Ski Alpin

Zwischen Traum und Realität – die Geschichte von 2 Schweizer Ski-Hoffnungsträgern

Aline Danioth (l.) erhält für die Mission Weltcup Tipps von Bernhard Russi – Marco Odermatt (r.) wird von Red Bull unterstützt.

Aline Danioth (l.) erhält für die Mission Weltcup Tipps von Bernhard Russi – Marco Odermatt (r.) wird von Red Bull unterstützt.

Marco Odermatt (21) und Aline Danioth (20) haben als Junioren brilliert, nun soll der Durchbruch im Weltcup klappen. Doch so einfach ist das nicht – eine Geschichte von zwei Schweizer Hoffnungsträgern.

Es ist nicht immer einfach, Hoffnungsträger zu sein. Diese Erfahrung machten schon viele. Dann, wenn die hohen Erwartungen plötzlich bremsen und die beflügelnde Wirkung des frühen Erfolgs verpufft.

Marco Odermatt gewann im Februar an der Junioren-WM in Davos fünfmal Gold. Wenn am kommenden Wochenende in Sölden die Skisaison beginnt, wird er daran gemessen werden – auch wenn der Weltcup eine andere Welt ist. Doch spätestens seit dem Ausfall von Riesenslalom-Teamleader Justin Murisier mit einem Kreuzbandriss wird Juniorenweltmeister Odermatt zum Schweizer Trumpf.

Erfolg wird so Bürde. Und trotzdem: In vielen Biografien der besten Skifahrer sind Titel bei den Junioren enthalten. Der siebenfache Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher zum Beispiel hat drei Junioren-Goldmedaillen irgendwo bei sich zu Hause liegen.

Der Deal mit dem Giganten

Marcel Odermatts Talent wurde auch in Hirschers Heimat Österreich erkannt. Red Bull, das im Skisport die Crème de la Crème unterstützt, hat den 21-Jährigen aufgenommen. Der Energy-Drink-Hersteller gilt als grosszügiger Partner, der seinen Athleten Zugang zum modernen Sport-Leistungszentrum in Salzburg ermöglicht. Dort trifft Odermatt auf Stars wie Hirscher, Aksel Svindal oder Alexis Pinturault, um nur ein paar zu nennen. Kurz: Er wird einer unter Giganten des Skisports. Odermatt sagt: «Ich sehe es als Chance. Red Bull kann mir sehr viel bieten. Und den Vertrag habe ich mir mit meinen Leistungen im vergangenen Jahr verdient.»

Das Selbstbewusstsein stimmt – und doch verliert Odermatt ob all der Vorschusslorbeeren nicht den Bezug zur Realität. Zuerst will er sich langsam im Weltcup etablieren. Dank Platz zwei im Riesenslalom-Europacup hat der Nidwaldner in dieser Disziplin einen fixen Weltcup-Startplatz. Sölden soll den Auftakt machen, um sich in den Top 30 zu beweisen. «Und dann schauen, was in der Abfahrt und im Super-G möglich ist.»

«Eigentlich ist es ganz einfach»

16-mal ist Odermatt bisher im Weltcup gestartet. Beim Weltcup-Finale im März im schwedischen Are, wo er als Juniorenweltmeister im Super-G, in der Abfahrt und im Riesenslalom einen Startplatz erhielt, klassierte er sich in allen drei Rennen in den Top 15. Und in Are finden im Februar 2019 die Weltmeisterschaften statt.

Ein gutes Omen? Träumt er bereits von der WM bei den Grossen, nachdem es bei den Junioren so gut klappte? «Eigentlich ist es ganz einfach: Man muss zweimal in die Top 15 fahren, dann ist man dabei», sagt der 21-Jährige und schmunzelt. Denn damit würde er die Selektionskriterien erfüllen. Nur: So einfach ist das nicht. Vor Are hat er eine solche Klassierung im Weltcup nicht geschafft. Bevor er zu träumen beginnt, will Odermatt darum erst richtig Fuss fassen im Weltcup.

Das weibliche Double

Das will auch Aline Danioth. Sie gewann an den Junioren-WM in Davos zweimal Gold und einmal Silber. Doch nicht nur diese Erfolge verbinden sie mit Odermatt. Dieser sagt: «Aline ist fast so etwas wie mein weibliches Double.» Gut fünf Jahre waren sie gemeinsam im Kader des zentralschweizerischen Skiverbands. Beide haben bisher 16 Weltcuprennen absolviert – und neu fahren sie beide für Stöckli.

Odermatt vertraut seit gut 10 Jahren auf die Schweizer Marke, Danioth hat für diese Saison zu Stöckli gewechselt, nachdem sie sich auch bei ihm erkundigt hatte. Und auch die Ziele der 20-Jährigen ähneln jenen von Odermatt. Danioth hat dank des Gewinns des Slalom-Europacups einen fixen Weltcupstartplatz in dieser Disziplin. «Diese Ausgangslage will ich nutzen und meinen Platz festigen», sagt sie.

Überhaupt stört es die Urnerin nicht, dass die grösseren Schlagzeilen Odermatt gehören. «Er steht mir ganz sicher nicht vor der Sonne», sagt Danioth. «Ich habe mich riesig über seine Erfolge gefreut. Schliesslich kennen wir uns schon ziemlich lange.» Anders als bei Riesenslalom-Talent Odermatt ist bei Danioth der Slalom die stärkste Disziplin. Trotzdem schaut auch sie zuversichtlich nach Sölden. Ein Startplatz in den Top 30 ist ihr mittelfristiges Ziel in dieser Disziplin und später kann sie sich auch Starts im Super-G vorstellen. Doch das hat Zeit. «Es ist schwierig, alle drei Disziplinen genügend intensiv zu trainieren», sagt sie. «Deshalb konzentriere ich mich vorerst auf den Slalom und den Riesenslalom.»

Tipps von Russi

Langfristig träumt auch die Frau aus Andermatt vom Erfolg. Von Erfolgen, wie sie ein anderer Andermatter feierte: Bernhard Russi. Der ehemalige Skistar versorgt sie denn auch mit Tipps. Sie sagt: «Von seiner Erfahrung kann ich nur profitieren. So sprach er mir während meiner Verletzung Mut zu. Fast jeder Skifahrer habe so etwas durchmachen müssen. Wichtig sei dabei, dass man eine solche Pause auch als Chance begreife.»

Aline Danioth erlitt Ende 2016 einen Kreuzbandriss, Odermatt Anfang 2017 einen Meniskusschaden. Beide kamen stärker zurück, haben also die Chance gesehen. Es ist eine weitere Parallele in ihrem Leben.

Und was, wenn es nicht klappt mit der grossen Karriere? Wenn die hohen Erwartungen zu bremsen beginnen und der frühe Erfolg bald vergessen geht? Danioth sagt: «Ich will einfach das Beste geben. Wenn mir das gelingt, kann ich zufrieden sein.» Und Marco Odermatt ergänzt: «Natürlich hat man das irgendwo im Hinterkopf. Aber als Spitzensportler hast du einen Plan A. Der muss funktionieren.» Es ist nicht immer einfach, Hoffnungsträger zu sein.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1