Ski alpin

Zuerst Wellness, dann Stress: Wendy Holdener fliegt mit dem Privatjet an die Ski-WM

Wendy Holdener, gut gelaunt, nach ihrer Ankunft in Åre, dem Austragungsort der Ski-WM.

Wendy Holdener, gut gelaunt, nach ihrer Ankunft in Åre, dem Austragungsort der Ski-WM.

Wendy Holdener hat ein dichtes WM-Programm, sie startet in fünf Disziplinen. Angereist ist sie mit dem Privatjet – und ihrer grössten Konkurrentin an Bord

Die Anreise von Wendy Holdener hatte etwas Royales. Mit dem Privatjet ist sie nach Schweden geflogen. Von Maribor, Slowenien, direkt nach Östersund. Die Bilder auf den sozialen Medien müssen für den Autogrammjäger ein wahr gewordener Traum sein.

Nebst Holdener sind Mikaela Shiffrin, Ilka Stuhec und Federica Brignone an Bord. Mit kaum gefüllten Weingläsern prosten sie sich zu. Sie strahlen, als hätten sie im Lotto gewonnen. Die Gefühlslage dürfte bei den Schweizer Speed-Männern konträr gewesen sein. Sie steckten an den Flughäfen von Zürich und Stockholm fest.

Ein komplett anderes Erlebnis

Die Skifahrerinnen mieteten aber nicht aus blossem Vergnügen ein Privatflugzeug. Der Termindruck brachte Ilka Stuhec, die slowenische Abfahrtsweltmeisterin, auf die Idee. Zwischen dem Weltcup von Maribor und dem ersten Abfahrtstraining in Åre lag ein einziger Tag. Stuhec trommelte Leute zusammen, die nach dem Slalom am Samstag möglichst schnell nach Schweden dislozieren möchten. Einen grossen Teil der Kosten hätten private Sponsoren von Stuhec übernommen, Holdener, Shiffrin und Brignone zahlten ebenfalls. Eher einen symbolischen Betrag. «So billig kann ein Flug im Privatjet nicht sein», sagt Holdener.

Man stellt sich die Konkurrentinnen Shiffrin und Holdener vor, während fünf Stunden eingesperrt in einem goldenen Käfig. Worum drehen sich da die Gespräche? «Wir tauschen uns sonst auch aus, etwa bei Startnummernauslosungen. Aber im Flieger war es freundschaftlicher. Wir hatten Zeit, um über Privates zu reden», sagt Holdener. «Ich war am Abend richtig zufrieden. Das ist ein komplett anderes Erlebnis, als ständig gegeneinander antreten zu müssen.»

Ein Staubsauger für Mutter Shiffrin

Auch sehr irdische Dinge wurden im Flieger abgehandelt. Konkret ging es etwa um einen Staubsauger. Holdener ist von einem Unternehmen für Haushaltsgeräte gesponsert, dies erweckte in der Mutter von Mikaela Shiffrin das Vorhaben, sich von Holdener einen Staubsauger organisieren zu lassen. «Der Staubsauger ist offenbar für die Grossmutter von Mikaela vorgesehen, die wohnt in Vermont.» Der Deal sei aber noch nicht zustande gekommen.

Holdener erzählt die Privatjet-Episode im Plauderton. Es passt zu ihrer aktuellen Situation, in der ihr vieles leicht von der Hand geht. In Maribor erlebte sie ein gutes Wochenende. Dritte im Slalom, Vierte im Riesenslalom. Davor legte sie eine kurze Pause ein, die Speedrennen von Garmisch liess sie aus. Vor gut zwei Wochen in Cortina, bei ihrem letzten Einsatz auf den langen Ski, erfüllte sie die Limite für den Super-G.

Das hatte zur Konsequenz, dass Holdener nun in fünf Disziplinen starten kann: Slalom, Riesenslalom, Kombination, Super-G und Teamwettbewerb. «Ich bin richtig motiviert, weil ich so viele Chancen bekomme», sagt sie. «Das macht das Ganze einfacher.» Sie hat einige Optionen für den Medaillengewinn, kann sich auch einen schlechten Tag erlauben.

Die Titelverteidigerin

Im Super-G geht es heute darum, ein gutes Gefühl zu bekommen. Am Freitag ist die Ausgangslage anders, wenn sie die Kombination fährt. In St. Moritz 2017 wurde sie in dieser Disziplin Weltmeisterin. Doch sich nur auf die Titelverteidigung zu fokussieren, wäre die falsche Strategie, findet Holdener. Auch in diesem Wettbewerb ist Mikaela Shiffrin die härteste Konkurrentin. Erwischt die Amerikanerin einen normalen Tag, wird sie sich die Goldmedaille kaum nehmen lassen.

Weil es an guten Kombinierern mangelt und dem Format fehlende Attraktivität nachgesagt wird, ist die FIS bestrebt, den Wettbewerb künftig zu streichen. In dieser Woche soll ein Entscheid fallen, die Chancen sind gross, dass Holdener ihre letzte WM-Kombination erlebt. «Ich hoffe, dass die Kombi an Grossanlässen beibehalten wird. Unter den besten zehn Athletinnen ist es extrem spannend. Aber danach geht die Qualität drastisch runter.»

In dieser Weltcup-Saison wurden nur zwei Kombis eingeplant. Dass diese Anzahl wieder aufgestockt werden könnte, glaubt Holdener nicht. «Man will ja mehr Parallelrennen. Und das Programm ist jetzt schon ziemlich voll.» Noch mehr Parallelrennen und noch mehr Kombis: Wohl müssten dann noch mehr Athletinnen Privatflugzeuge ordern.

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