Nordische Kombination
So gut wie noch nie: Tim Hug strebt an der WM in Lahti einen Platz in den Top 10 an

Momentan finden im finnischen Lahti die nordischen Ski-Weltmeisterschaften statt. Bei den Kombinierern will der Solothurner Tim Hug seine zuletzt guten Weltcup-Ergebnisse bestätigen und einen Platz unter den besten zehn herausholen.

Rainer Sommerhalder
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Vor der WM gibt Tim Hug Auskunft über seine Ziele in Finnland.

Vor der WM gibt Tim Hug Auskunft über seine Ziele in Finnland.

Keystone

Die letzten Wochen waren wie eine Ansage. Kombinierer Tim Hug nähert sich der Weltmeisterschaft mit einem wahren Steigerungslauf – mit den Rängen 36, 27, 15, 7, 6, 5 und 2 im Weltcup.

Auch wenn zuletzt in Sapporo und zuvor am Olympia-Ort Pyeongchang nur die halbe Weltelite am Start war, für die Moral des 29-Jährigen aus Gerlafingen sind solche Resultate Wellness. «Für das Selbstvertrauen war der Entscheid, nach Asien zu gehen, goldrichtig», sagt er.

Es mag also nicht verwundern, dass Hug drei Tage vor seinem ersten WM-Einsatz viel Zufriedenheit und grosse Zuversicht ausstrahlt. Die Saison verlief wie geplant und von ihm im Herbst vorausgesagt. Auf der Schanze hat der Solothurner eine beachtliche Stabilität und Kontinuität auf relativ hohem Niveau gefunden.

Immer besser in der Loipe

Und beim Langlauf fühlt sich Hug von Wettkampf zu Wettkampf stärker. Ein im Spätsommer erlittener Innenband-Anriss im Knie sorgte diesbezüglich für einen verhaltenen Auftakt in den Winter. Inzwischen ist der Trainingsrückstand abgearbeitet. Die Form nähert sich rechtzeitig zur WM dem Höhepunkt. Und um die Qualität der Skipräparation muss sich der einzige Schweizer Weltcup-Kombinierer ohnehin keine Sorgen machen.

Tim Hug blickt der Weltmeisterschaft erwartungsvoll entgegen.

Tim Hug blickt der Weltmeisterschaft erwartungsvoll entgegen.

Keystone

Darum kümmert sich das norwegische Wachsteam mit seinem grosszügigen Personaletat von vier Spezialisten. Da kann es sich Tim Hug sogar leisten, mitten in der Saison Prüfungen für sein Studium in Erneuerbaren Energien und Umwelttechniken abzulegen. Mitte Januar, zwischen zwei Weltcups, schrieb der Solothurner vier Arbeiten. «Drei davon sind gut herausgekommen», sagt er schmunzelnd.

Nicht auf Rosen gebettet

Und zuletzt gab es dank den Top-Rängen im Weltcup sogar ein etwas grosszügigeres Sackgeld für die bescheidene Haushaltskasse. Tim Hug hat als Einzelmaske in einer exotischen
Disziplin Ende Monat nicht den grossen Zahltag.

Es fehlt etwa ein persönlicher Sponsor. «Das ist in einer Sportart, welche in der Schweiz praktisch inexistent ist, ein sehr schwieriges Unterfangen», sagt Hug. Er mogle sich finanziell halt so durch. Die grössten Sponsoren sind die Armee und sein Supporter-Klub.

Klagen will der 29-Jährige nicht. Er brauche im Winter kaum Geld, weil er ständig im Weltcup unterwegs sei und Kost und Logis von Swiss Ski übernommen werden. Und für seinen 2. Platz in Sapporo gab es beispielsweise ein Preisgeld von 6000 Franken. Brutto. «Effektiv sieht es an manchen Orten dann ganz anders aus. In Österreich beispielsweise ziehen sie dir gleich mal 40 Prozent Steuern ab», sagt Hug.

Doch Geld war und ist kein Motivationsfaktor für den Nordisch-Kombinierer. Hug springt und läuft aus Leidenschaft. Dies tut er so gut wie noch nie. In Lahti soll sein bisheriges WM-Bestresultat, ein 15. Platz vor zwei Jahren in Falun, fallen. «Ich bin überzeugt, dass an einem sehr guten Tag die Top 10 drinliegen», sagt Hug.

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