Eishockey NLB
Bei Olten ist alles nur eine Frage der Zeit

Dino Stecher steht mit dem EHC Olten vor einer wegweisender Woche. Und obwohl es im Moment nicht nach Wunsch läuft, ist er sich sicher, den EHCO noch diese Saison wieder auf Kurs bringen zu können.

Michael Forster
Drucken
Teilen
(Noch) nicht auf Hilfe von oben angewiesen: Dino Stecher glaubt, dass seine Spieler ihre Qualitäten bald wieder abrufen können.

(Noch) nicht auf Hilfe von oben angewiesen: Dino Stecher glaubt, dass seine Spieler ihre Qualitäten bald wieder abrufen können.

Bruno Kissling

Donnerstagabend, kurz vor 22 Uhr: Die Pfiffe, mit welchen die Spieler von den Fans aus der regulären Spielzeit gegen Schlusslicht Thurgau verabschiedet wurden, deuteten es an: Es stimmt derzeit einiges nicht beim EHC Olten. Viele Fragezeichen stellen sich auch zwei Wochen nach dem Abgang von Trainer Scott Beattie noch immer zwischen Soll- und Ist-Zustand beim letztjährigen Qualifikationssieger.

Wieso agiert die Mannschaft vor allem im Powerplay derart kompliziert? Weshalb kommen so viele Akteure nicht annähernd an ihr Rendement heran? Woher kommt diese Verunsicherung, wieso treffen die Spieler so viele falsche Entscheidungen auf dem Eis?

Freitagmorgen, kurz nach 11 Uhr: Nichts deutet darauf hin, dass die Mannschaft am Tag zuvor, nach ansehnlichem Beginn, ins alte Muster zurückfiel und den Tabellenletzten beinahe mit drei Punkten in die Ostschweiz abreisen lassen musste. Die Stimmung ist gut, ausgezeichnet sogar, und das hat seinen Grund: «Ich musste heute ganz einfach ein Spasstraining einstreuen», sagte Dino Stecher, nunmehr seit zwei Wochen Trainer, später.

Licht und Schatten wechseln sich ab

Natürlich sei auch er selber mit der gezeigten Leistung nicht zufrieden, ebenso wenig die Mannschaft. Man arbeite daran, sehr intensiv sogar, auch gestern. Denn Spasstraining war in diesem Fall der Sammelbegriff für intensive Kurzeinsätze in Spielform, «Mätschle» beispielsweise auf zwei versetzt stehende Tore, mit je einem Verteidiger und Stürmer. Damit hatte Stecher die Mannschaft ruckzuck wieder aufgepäppelt nach dem Auftritt gegen Thurgau und bevor es nächste Woche mit drei Spielen innert vier Tagen weitergeht.

Dass der Interims-Headcoach nach genau einer Stunde Training auf die eingeplanten «Laufübungen» verzichten musste, weil der interne Plan eine Viertelstunde zu viel Eiszeit versprach, liess zwar auch am Tag danach einen negativen Touch zurück – und doch versuchte Stecher, zwei Wochen nach Scott Beatties Beurlaubung das Positive aus der momentanen Situation hervorzustreichen.

Zumindest die Zahlen sprechen für diese jüngste Phase des EHCO, holte man doch in fünf Partien acht Punkte und steht bei 17:12 Toren. «Wir hatten einen guten Match beim 5:0 im Thurgau, danach holten wir gegen GCK ein 0:3 auf – das spricht für sich», betont er.

«Das darf man einfach nicht!»

«Das Spiel gegen Langenthal war durchzogen, da kann man mit einem Tor verlieren», andererseits wäre durchaus auch ein Sieg dringelegen, hätten einige der Leistungsträger ihre Leistung gezeigt. Nach zwei guten Dritteln gegen La Chaux-de-Fonds folgte der Auftritt vom Donnerstag gegen Thurgau.

Und mit ihm sei der «Larifari» ins eigene Spiel zurückgekehrt. «Nach 20 Minuten haben wir das Heft aus der Hand gegeben, den Gegner unterschätzt. Das darf man einfach nicht! Thurgau hat gute Einzelspieler, die muss man jederzeit ernst nehmen», so Stecher.

Trotz dieses Rückschlags sieht Stecher eine Tendenz in die richtige Richtung. «Es ist eine Steigerung da, wenngleich erkennbare Kurskorrekturen ganz einfach Zeit brauchen, viel Zeit.» Ein System wechsle man nicht in zwei Wochen, zudem spüre man immer noch die ungenügende Vorbereitung auf dem Eis.

«Leaderfiguren» auf die Bank?

Eine Möglichkeit, diesem Prozess etwas Schub zu verleihen, sieht Stecher durchaus auch in einem veränderten Line-up. «Vielleicht haben gewisse Spieler in der Vergangenheit zu wenig Gelegenheit erhalten zu zeigen, was sie können.» So könnten in dieser Phase gerade jene Spieler wieder für mehr Balance sorgen, welche zuletzt nicht übers Reservistendasein hinaus kamen.

Es mag Zufall sein, dass sowohl gegen GC als auch Thurgau jeweils die 4. Linie verantwortlich war für den Punktgewinn; vielleicht steckt aber auch mehr dahinter. Ist es denn denkbar, (ausser Form geratene) arrivierte Kräfte einmal pausieren zu lassen? Stecher: «Das ist absolut möglich, ja.»

Die Voraussetzungen dafür sind im Moment absolut gegeben, und auch Stecher bestätigt, dass sich ein Coach genau diese Situation eigentlich wünsche: «Nämlich, dass die vierte Linie Druck ausübt auf die 1. und 2. Formation.»

Zeit ist noch genug vorhanden

Und obwohl Stecher betont, dass man noch genug Zeit habe, das EHCO-Schiff noch in dieser Saison wieder auf Kurs zu bringen, weiss auch er: Die nächste Woche, mit dem Auftritt in Martigny und den beiden Spielen gegen Langnau, «wird wegweisend».

Zieht sich der EHCO erfolgreich aus der Affäre, ebben einerseits die (berechtigten) Kritiken ab, andererseits bekräftigen die Oltner ihre Absicht, sich zu Beginn der zweiten Qualifikationshälfte als erster Verfolger des souveränen Leaders Langnau zu manifestieren.

Aktuelle Nachrichten