Softeis und Sonnencreme waren beim Solothurner Kantonalen angesagt und der beliebteste Mann in Deitingen war der mit dem Feuerwehrschlauch, der ab und zu auf die Tribüne spritzte, damit keiner einen Sonnenstich bekomme.

Die begeisterten Zuschauer wurden mit einem Schlussgang belohnt, wie man ihn sich bei einem Solothurner Kantonalen eigentlich nur wünschen kann: Bruno Gisler, der bald 34-jährige Landwirt aus Rumisberg, hatte zuvor alle Gänge (gegen Mario Thürig, Christian Brand, Lukas Döbeli, Patrick Räbmatter und Samuel Schaffner) gewonnen.

Bruno Gisler gewinnt Schwingfest

Bruno Gisler gewinnt Schwingfest

Am 121. Solothurner Kantonalschwingfest sind im Schlussgang Bruno Gisler und Lorenz Blatter gegeneinander angetreten.

Lorenz Blatter, der in Deitingen aufgewachsene Sales Manager, begann zwar mit einem Gestellten gegen Yanick Klausner, gewann dann aber auch viermal in Serie. Besonders wie Blatter mit einem Kopfgriff Joël Strebel durch die Luft wirbelte und ins Sagmehl warf, war spektakulär. Dass die beiden Lokalmatadoren den Festsieg unter sich ausmachen durften, war also absolut verdient.

Im Stile der Azzurri

«Meistens schwingt der Bruno Gisler so, wie die Italiener Fussball spielen. Er lässt seinen Gegner kommen, und wenn der zu viel riskiert, weil er meint, dass seine Chance gekommen ist, dann folgt Gislers schneller Gegenangriff und der Sieg ist perfekt.» So beschrieb kein geringerer als der Siggenthaler Christoph Bieri vor dem Schlussgang den Stil des Rumisberger Bauern, der bereits zum vierten Mal das Solothurner Kantonale gewinnen konnte. Zuletzt hatte er 2013 triumphiert.

Doch dann stellte Gisler gegen Blatter seine eigene Taktik auf den Kopf. Mit rasanten Angriffen überraschte er seinen Vereinskollegen und ein Kurz war schliesslich erfolgreich. Blatter wehrte sich zwar am Boden noch lange, doch dann drückte ihm Bruno Gisler die Schultern ins Sagmehl. Die Siegerpose fiel diskret aus, wohl auch aus Respekt vor der Freundschaft, die er mit dem unterlegenen Vereinskollegen teilt.

So bleibt Lorenz Blatter der erste Kranzfestsieg weiterhin verwehrt, aber immerhin kam er auf den schönen vierten Schlussrang gemeinsam mit Janic Voggensperger und Roger Erb. Den zweiten Schlussrang sichert sich mit Marcel Kropf ebenfalls ein Solothurner. Kropf unterlag zwar Patrick Räbmatter, die anderen Gänge konnte er aber für sich entscheiden. Räbmatter gehört der dritte Schlussrang. Die Eidgenossen Nick Alpiger, Remo Stalder und Christoph Bieri folgen unter anderen auf dem fünften, Mario Thürig auf dem sechsten Schlussrang zusammen mit Henryc Thoenen.

Die Solothurner gaben also mit drei Schwingern in den ersten vier Rängen an ihrem eigenen Kantonalen gegen eine starke Konkurrenz aus der Nordwestschweiz eine ausgezeichnete Figur ab. Und mit Christian von Arx gab es im achten Rang noch einen weiteren Kranzgewinner aus dem Thal.

Bruno Gisler lässt sich nach seinem Heimsieg am Solothurnischen feiern.

Bruno Gisler lässt sich nach seinem Heimsieg am Solothurnischen feiern.

Bruno Gisler, wie haben Sie die entscheidende Szene des Schlussgangs erlebt?
Bruno Gisler: Ich hatte mich auf einen harten Kampf eingestellt und wusste ja, wie Lorenz Blatter schwingt und dass er seine Chance suchen wird. Ich wusste auch, dass ich nicht abwarten durfte und wollte ihn deshalb möglichst schnell mit einem Kurz erwischen. Das ist mir gelungen, und als ich ihn am Boden hatte, blieb mir noch genug Zeit, um ihn so lange zu halten, bis er müde wurde.

Sie schwingen zusammen mit Blatter im Schwingklub Solothurn und Umgebung. Ist es ein Vorteil, wenn man den Gegner so gut kennt?
In diesem Fall nicht wirklich. Ich musste gegen Lorenz meine Taktik ändern, angriffiger und offensiver schwingen. Wenn ich warte und er ins Kreuz kommt, wird es gefährlich für mich. Deshalb bin ich sehr offensiv aufgetreten und es hat geklappt.

Sechs Gänge, sechs Siege. Sind Sie mit Ihren knapp 34 Jahren in der Form Ihres Lebens?
Ich gebe zu, dass mir am Ende langsam die Luft ausgegangen ist. Die Kondition kann ich also noch verbessern. Umso wichtiger war es, dass ich mich im Schlussgang nicht auf einen Abnützungskampf eingelassen habe.

Wie ordnen Sie Ihren Sieg beim Solothurner Kantonalschwingfest ein?
Es ist vielleicht nicht der wichtigste Sieg meiner Karriere, aber es war schon ein sehr spezieller Tag. Man redet immer von den Jungen. Deshalb freut es mich nun ganz besonders, dass ich als alter Sack immer noch gut mit den Jungen mithalten kann. Das habe ich jetzt mit meinen beiden Siegen beim Aargauer und jetzt beim Solothurner Kantonalen bewiesen.