In Rio erfüllt sich am Sonntag für Mountainbiker Nino Schurter ein Traum. In Mettmenstetten beginnt für den Solothurner Freestyler Mischa Gasser gleichentags einer. Auch beim 24-Jährigen dreht sich dieser um Olympia. Denn mit dem Freestyle Masters auf der Wasserschanze in Mettmenstetten startet sozusagen der Countdown für die Winterspiele 2018 in Südkorea. Die Resultate des winterlichen Weltcups zählen bereits für die Qualifikation.

Sprung Mischa Gasser

Der Sprung von Mischa Gasser

Doch Gasser will 2018 in Pyeongchang nicht nur dabei sein, er will um die Medaillen mitreden. Dazu braucht es immer waghalsigere und verrücktere Sprünge. Der momentane Schweizer Teamleader begeistert die zahlreichen Zuschauer in Mettmenstetten mit einer Premiere: Einem dreifachen Salto mit fünf Schrauben – dem schwierigsten Sprung aller 34 Konkurrenten aus elf Nationen. Noch gelingt er nicht in Perfektion, es reicht zu Rang 3 im hochklassigen Feld. Immerhin steht er zusammen mit dem amtierenden Olympiasieger aus Weissrussland auf dem Podest.

Gasser teilt seinen olympischen Traum, für den er seit Trainingsstart bis zum ersten Anlauf auf Schnee Mitte Oktober in Saas Fee rund 400mal ins kalte Wasser des «Jumpin» im Säuliamt springt, mit seinem sportlichen Zwilling Dimitri Isler. Der Aargauer kann eigentlich alles, was Gasser beherrscht, auch. Zumeist entscheidet im Weltcup zwischen den beiden die Tagesform. Beim Jubiläumsspringen zum 20. Geburtstag des «Jumpin» hinkt Isler allerdings noch ein wenig hinterher. Und dies beinahe wortwörtlich. Nachdem sich der 23-Jährige zu Beginn des letzten Winters im Weltcup das Fussgelenk brach, gibt er am Sonntag sein Wettkampf-Comeback. Für den Final der besten 12 reicht es knapp noch nicht.

Spektakulärer geht es kaum

Was für Isler und Gasser bei ihren Sprüngen die fünfte Schraube ist, ist für die Limmattalerin Tanja Schärer der dritte Salto. Auch die routinierte 27-Jährige, die bereits ihre zehnte Weltcupsaison in Angriff nimmt und Olympische Spiele schon zweimal miterleben durfte, zeigt in Mettmenstetten den spektakulärsten Sprung aller Frauen. Die Abzüge wegen der nicht perfekten dritten Drehung wiegen aber zu schwer für den Sieg. Für die Urdorferin schaut letztlich ebenfalls Platz 3 heraus, auch sie winkt zusammen mit einer Olympiasiegerin vom Podest.

Der Sprung von Tanja Schärer

Der Sprung von Tanja Schärer

Noch dienstälter als die Wasserschanze in Mettmenstetten, welche auf Initiative des früheren Olympiasiegers Sony Schönbächler zustande kam, ist Nationaltrainer Michel Roth. Seit 1991 betreut er die Schweizer Skiakrobaten. Der 53-Jährige ist überzeugt vom Potenzial seiner jungen Truppe, die so gross und vielversprechend ist wie seit Jahren nicht mehr. Während sich Schärer bei den Frauen allein auf weiter Flur mit der Weltelite misst, gibt es im Männerteam gleich fünf mögliche Olympiakandidaten, darunter Roths 15-jähriger Sohn Noe. „Und wenn Gasser und Isler den Sprung mit den fünf Schrauben stehen können, dann sind sie im Weltcup ganz vorne dabei“, prognostiziert Roth.

Aerials ist die einzige Disziplin von Swiss Ski, in welcher nicht die „Bergler“ dominieren. Neben Schärer, Gasser und Isler steht mit Nicolas Gygax ein weiterer Athlet aus der Nordwestschweiz im Nationalteam. Der 20-jährige Aargauer gewann in der letzten Saison die Europacup-Gesamtwertung und schafft es am Sonntag in Mettmenstetten ebenfalls in den Final. Bemerkenswert: alle vier sind ehemalige Kunstturner. Dimitri Isler etwa trainierte in früheren Jahren gemeinsam mit Oliver Hegi im Leistungszentrum Niederlenz. Im Gegensatz zum Skiakrobaten hat sich Hegis Olympiatraum in Rio bereits erfüllt.