint mit einem verschmitzten Lächeln zur Pressekonferenz, das Lachen auf den Stockzähnen kann er kaum zurückhalten. Was braucht es, dass man ein solches Spiel gewinnen?

Selbst der Eishockeyfachmann ringt um Worte, betont aber, welch grossartige Leistung Torhüter Matthias Mischler zeigte (siehe Extra-Artikel hier): «Es braucht vom gesamten Team 60 Minuten höchste Konzentration und unermüdlichen Willen und Kampf in jedem Einsatz. Das haben wir heute bewiesen: Wir haben uns in die Schüsse geworfen und als Team alles Mögliche getan und gezeigt, dass man sich auch mit einer vorbildlichen Defensivleistung Siege verdienen kann», sagt Bartolone und lobt gleichzeitig auch Langenthals Führungsspieler, dass es eben sehr schwierig sei und einer Herkulesaufgabe gleiche, insbesondere Tschannen und Kelly, die sehr torhungrig seien, zu stoppen.

Geschenk und Powerplay-Effizienz

Bereits in der vierten Minute wurde das Spiel durch Kim Karlsson so richtig lanciert. Langenthals Schwede vertändelte vor dem eigenen Tor die Scheibe, in dem Oltens Silvan Wyss Druck ausübte, den Puck abluchste und umgehend den freistehenden Lukas Haas anspielte, der nur noch einzuschieben brauchte.

Und nur drei Minuten später erhöhte Oltens Devin Muller auf herrlichen Pass von Lukas Haas im Powerplay. Das Oltner Überzahlspiel erweist sich in der Halbfinalserie als willkommene Waffe. So war es das vierte Tor in der fünften Powerplaysituation in den drei Halbfinalduellen gegen Langenthal.

Doch dieser bequeme frühzeitige Zweitore-Vorsprung wurde dem EHC Olten beinahe zum totalen Verhängnis. Der EHCO wurde passiver und liess sich von den aufbäumenden Oberaargauern immer stärker in die Defensive drängen. Langenthal drückte, presste, stand enorm hoch und setzte die EHCO-Verteidigung meist mit zwei Angreifern früh unter Druck.

Dass der EHCO überhaupt mit einer Führung in die erste Pause retten konnte, war erstaunlich. So war jene Szene, die sich nur Sekunden vor Ende des ersten Drittels ereignete, sinnbildlich: Olten spekulierte auf einen vermeintlichen Puckverlust von Hans Pienitz an der blauen Linie, aus welcher sich eine 3:1-Situation ergeben hätte. Doch stattdessen standen gleich mehrere Langenthaler alleine vor Matthias Mischler.

Nur dank einem abermals hervorragenden Reflex des EHCO-Torhüters und dem Unvermögen von Jeffrey Füglister stand die Null. Doch die wirklich grosse Parade von Matthias Mischler folgte erst noch: Nach einem Stockbruch bei Marc Grieder im dümmsten Moment war eigentlich selbst der EHCO-Torhüter geschlagen, konnte den SCL-Schuss aber mit seinem Stock parieren – eine Riesenparade, wie man es selten auf Schweizer Eis zu sehen bekommt.

Matthias Mischlers Riesenparade im Video

Das Anrennen dauerte schliesslich bis zur 45. Minute, ehe die Langenthaler ein erstes Mal jubeln konnte: Claudio Cadonau hatte in Überzahl – nach einer fragwürdigen Mäder-Strafe wegen Beinstellens – in Überzahl den Anschlusstreffer erzielt. «So, jetzt gehts los!», kündigte der SCL-Stadionspeaker an.

Der Druck auf den 2:2-Ausgleich stieg ins Unermessliche, während der EHCO offensiv inexistent war: Den ersten Torschuss im Schlussdrittel verzeichnete Lukas Haas 69 Sekunden vor dem Ende der Partie.

Und dennoch schafften die Oltner das Unfassbare und retteten sich über die Schlusssirene. Der Diebstahl von Langenthal war perfekt.

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