Vor vier Jahren, an den Olympischen Spielen in Vancouver, zogen die Schweizer Medaillengewinner jeweils unter mächtigem Geläut zu ihrer Feier ins «House of Switzerland» ein. In Sotschi nun werden die erfolgreichen Edelmetalljäger mit leiseren Tönen vorliebnehmen müssen – wegen der russischen Zollbestimmungen. «Wir haben die Treicheln jeweils im Bob transportiert», sagt Kari Purtschert vom Fanklub des Teams um den Bobpiloten Beat Hefti. «Das konnten wir diesmal vergessen.»

Es ist bereits das vierte Mal, dass Purtschert eine Fanreise an die Olympischen Spiele organisiert hat. «So kompliziert wie diesmal war es noch nie», sagt er. 15 Personen, vorwiegend aus dem Kanton Schwyz, gehören seiner Gruppe an, darunter auch Anhänger der Skifahrerin Fabienne Suter. Bereits vor Monaten hat Purtschert über ein russisches Reisebüro in der Stadt Sotschi ein Haus in deutschem Besitz gemietet. Dort wird die Gruppe, die vom Flughafen Friedrichshafen aus via Istanbul anreist, während der ganzen Spiele logieren.

«Glücklicherweise waren wir mit der Organisation relativ früh dran», erzählt Putschert. «Es hat eine Weile gedauert, bis alle ihr Visum hatten.» Vor allem der geforderte Krankenkassen-Nachweis habe einige Probleme bereitet. Einige Versicherer hätten einen solchen zunächst nicht ausstellen wollen, weil man per Ende des letzten Jahres noch hätte kündigen können. «Wir sind alle gespannt», sagt Purtschert, der nicht damit rechnet, dass er den reservierten Kleinbus in Sotschi tatsächlich erhalten wird. «Bezahlt haben wir ihn zwar schon lange, doch inzwischen verlangt der Vermieter den vierfachen Preis.»

Beim Fanklub des Bobteams Fabienne Meyer, von dem 18 Leute mit dem offiziellen Swiss-Olympic-Reisepartner Globetrotter nach Sotschi fliegen, haben einige den obligatorischen Zuschauerausweis (Spectator Pass), der via Internet angefordert werden musste, nicht erhalten. «Nun müssten wir halt vor Ort schauen», sagt Meyers Schwester Chantal.

Der Fanklub von Langläufer Dario Cologna – auch er bekannt für seine Treichler – nimmt die Reise gar nicht erst in Angriff. «Zu teuer und zu kompliziert zum Organisieren», sagt Ilario Andri. Der Fanklub-Präsident findet es «extrem schade», dass die Spiele in den Kaukasus vergeben wurden. «Dort wird nicht der gleiche Spirit herrschen wie vor vier Jahren in Kanada», befürchtet er.

Damals hatte der Cologna-Fanclub in Whistler Mountain, in etwa halbstündiger Entfernung vom Langlauf-Stadion, ein Haus für 15 Personen gemietet. «So war es pro Kopf deutlich günstiger, als es eine Reise nach Sotschi geworden wäre.» Gemäss Globetrotter-Angebot hätte nun für zwei Wochen mit einem Budget von mindestens 5000 Franken gerechnet werden müssen. «Das Interesse war deshalb gering», sagt Andri, der neben Colognas Eltern noch von zwei weiteren Klubmitgliedern weiss, welche nun trotzdem nach Sotschi reisen.

Auf die Reise verzichten werden hingegen die Eltern von Colognas Teamkollege Remo Fischer. Auch sie hatten 2010 in Whistler ein Haus gemietet – und ihren Sohn während der Spiele mehrmals getroffen. «In Sotschi wäre dies kaum möglich gewesen und wir hätten viel weiter vom Stadion entfernt im Hotel logieren müssen», sagt Vater Kurt Fischer, der die kommenden Spiele aber nicht grundsätzlich in einem negativen Licht sehen will. «Wenn man einmal Olympische Spiele als solche erleben möchte, ist Sotschi sicher eine Reise wert.»

Für den Fanklub von Riesenslalom-Olympiasieger Carlo Janka sind die Spiele eine Nummer zu gross. «Wir fahren lieber zu den Rennen in der Schweiz oder in Österreich», sagt der Präsident, Jankas Bruder Pirmin. «Wir waren auch nicht in Vancouver.» Jankas Teamkollege Beat Feuz hingegen weiss in Sotschi sechs Mitglieder seines Fanklubs hinter sich, die mit Globetrotter reisen. Neben finanziellen und administrativen Hürden hätten einige Mitglieder auch Bedenken wegen politischer Unruhen, sagt Helga Gerber vom Feuz-Fanklub.

Von den Supportern von Slalomfahrerin Wendy Holdener konnte sich nach Vorliegen mehrerer Offerten niemand für die Reise nach Sotschi entscheiden. Mindestens 4000 Franken hätte man für die Reise hinblättern müssen. «Das können wir uns im Iberg nicht leisten», sagt Andy Reichmuth vom Skiclub Drusberg.

Bei Globetrotter bewegt sich die Anzahl Buchungen etwa im gleichen Rahmen wie vor vier Jahren für Vancouver (siehe Interview rechts). Kostengünstige Alternativen scheint man allerdings schwieriger zu finden als in Kanada. Immerhin: «Wenn man ein wenig Reiseerfahrung hat, kommt es gar nicht so teuer», meint der viermalige Olympiasieger Simon Ammann, dessen Eltern mit dabei sein werden.

Kari Purtschert rechnet für seine Reisegruppe für zweieinhalb Wochen mit Kosten bereits ab 3000 Franken pro Person – je nach besuchten Wettkämpfen. Die Zollbestimmungen hat er übrigens genau studiert: «Kleine Treicheln sollten wir mitnehmen können.» Sotschi 2014 – für Schweizer Fans quasi die moderne Version des «Schellenursli».