Sölden
Oben, um oben zu bleiben – Marco Odermatt erfüllt weiter seine Prophezeiung

Gibt es für ihn keine Grenzen? Marco Odermatt gewinnt den Riesenslalom von Sölden und erfüllt gleich im ersten Rennen der neuen Saison die enormen Erwartungen, die viele an ihn haben.

Martin Probst
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Marco Odermatt freut sich über den perfekten Start in die neue Saison.

Marco Odermatt freut sich über den perfekten Start in die neue Saison.

Philipp Guelland / EPA

Noch fast unten im Dorf, in einer der ersten Kehren hinauf zum Rettenbachgletscher hat der Fanklub von Roland Leitinger ein Plakat aufgehängt. Fast etwas versteckt, auf jeden Fall weit weg von der grossen Skibühne, welche die Athleten am Sonntag ein erstes Mal in diesem Winter betraten.

Nein, Leitinger hatte vor dem Rennen kaum einer auf der Rechnung. Ganz anders Marco Odermatt. Der Schweizer ist längst oben angekommen in der Liste der Favoriten. Sein Gesicht sieht man auf einer Werbeplane direkt im Ziel. Er ist der nächste Superstar. Daran zweifelt kaum einer.

Und so liegt Odermatt dann auch in Führung, als nur noch Leitinger oben am Start steht. Im ersten Lauf war der 30-jährige Österreicher überraschend der Schnellste. Viele erwarten nun seinen Absturz. Und irren sich gewaltig. Im Ziel liegt er nur sieben Hundertstelsekunden zurück. Der hochgehandelte Schweizer gewinnt, aber Leitinger ist zumindest temporär in neue Höhen vorgestossen.

Wie Cuche, der sein Idol ist

Odermatt biwakiert längst in den Höhenlagen des Skisports. Sein Aufstieg ist aber ebenfalls mit Sölden verbunden. Hier gewann er 2016 seine ersten Weltcuppunkte, vor einem Jahr wurde er Zweiter, und jetzt ist er Sieger. Als erster Schweizer seit Didier Cuche im Jahr 2009 gewinnt er das Saisonauftaktrennen. Cuche ist Odermatts Idol. Dabei ist er längst selbst daran, ein solches zu werden.

Und einmal mehr stellt man sich die Frage: Gibt es für Odermatt überhaupt Grenzen? 2018 wurde der heute 24-Jährige in Davos fünffacher Juniorenweltmeister. Es war ein Versprechen. Man ahnte, dass da einer kommt, der den Skisport prägen könnte. Es entstand aber auch eine Erwartungshaltung, an der es weit einfacher ist, zu zerbrechen, als tatsächlich den Aufsteig fortzusetzen.

Weiter nach vorne, weiter zum nächsten Sieg: Marco Odermatt.

Weiter nach vorne, weiter zum nächsten Sieg: Marco Odermatt.

Gabriele Facciotti / AP

Aber Marco Odermatt tat es. Schon in der Folgesaison stand er im Weltcup im März 2019 zum ersten Mal auf dem Podest. Am Ende des gleichen Jahres siegte er erstmals. Und den vergangenen Winter beendete er als Zweiter im Gesamtweltcup. Und als zweitbester Riesenslalom- und Super-G-Fahrer des Winters. Nur knapp und mit etwas Wetterpech, als beim Saisonfinale Super-G und Abfahrt abgesagt werden mussten, verpasste er den Gewinn der grossen Kristallkugel. Kein Wunder, soll er Verpasstes in dieser Saison nachholen. Oder muss er?

Die Champagnerflasche wird zum grössten Problem

Odermatt selbst bleibt gewohnt cool. Er sagt: «Die Ausgangslage ist vielleicht ein wenig anders. Ich habe es aber sehr gut hingebracht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich konnte die Lockerheit irgendwie behalten.» Es klingt so einfach, wenn er das sagt, vom Champagner geduscht, dessen Korken er als letzter der drei Athleten auf dem Podest aus der Flasche knallt.

Marco Odermatt kämpft mit der Champagner-Flasche.

Marco Odermatt kämpft mit der Champagner-Flasche.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Immerhin hier ist er besiegbar. Für die Konkurrenz ist das ein schwacher Trost. Odermatt wird schon bald weitere Chancen bekommen, das Öffnen des Siegertrunks zu üben.

Während Odermatt also alle Erwartungen erfüllen konnte, lief es zwei Athleten, denen zugetraut wird, ihn im Gesamtweltcup zu fordern, weniger gut. Der Franzose Alexis Pinturault hielt den Schaden als Fünfter zwar in Grenzen. Der Titelverteidiger hat aber andere Ansprüche an sich selbst.

Das gilt auch für Loïc Meillard. Rang 16 ist für den 24-jährigen Schweizer eine Enttäuschung. Weit positiver verlief der Auftakt für Gino Caviezel. Vor einem Jahr stand er in Sölden als Dritter auf dem Podest. Am Sonntag fehlten ihm als Vierter 29 Hundertstelsekunden, um das Kunststück zu wiederholen.

So komplettierte der Slowene Zan Kranjec das Podest. Er war 10 Hundertstelsekunden langsamer als Odermatt.

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