Ski alpin
So mischt Ilka Stuhec, die Überraschung des bisherigen Winters, die Skiwelt auf

In Val d’Isère gewinnt Ilka Stuhec auch die dritte Abfahrt der Saison. Wer ist die 26-jährige Slowenin, deren schlechtestes Saisonresultat ein fünfter Platz ist, eigentlich?

Martin Probst
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Bei Ilka Stuhec läuft momentan alles nach Plan.

Bei Ilka Stuhec läuft momentan alles nach Plan.

Keystone

Irgendwie fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Wieder dominiert eine Frauaus Slowenien im Skiweltcup, wieder ist sie mit einem eigenen Team unterwegs und wieder trägt die Seriensiegerin Ski aus der Schweiz. Doch damit enden die Parallelen zwischen Tina Maze und Ilka Stuhec.

Tina Maze zählte jahrelang zu den besten Skifahrerinnen der Welt.

Tina Maze zählte jahrelang zu den besten Skifahrerinnen der Welt.

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Maze, die fast alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, und ihre Karriere im Januar in Maribor mit einem letzten Auftritt endgültig beendet, gilt als sehr launisch, manchmal schwer zu ertragen. Stuhec, die am Samstag in Val d’Isère die Abfahrt gewann und damit bereits ihr viertes Rennen in dieser Saison, wird als sehr freundlich und zuvorkommend beschrieben.

Es sind zwei Charaktere, die nicht wirklich zueinanderpassen. Zwar gratulierte Maze ihrer Landsfrau am Samstag per Twitter. Doch Stuhec sagt: «Ich kann nicht behaupten, dass ich mich gut mit Tina verstehe. Wir hatten kaum Kontakt.»

Trotzdem sagt Stöckli-Renndirektor Bernhard Matti: «Ilka ist für uns der perfekte Ersatz für Tina. Für uns ist das extrem gute Werbung.» Die Schweizer Skifirma hatte, als klar wurde, dass sie ihr Aushängeschild Maze verlieren wird, stark nach einem valabeln Ersatz gesucht.

Die Wunschkandidatin war Lara Gut. Doch die sagte den Testtag ab und entschied sich für Head. «Wir hätten schon gerne auch Schweizerinnen, aber die Schweizer sind skeptisch gegenüber kleinen Teams», sagt Matti. Nun hat er die erfolgreichste Athletin des Winters unter Vertrag. «Wir entschieden uns für Ilka, weil wir dachten, dass sie viel mehr Potenzial hat, als sie bisher im Weltcup zeigen konnte.»

Mit Lara Gut befreundet

2007 war Stuhec Junioren-Weltmeisterin im Slalom und in der Kombination. Ein Jahr später holte sie den Titel in der Abfahrt – und siegte vor Lara Gut, Viktoria Rebensburg und Anna Fenninger. Seither sind die vier Frauen Freundinnen. Stuhec spricht sehr gut Deutsch. «Weil ich es in der Schule gelernt hatte und im Skisport eh niemand Slowenisch spricht.»

Während ihren Freundinnen der Aufstieg in den Weltcup schnell gelang, geriet die Karriere von Stuhec ins Stocken. Später im Jahr 2008 verletzte sie sich schwer am Knie. Und kurz nach ihrem Comeback passierte es erneut. Insgesamt wurde ihr rechtes Knie fünfmal operiert.

Ilka Stuhec (r.) feiert den Kombi-Sieg gemeinsam mit der Schweizerin Michelle Gisin, die überraschend Zweite wurde.

Ilka Stuhec (r.) feiert den Kombi-Sieg gemeinsam mit der Schweizerin Michelle Gisin, die überraschend Zweite wurde.

Keystone

Obwohl Stuhec bereits 2007 im Weltcup debütierte, gelang ihr der richtige Einstieg darum eigentlich erst in der Saison2011/12. Die Jahre dazwischen waren für sie schwierig. «Doch ich habe viel über mich und mein Umfeld gelernt. Wenn ich nochmals zurückkönnte, würde ich nichts ändern», sagt sie heute. Obwohl sich für sie viel geändert hat.

Während sie zu Beginn ihrer Karriere gut vom slowenischen Verband unterstützt wurde, interessierte sich plötzlichniemand mehr für sie. Im Frühling 2015 entschied sie sich dann für den Alleingang. «Es war ein riesiger Schritt», sagt sie. Stuhec musste ihr Team selbst bezahlen. Ihre Mutter wurde zur Servicefrau und ihre beste Freundin zur Physiotherapeutin.

Bis heute ist das Team, dem auch ein Trainer angehört, unverändert.«Es ist allerdings einfacher geworden, es zu finanzieren. Ich habe Sponsoren und auch wieder etwas Unterstützung vom Verband.»

Als entscheidendes Puzzleteil für den heutigen Erfolg nennt die 26-Jährige aber den Wechsel zu Stöckli im März 2016. «Es stimmte von Anfang an und gab mir neue Motivation», sagt sie. «Wir sind ein kleines Team und können daher sehr viel in sie investieren», sagt Matti, der sämtliche Skis der Athletin zuerst für sie testet.

Ein Tattoo mit Bedeutung

Nur einen Servicemann wollte Stuhec nicht. Für ihre Ski blieb ihre Mutter zuständig und Stöckli steht unterstützend zur Seite. «Sie macht das besser als alle anderen», sagt die Tochter. «Als wir begonnen haben, blieb uns keine andere Wahl.» Nun zeigt sich, dass es ein Glücksfall war: vier Siege!

1. Mikaela Shiffrin 498 Punkte
4 Bilder
2. Lara Gut 493 Punkte
3. Ilka Stuhec 481 Punkte
4. Sofia Goggia 467 Punkte

1. Mikaela Shiffrin 498 Punkte

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Die Mutter ist vor lauter Jubeln und Anfeuern derzeit so heiser, dass sie nichts zur Leistung der Tochter sagen konnte. Dafür sprach ihre Physiotherapeutin und verriet, dass sie im mentalen Bereich auf Kinesiologie setzen. «Ich habe derzeit ein so grosses Selbstvertrauen wie nie», sagt Stuhec, die aber auch die Arbeit im physischen Bereich lobt.

Im Sommer hatte Stuhec fast nur mit dem Männerteam trainiert – und wurde immer schneller. «Weil ich die Männer schlagen wollte», sagt sie. Wie schnell sie ist, zeigte sich dann in Lake Louise, wo Stuhec beide Abfahrten gewann und im Super-G Rang fünf belegte. Es ist ihr bisher schlechtestes (!) Saisonresultat.

Denn in Val d’Isère hat sie nun wieder zweimal gewonnen und ist auch am Sonntag im Super-G eine Favoritin für den Sieg. Im Moment könnte es besser also nicht laufen.

Nur kurz wurde sie doch noch traurig. Das Kalb, das die Siegerin der Abfahrt in Val d’Isère traditionell erhält, habe sie «Ischa» getauft. «Darum weine ich jetzt wieder.» Ischa war ihr Hund, den sie vor einer Woche einschläfern musste. Wie viel ihr das Tier bedeutet hat, verrät ein Tattoo: Auf dem Fuss trägt sie den Abdruck einer Pfote.

Ilka Stuhec mit Kalb «Ischa», das sie nach ihrem verstorbenen Hund benannt hat.

Ilka Stuhec mit Kalb «Ischa», das sie nach ihrem verstorbenen Hund benannt hat.

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