Etwas paradox ist es ja schon. Die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel wird von den Organisatoren gerne und oft als die schwierigste der Welt bezeichnet. Und falsch liegen sie damit sicher nicht.

Erholt zu starten, scheint elementar. Nur die Organisatoren sehen das anders. Sie schicken die Allrounder am Vorabend noch spät auf die Piste. Der Kombislalom wird unter Flutlicht gefahren.

Wer kann, verzichtet 

Die meisten Abfahrer lösen das Problem mit Verzicht. Nach dem Super-G, der als separates Rennen gewertet wird, ist Schluss für Hannes Reichelt und Co. Erholung statt Slalom. So sieht ihr Programm aus. Komplizierter wird es für die Allrounder, beziehungsweise für jene, die die Kombipunkte für den Gesamtweltcup brauchen.

Beispiel: Kjetil Jansrud. Der Norweger duelliert sich in der Gesamtwertung mit Marcel Hirscher. Der österreichische Techniker wird die Kombination bestreiten, aber wie immer in der Abfahrt nicht am Start stehen. Jansrud aber gehört auch in der Abfahrt zu den Favoriten. Das bringt in ins Dilemma: «Ich brauche die Kombipunkte, weil Marcel Hirscher sicher gut Punkten wird.»

Fährt Jansurd in der Kombination sogar aufs Podest, wird er inklusive Siegerehrung, Interviews etc. erst etwa um 20 Uhr im Hotel sein. Dann hat der Norweger aber noch nicht gegessen oder sein Regenerationsprogramm bestritten. Kurz: Die Vorbereitung für die Abfahrt am Samstag wird eng. «Ich verstehe die Organisatoren. Für sie ist ein Nachtslalom ein grösseres Spektakel», sagt Jansurd.

Die Abfahrt ist wichtiger

Trotzdem bleibt die Frage: Wie viel Schlaf braucht ein Abfahrer? Carlo Janka, der offenlässt, ob er in der Kombination teilnehmen wird, sagt: «Dieses Format ist für die Erholung sicher nicht optimal.» Auch in Wengen findet am Tag vor der Abfahrt eine Kombination statt.

Anders als in Kitzbühel wird der Slalom aber bereits am Nachmittag gefahren, was mehr Erholugszeit für die Abfahrer bedeutet. In diesem Winter fand die Abfahrt wetterbedingt erst am Sonntag statt. Das Problem löste sich auf.

In Kitzbühel soll alles nach Programm stattfinden können. Beat Feuz sagt: «Ich weiss noch nicht, ob ich den Kombislalom fahren werden. Die Erholung für die Abfahrt ist mir aber wohl wichtiger.»