Olympia
So komfortabel wohnen unsere Olympia-Helden in Sotschi

Swimmingpool und Palmen: So sommerlich waren die Unterkünfte im Olympia-Dorf noch nie. Die Behausungen der Schweizer Sportlerinnen und -Sportler in Sotschi können sich sehen lassen.

Klaus Zaugg, Sotschi
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Ein Augenschein im olympischen Dorf
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Eines der Willkommensgeschenke: Ein Bierhumpen.Fotos: Kza
Der Swimmingpool der Anlage wird gerade gereinigt.
Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg und Ralph Stöckli.

Ein Augenschein im olympischen Dorf

Selbst Roger Schnegg ist bei seiner ersten Besichtigung des olympischen Dorfes von Sotschi beeindruckt. Der Direktor von Swiss Olympic ist der ranghöchste helvetische Olympia-Funktionär hier vor Ort. Auch Gian Gilli, Chef de Mission («Olympia-General»), ist ihm hierarchisch unterstellt. Roger Schnegg sagt: «Bei früheren Spielen waren die Zimmer teilweise bloss halb so gross wie hier.» Und von den Balkonen aus geht der Blick hinaus aufs Schwarze Meer, Arbeiter sind gerade daran, den Swimmingpool zu reinigen, und Palmen sind auch zu sehen. So viel optischer Sommer war bei Winterspielen noch nie. Und so bequem war es auch noch nie: Alle Eissportler gelangen in weniger als einer Viertelstunde zu Fuss von ihrer Unterkunft zu den Trainings- und Wettkampfanlagen.

Die Schweizer Eis-Delegation ist gross genug, dass es in Sotschi für ein eigenes Haus reicht. 46 Eisstars (Curling, Hockey Frauen und Männer) bewohnen ein Haus mit fünf Etagen am Schwarzen Meer. Im zweiten Stock hausen unsere Curlerinnen und Curler, im dritten die Hockey-Frauen, im vierten die Hockey-Funktionäre und ganz oben im fünften die männlichen Hockeystars.

Strikte Geschlechtertrennung

Für die Zuteilung der Zimmer ist Vize-Olympiageneral Ralph Stöckli (er wird nach diesen Spielen Nachfolger von Gian Gilli) zuständig. Allerdings teilt er den Delegationen nur die Etage zu. «Wie die Zimmer zugeteilt werden, ist nicht unsere Sache.» Eishockey-Nationaltrainer Sean Simpson wird entscheiden, welche Spieler ein grosses, welche ein kleines Doppelzimmer und wer ein Einzelzimmer bekommt. Es gilt gemäss Stöckli nur eine strikte Geschlechtertrennung. Also beispielsweise kein Doppelzimmer oder gar eine Honeymoon-Suite für das Curling-Traumpaar Sven Michel und Anina Pätz.

Ein Merkmal dieser bäumigen olympischen Behausungen ist der grosse Unterschied zwischen den einzelnen Zimmern. Als sei mit dem Untergang des Sozialismus auch die Idee entschwunden, dass alle gleich behandelt werden. Auf der gleichen Etage sind einzelne Zimmer doppelt so gross wie andere. Bekommen die NHL-Stars die grossen Doppel- und Einzelzimmer und die gewöhnlichen NLA-Helden bloss die kleinen? Ralph Stöckli sagt: «Das muss die Hockeydelegation schon selber entscheiden. Soviel ich weiss, steht nach einem ungeschriebenen Gesetz dem Captain ein Einzelzimmer zu. Aber vielleicht verzichtet ja Mathias Seger auf dieses Privileg ...» Trotz allem olympischen Komfort sind die Toiletten und Badezimmer auf dem Gang – so geht der «Pfadfinder-Grove» (oder der olympische Geist) nicht ganz verloren.

Der Kommerz hat auch in die Behausung der olympischen Helden Einzug gehalten. Auf jedem Bett sind neben zwei Lindor-Kugeln (auf dem Kopfkissen) bereits die Produkte verschiedener Olympia-Sponsoren als Willkommensgeschenke bereitgelegt: eine Tasche mit Rasierschaum, Rasierklingen, Dusch-Gel, Shampoo und, durchaus passend für die rauen Hockey-Kerle, gar ein Bierhumpen mit der Aufschrift des Bier-Sponsors. Zudem werden alle von Samsung nach der Ankunft ein Smartphone erhalten. Im Gegenzug werden die Athletinnen und Athleten, die nicht bereits auf Samsung vertrauen, dazu angehalten, alle Schriftzüge auf den persönlichen Hosentelefonen zu überkleben. Ob man das denn auch durchsetzen könne, lässt Roger Schnegg offen.

Die 163 Schweizerinnen und Schweizer sind auf die drei offiziellen olympischen Dörfer unten in Sotschi, oben in den Bergen bei den Alpinen und bei den Nordischen verteilt. Bis gestern Dienstag waren 56 angereist. Roger Schnegg sagt, alle Unterkünfte seien in tipptoppem Zustand. Es gebe nichts zu reklamieren. Er wisse aber von ausländischen Kollegen, dass es nicht allen so gut gehe. «Bei den Deutschen gab es oben in den Bergen in den Unterkünften anfänglich offenbar keinen Strom und dafür Überschwemmungen.» Hauptsache, den Deutschen steht sportlich das Wasser nicht bis zum Hals. Offenbar sind einzelne Unterkünfte nicht olympische, sondern Potemkin’sche Dörfer.

Theoretisch steht allen bis zum Ende der Spiele eine Unterkunft in den olympischen Dörfern zu. Allerdings reisen die meisten nach ihrem Wettkampf nach Hause. Bei der Schweizer Delegation gibt es die Weisung, wenn möglich spätestens 48 Stunden nach dem Wettkampf wieder abzureisen.