Eigentlich sollte die alpine Kombination in Crans-Montana die letzte sein. Denn der Internationale Skiverband FIS plante, die Disziplin abzuschaffen. Doch an der WM in Åre folgte die Kehrtwende: Die Kombination bleibt bis zur nächsten WM 2021 in Cortina d’Ampezzo im Programm, und auch im Weltcup sollen wieder mehr Wettbewerbe in dieser Disziplin stattfinden.

Das Rennen gestern in Crans-Montana zeigte deutlich, wie es um die älteste FIS-Disziplin steht. Nur 35 Fahrerinnen hatten an der Kombination am Mont Lachaux teilgenommen, die Aushängeschilder Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova verzichteten auf eine Teilnahme. «Wir müssen der Kombination wieder eine adäquate Wertigkeit innerhalb des Weltcups geben», sagt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann.

Er weibelte in den vergangenen Monaten erfolgreich für den Erhalt der Disziplin. «Wenn es wieder mehr Bewerbe und eine Disziplinenwertung gibt, dann können die besten Fahrerinnen und Fahrer die Kombination nicht mehr ignorieren», sagt Lehmann. Ihm gehe es vor allem um die Zukunft des alpinen Skisports. «Die Parallelrennen funktionieren noch nicht wie gewünscht. Das ist ein Desaster.»

Solange das so ist, will Lehmann an der Kombination festhalten. Sowohl der schweizerische als auch der österreichische Verband verpflichteten sich, in der kommenden Saison mindestens eine alpine Kombination pro Geschlecht durchzuführen.

Brignones dritter Sieg in Folge

Vom sportlichen Gehalt her ist die Kombination – im Gegensatz zu den Parallelrennen – über alle Zweifel erhaben. Die Athletinnen müssen alles beherrschen, was die Speed-Disziplinen und den Slalom ausmachen. In Crans-Montana gelang dies zum dritten Mal in Folge Federica Brignone am besten.

Die Italienerin legte bereits am Vormittag mit der Bestzeit in der Abfahrt den Grundstein zu ihrem Hattrick. Auf die Weltmeisterin Wendy Holdener fuhr sie 1,47 Sekunden Vorsprung heraus. Der Schwyzerin gelang am Nachmittag auf weicher Piste nicht der erhoffte Toplauf.
«Ich habe irgendwie immer Mühe an diesem Slalomhang», sagte Holdener nach Rang drei. Weniger haderte die 25-Jährige mit der Leistung in der Abfahrt.

«Im Vergleich zu Åre fühlte ich mich auf dieser schwierigen Abfahrt hier nie ganz wohl. Deshalb bin ich zufrieden», sagte sie. «Im Slalom jedoch war es zu wenig.» Dort gelang der auf dem Papier stärksten Fahrerin lediglich die viertschnellste Zeit.

Kopp mit Ausrufezeichen

Überraschende Zweite wurde die Kanadierin Roni Remme, die Holdener im Slalom fast vier Zehntelsekunden abnahm und damit die Laufbestzeit aufstellte. Näher als auf 38 Hundertstel kam aber auch sie nicht an die Tagessiegerin heran. Brignone gestand, dass sie in diesem Jahr noch kaum Slalom trainierte.

Umso erstaunlicher, dass sie auf die besten Spezialistinnen weniger als eine Sekunde verlor. Die 28-Jährige profitierte auch davon, dass ihr Trainer den Slalomlauf steckte. «Ziemlich regelmässig. Das kam mir entgegen», sagte Brignone.

Das Ausrufezeichen aus Schweizer Sicht setzte Rahel Kopp mit Platz vier. Die 24-Jährige feierte ihr Bestergebnis im Weltcup. Gleichzeitig gelang ihr ein Befreiungsschlag nach einem bisher schwierigen Winter ohne WM-Einsatz. «Es ist eine riesige Erlösung für mich», sagte sie. Anfang Saison versuchte Kopp, im Weltcup Fuss zu fassen, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben und startete fortan im Europacup. Nun gelang ihr bei der Weltcup-Rückkehr der grösste Erfolg der Karriere.

Die Obwaldnerin Priska Nufer rundete mit Platz acht das gute Ergebnis der Schweizer Equipe ab. Nach der Abfahrt am Morgen war die 27-Jährige sogar auf Rang zwei klassiert, fiel im Slalom aber zurück.

Keine Gesamtwertung

Weil die zweite geplante Kombination der Saison im Dezember in Val d’Isère wegen Schneemangels abgesagt werden musste, gibt es in diesem Winter keine Kristallkugel für den Sieg in der Gesamtwertung. Ein weiterer Grund, weshalb die Attraktivität der Disziplin in dieser Form bei den Topathletinnen bescheiden ist.

Dass die Kombination beim Publikum – zumindest in der Schweiz – Anklang findet, bewiesen die über 11 000 Zuschauer in Crans-Montana, die nicht nur, aber vor allem Weltmeisterin Holdener feierten. Diese sagte: «Damit die Disziplin eine Zukunft hat, muss es mehr Rennen geben.» Und genau daran arbeitet die FIS derzeit.