EHC Olten
Bis auf einmal alle Dämme im Kleinholz brachen

Sechs Minuten vor dem Ende sahen die Oltner gegen die Rapperswil-Jona Lakers wie der sichere Sieger aus. Doch am Ende mussten sie froh sein, überhaupt noch einen der drei Zähler gerettet zu haben.

Michael Forster (Text) und Yann Schlegel (Liveticker)
Drucken
Teilen
Olten verliert ein verrücktes Spiel gegen Rapperswil-Jona im Penaltyschiessen.

Olten verliert ein verrücktes Spiel gegen Rapperswil-Jona im Penaltyschiessen.

Hansruedi Aeschbacher

Nachdem die Spieler nach diesem verrückten Spitzenkampf vom Handshake in die Garderoben verschwanden, wusste man aufseiten der Oltner nicht so recht, über wen man sich denn am meisten ärgern sollte. Über sich selber, weil man innert 107 Sekunden leichtfertig eine 4:2-Führung preisgab und auf einmal einem Rückstand hinterherrennen musste? Über Ref Daniel Wirth, welcher die Einheimischen nach einer mehr als fragwürdigen Behinderung von Shayne Wiebe in der Verlängerung entscheidend schwächte?

Oder über den unnötigen Stockschlag von Cédric Schneuwly, welcher den Oltnern in der unmittelbar folgenden nächsten Unterzahl definitiv den letzten Funken Hoffnung auf eine Entscheidung in der Verlängerung nahm? «Für uns ging es nur noch darum, uns irgendwie ins Penaltyschiessen zu retten», konstatierte Remo Hirt später. Doch dort liess sich Matthias Mischler dreimal bezwingen, während bei den Oltnern sichere Werte wie Truttmann oder Ulmer scheiterten.

Belohnung für Vertragsverlängerung

Nebst Justin Feser traf bei den Oltnern nur Remo Hirt und versüsste sich zumindest persönlichen seinen Abend, der bereits eine halbe Stunde vor dem Spitzenkampf begonnen hatte. Dann nämlich wurde bekannt, dass der Worbener dem EHCO für weitere zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2017/18 treu bleiben wird. Ursprünglich hatte Hirt seine Karriere nach der letzten Saison beenden wollen, liess sich dann aber zu einem weiteren Jahr bei Grün-Weiss überreden. In diesem Jahr zeigte der 30-Jährige, wie wichtig er im Ensemble von Heikki Leime ist. In 14 von 15 Spielen hat Hirt gepunktet und ist mit seinem grossen Selbstvertrauen ein unverzichtbarer Wert.

Die Highlights vom Spiel im Video:

Gegen Rapperswil war aber für einmal nicht Hirt die auffälligste Figur – diesen Titel musste er dem Duo Feser/Truttmann überlassen, welches für vier der fünf EHCO-Treffer verantwortlich war. «Mit ihm verstehe ich mich ganz einfach», so Truttmann zur neuen Zusammenstellung der Angriffslinien. Drei (!) Punkte hatte der frühere Liga-Topskorer in den 14 Spielen zuvor erzielt, gestern kamen deren vier hinzu.

Falsche Sicherheit

Die wiedergewonnene Treffsicherheit «Truttis», die fünf Tore gegen den Tabellenzweiten und jede Menge Spektakel auf dem Eis waren aber nur die eine Seite. Mehr zu diskutieren gaben nach aufwühlenden 65 Minuten und dem anschliessenden Penaltyschiessen die letzten sechs Minuten der regulären Spielzeit, welche die Oltner mit einem beruhigenden 2-Tore-Vorsprung in Angriff genommen hatten. «Wir agierten in dieser Phase zu passiv», meinte Truttmann später, «wir haben uns zu sicher gefühlt.» Zu sicher gefühlt gegen Rapperswil? «Das ist ein wenig das Problem in Olten, dass wir in solchen Phasen zurücknehmen. Wir müssen ganz einfach 60 Minuten gehen.»

Ein wenig anders sah dies Remo Hirt. Man habe sich nicht zu sicher gefühlt, vielmehr habe man in dieser Saison bislang sehr gute letzte Drittel gespielt. Stimmt: 21:8 lautete diese Bilanz bis gestern. Nach dem verhängnisvollen knapp zweiminütigen Aussetzer müsse man aber sicher über die Bücher, so Hirt. «Klar, so etwas darf uns nicht passieren.» Und: «Natürlich wären wir lieber mit einem Sieg in die Nati-Pause.» Statt als Leader gehen die Oltner die zehn Tage ohne Ernstkampf als Tabellendritter an, da sowohl Langenthal (3:2 gegen Martigny) als auch Rapperswil vorbeigezogen sind.

Olten – Rapperswil 5:6 n. P. (0:1, 3:1, 2:3, 0:1)

Kleinholz. – 4582 Zuschauer. – SR: Wirth, Ambrosetti/Borga. – Tore: 6. Schmutz (Auriemma) 0:1. 23. Truttmann (Feser, Wüst/Ausschluss Kuonen) 1:1. 29. Feser (Truttmann, Ganz/Ausschluss Schmutz) 2:1. 33. Hügli (Mc Gregor, Schlagenhauf) 2:2. 38. Feser (Truttmann, Bagnoud) 3:2. 48. Wiebe (Schneuwly, Hirt) 4:2. 55. (54:22) Rizzello (Kuonen, Aulin) 4:3. 56. (55:27) Rizzello (Grieder) 4:4. 57. (56:09) Mc Gregor (Schlagenhauf) 4:5. 58. (57:54) Truttmann (Ganz, Feser) 5:5. – Penaltyschiessen: Vogel 0:1, Feser 1:1; Profico 1:2, Truttmann -; Kuonen -, Hirt 2:2; Rizzello 2:3, Ulmer -; Schlagenhauf -, Pargätzi -. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Olten, 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten Disziplinarstrafe (Lüthi) gegen Rapperswil.

Olten: Mischler; Meister, Kobach; Bagnoud, El Assaoui; Pargätzi, Ganz; Schnyder, Aeschlimann; Wüst, Feser, Truttmann; Wiebe, Schneuwly, Hirt; Hürlimann, Dal Pian, Ulmer; Scherwey, Wüthrich, Morini.

Rapperswil: Nyffeler; Sataric, Grieder; Lüthi, Profico; Geyer, Blatter; Mc Gregor, Schlagenhauf, Hügli; Rizzello, Aulin, Hüsler; Frei, Schmutz, Kuonen; Vogel.

Bemerkungen: Olten ohne Schwarzenbach, Burki (beide verletzt), U. Huber und Ast (beide überzählig); Rapperswil ohne Grossniklaus, Tkachenko, Clark, Zangger, Schommer, Högger (alle verletzt), Schaub, Grigioni und Brandi (alle überzählig). 34. Timeout Rapperswil. 56. Timeout Olten. Trauerminute vor dem Spiel für den verstorbenen früheren Platzchef Roland Egger.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Aktuelle Nachrichten