Fussball

So funktioniert die Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften

Um den WM-Pokal werden ab 2026 48 Teams kämpfen.

Um den WM-Pokal werden ab 2026 48 Teams kämpfen.

Der neue Modus ab 2026 für das Weltturnier der Fifa macht viele glücklich und einige wütend.

Für den Weltmeister ist das neue WM-Format alles andere denn ein Sommermärchen. Kein anderes Land reagiert mit derart breiter Ablehnung auf den Fifa-Beschluss, die Weltmeisterschaft ab 2026 mit 48 Teams zu bestreiten. «Das ist furchtbar», moniert beispielsweise der ehemalige Nationaltrainer Berti Vogts. «Wenn man die WM zugrunde richten will, muss man diesen Weg weitergehen.»

Und der frühere Nationalspieler Michael Ballack frotzelt: «Eine verantwortungslose Entscheidung der Fifa. Das ist ein Angriff auf den Fussball!»

Allerdings schiesst die Stossrichtung der Kritik von vielen Skeptikern am Ziel vorbei. Der übervolle Spielkalender und die unverantwortliche Belastung der Spieler müssen als Hauptargumente herhalten.

Doch genau in diesem Punkt vermag das neue WM-Format zu gefallen: Zwar stehen insgesamt 80 anstatt 64 Spiele auf dem Programm, doch das Maximum von sieben Partien bis zum Titel, die WM-Dauer von 32 Tagen und die Anzahl Ruhetage pro Team bleiben im Vergleich zu heute identisch. Einziger Knackpunkt beim gewählten Modus mit 16 Dreiergruppen und anschliessender K.-o.-Phase bleibt die doppelte Anzahl Erholungstage von einzelnen Mannschaften zwischen Gruppenphase und Sechzehntelfinals.

Verband (Anzahl Nationalverbände)
jetzt

neu
Europa (55) 13 16
Afrika (54) 5 9
Asien (46) 4,5 9
Südamerika (10) 4,5 6
Nord- und Mittelamerika (35) 3,5 6
Ozeanien (11) 0,5 1

Viel Geld auch für die Klubs

Fifa-Präsident Gianni Infantino betont in seiner Replik auf die Kritik, dass das neue Format für Deutschland nicht viel ändere: «Wir könnten eine WM mit nur zwei Teams veranstalten und Deutschland wäre dabei», sagt er.

Auch für die Kritik der ECA (Europäische Klub-Vereinigung), welche unter ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge derzeit ebenfalls deutsch geprägt ist, hat Infantino nur ein müdes Lächeln übrig. «Wir haben deren Hauptforderungen – Belastung der Spieler und Länge des Turniers – erfüllt.»

Infantino weiss: Sobald es um die Kompensationszahlungen für Spieler an der WM geht, hat die Fifa dank ihren geschätzten Mehreinnahmen von 600 Millionen Dollar in den Verhandlungen die besten Argumente, um die Klubs zufrieden und so auch ruhig zu stellen.

Den Chef freuts: Fifa-Präsident Gianni Infantino kriegt seine WM mit 48 Teams.

Den Chef freuts: Fifa-Präsident Gianni Infantino kriegt seine WM mit 48 Teams.

Gespielt wird die Weltmeisterschaft wie bisher in 12 verschiedenen Stadien. Der Fifa-Rat hat in seiner Sitzung auch Voraussetzungen geschaffen, damit mehrere Länder gemeinsam für eine Endrunde kandidieren können. Als Ausrichter für 2026 stehen die USA in der Poleposition, für 2030 spekuliert man mit einer Kandidatur Chinas.

Ob neben der Grösse des Teilnehmerfeldes weitere einschneidende WM-Neuerungen auf die Fussballfamilie zukommen, wird wohl erst drei Jahre vor der ersten Mega-WM entschieden. Infantino hatte vorgeschlagen, dass es in den Gruppenspielen keine Unentschieden mehr gibt. Sollte nach 90 Minuten kein Sieger feststehen, soll ein Elfmeterschiessen das Spiel entscheiden. Der Fifa-Präsident möchte auf diese Weise vom ersten Spiel an Entscheidungscharakter ins Turnier bringen.

Ebenfalls noch keine Entscheidung fällte der Fifa-Rat über den Verteilschlüssel der 48 WM-Plätze. Offensichtlich fanden die 33 Vertreter der sechs Konföderationen in den Diskussionen keinen gemeinsamen Nenner.

Infantino möchte vor allem den Asiaten und Afrikanern zu einem markant grösseren WM-Kontingent verhelfen. Doch auch für die Uefa scheint das vorgesehene Plus von drei Startplätzen an der untersten Grenze der eigenen Vorstellungen zu liegen. «Wir haben noch Zeit, um diese Entscheidungen gemeinsam zu fällen», sagt Infantino.

Die Schweiz freut sich

Auf Gegenliebe stösst die Mega-WM in Schweizer Fussballkreisen. Der Verband äussert sich ebenso wohlwollend wie Ex-Nationaltrainer Otmar Hitzfeld im «Blick». Und selbst Martin Schmidt, Schweizer Trainer beim Bundesligisten Mainz 05, tritt nicht in die allgemeine Kritik seiner deutschen Berufskollegen ein: «Ich denke, dass der Fussball der ganzen Welt gehört und dass jeder die Chance haben muss, bei so einem Turnier dabei zu sein.» Für die Schweiz erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine WM-Teilnahme mit dem neuen Format allerdings nur geringfügig, sollten für die 55 europäischen Verbände tatsächlich nur drei neue Startplätze abfallen.

Mainz-Trainer Martin Schmidt: «Ich denke, dass der Fussball der ganzen Welt gehört und dass jeder die Chance haben muss, bei so einem Turnier dabei zu sein.»

Mainz-Trainer Martin Schmidt: «Ich denke, dass der Fussball der ganzen Welt gehört und dass jeder die Chance haben muss, bei so einem Turnier dabei zu sein.»

Am Samstag wagt sich Infantino als Gast des «aktuellen Sport-Studios» im ZDF quasi in die Höhle des Löwen. Man kann sicher sein, der Walliser wird die kritischen Fragen aus Deutschland mit seinem charmantesten Lächeln wegwischen. Und er wird sagen: «Auch in der Bundesliga spielen Profis aus 58 Nationen. Der Fussball ist längst eine globale Angelegenheit.»

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