Champions League

So viel und doch zu wenig: Die Young Boys spielen gegen Valencia 1:1 unentschieden

Die Young Boys sind am 3. Spieltag der Champions League zum ersten Tor und ersten Punkt gekommen. Die Berner spielten gegen Valencia im Stade de Suisse 1:1. Guillaume Hoarau erzielte in der 55. Minute mittels Foulpenalty den Ausgleich. Die Young Boys steigerten sich nach der Pause und standen dem Sieg nahe. In der 88. Minute traf Sékou Sanogo nach einem Eckball mit dem Kopf nur den Innenpfosten.

Der wird doch nicht? Ist das möglich? Es ist! Blitzschnell geht die Hand hoch, die Fingerspitzen streicheln den Ball – Pfosten! Wie ein Kind, das in Mamas Arme will, rollt die Kugel zurück zu Valencia-Goalie Neto. Der nimmt sie auf und zieht der Hektik den Stecker.

Die Spanier im Glück, YB im Pech. Wenige Minuten danach ist das Spiel aus. 1:1. Der erste Punktgewinn für YB in den Gruppenspielen der Champions League. Die Berner sind nach dem FC Basel, dem FC Zürich, dem FC Thun und GC der fünfte Schweizer Klub, der in diese Kränze kommt.

Doch der Stolz darüber, Historisches erreicht zu haben, wird wohl erst in ein paar Tagen die Enttäuschung ablösen. Denn nach Sanogos Kopfball in der 88. Minute, den Neto so brillant pariert, ist klar: Das Unentschieden ist für YB ein zu geringer Lohn.

Gelähmte Berner

Wer hätte das eine Stunde zuvor gedacht! Nach einer ersten Halbzeit, in der sich der Beobachter dauernd die Frage stellt: Was genau lähmt die YB-Spieler? Steckt ihnen noch die Lehrstunde vor drei Wochen in Turin in den Knochen? Nimmt YB die Formbaisse aus der Super League (zuletzt eine Niederlage und ein Unentschieden) mit auf die internationale Bühne?

Wo ist die Unbeschwertheit, mit der ein krasser Aussenseiter in die Spiele gegen Europas Granden gehen sollte? Wo ist die Freude, dem Ligaalltag in die Champions League entfliehen zu können?

Gewollt ist die Passivität nicht. Denn auch dem Trainer missfällt, was die Spieler in der ersten Halbzeit zeigen. Im Minutentakt treibt Gerardo Seoane die Abwehrreihe nach vorne. Ihn stört, wie weit sich seine Mannschaft zurückdrängen lässt.

Hoarau erlöst sie alle

Dass es zur Pause nur 0:1 steht, verdankt YB der chronischen Torimpotenz der Spanier. Alles andere als in Topform, mit nur sieben Treffern aus den ersten elf Saisonspielen im Gepäck sind sie nach Bern gereist.

Und dort profitieren sie in der 26. Minute von der Ungeschicktheit der YB-Spieler: Erst spitzelt Djibril Sow dem Gegner den Ball in Richtung eigenes Tor weg. An der Strafraumgrenze pennt Loris Benito. Und auch Champions-League-Debütant Marco Wölfli, wohl eine Auswirkung der mangelnden Spielpraxis, macht keine gute Figur beim Herauslaufen gegen Torschütze Batshuayi.

Die zweite Halbzeit stellt alle Eindrücke auf den Kopf. 49. Minute: Fassnacht! 51. Minute: Mbabu! 53. Minute: Assalé! Bumm! Bumm! Bumm! Drei Topchancen für YB. Aktion statt Reaktion. Und dann: Penalty für YB! Parejo stellt Sow im Strafraum das Bein, ein klarer Fall.

Guillaume Hoarau läuft an, seelenruhig, keine Spur von Nervosität, obwohl ausser dem kleinen Grüppchen im Gästesektor alle der über 31 120 Zuschauer das 1:1 herbeisehnen. Hoarau erlöst sie alle, der Kessel explodiert, ohrenbetäubend der Lärm.

Die Gesichter des YB-Aufstiegs

Nach 234 torlosen Minuten gegen Manchester, Juventus und Valencia setzt YB gegen die Spanier seinen ersten Markstein in Europas Beletage. Dass Hoarau trifft, passt zum grossen Bild: Der 34-jährige Franzose ist das Gesicht des Aufstiegs der Berner vom ewigen Zweiten zur neuen Macht im Schweizer Fussball.

In der anderen Platzhälfte jubeln Marco Wölfli und Steve von Bergen, die anderen zwei über 30-Jährigen, die von Anfang an dabei sind. Wölfli steht nur auf dem Platz, weil der eigentliche Stammgoalie David von Ballmoos verletzt ist. So wie im Frühling, als YB mit Wölfli im Tor den ersten Meistertitel seit 1986 klarmacht.

Nach Hoaraus Tor bleibt der Druck von YB hoch. Als Christian Fassnacht alleine auf das Tor rennt, reagiert Neto erstmals überragend. Der Vorgeschmack auf die Wahnsinnstat des Valencia-Goalies in der 88. Minute. Dann pfeift der Schiedsrichter ab. Und aus YB-Sicht lautet das Fazit: Dieser Abend gab so viel, aber doch zu wenig.

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