Die legendäre Lauberhornabfahrt steht auf dem Programm. Neben Adelboden haben die Rennen von Wengen einen festen Platz im Rennkalender des internationalen Skiverbands, der FIS. Immer im Januar pilgern Tausende von Skifans an die beiden Klassiker ins Berner Oberland, das an zwei Wochenenden zur Festhütte wird. Diese Saison ist neben Adelboden und Wengen St. Moritz der dritte unter den Schweizer Weltcup-Austragungsorten. Bei unseren Nachbarn, den Österreichern tragen gleich sieben Wintersportdestinationen Weltcuprennen aus.

Lenzerheide kämpft fürs Finale

Andere möchten auch. Doch an Adelboden und Wengen gibt es derzeit kein Vorbeikommen. Wie die Streiff in Kitzbühel und ungefähr einer Hälfte der Rennen sind sie kaum aus dem Kalender wegdenken. Die Saison aber dauert nicht ewig. Und so gehen Jahr für Jahr zahlreiche Skiorte leer aus. Neue kommen hinzu, etwa in Osteuropa oder Russland. Für die Schweizer Wintersportdestinationen wird es immer schwieriger, in den FIS-Rennkalender aufgenommen zu werden.

Die Vorteile aber sind erforscht. Es gibt zahlreiche Wertschöpfungsstudien die belegen: Die Austragung eines Weltcuprennens ist nicht nur teuer, sie lohnt sich auch. Der Konkurrenzkampf unter den Wintersportdestinationen hat sich gerade auch wegen des überbewerteten Schweizer Frankens weiter verschärft. Skiorte erhoffen sich von den ausgestrahlten TV-Bildern eine Werbewirkung in aller Welt.

Test für Ski-WM

In der Lenzerheide zum Beispiel zog man vor einigen Jahren den Weltcupfinal an sich. Man schaffte es, diesen zu einem Superevent empor zu stilisieren und vermochte die teuer hingestellte Infrastruktur dank der Vielzahl an Rennen zu amortisieren. Doch die FIS vergab den prestigeträchtigen Event aus politischen Gründen an andere Destinationen. Heuer dem französischen Méribel, nächstes Jahr ist St. Moritz an der Reihe. Die Austragung des Finals soll als Test für die Ski-WM dienen, die 2017 im Engadiner Nobelort stattfindet. Danach kommt der US-amerikanische Nobel-Skiort Aspen zum Zug. Die Lenzerheide ist erst 2019 wieder dran.

Ganz leer gehen heuer die Walliser aus. Und das in einem Kanton mit einer langen Skitradition und Skigebieten, die zu den grössten überhaupt gehören. In Crans-Montana hat man keine Investitionen gescheut, um den Weltcup wieder zurückzuholen. Mit schwerem Gerät wurde eine neue Piste mit dem Namen «Mont-Lachaux» aus dem Boden gestampft. Fünf Millionen Franken haben die Unterwalliser verbaut. Das, um sich den «Ruf einer Streiff für die Damen zu schaffen», wie Hugo Steinegger, der Sprecher der Wintersportdestination zur «Nordwestschweiz» sagt.

Die Zeichen stehen gut, dass sich Crans-Montana etablieren wird. Bereits hat der Kurort, der im Sommer vor allem Golfspieler anzieht, die Zusicherung bekommen, ab 2016 für vier Jahre Rennen der Speed-Disziplinen durchzuführen. Doch das reicht Crans-Montana nicht: Nach der Ski-WM in St. Moritz wird es sich für die nächste Ski-WM in der Schweiz bewerben. Realistisch wäre eine WM im Jahr 2027.

Zermatts Interesse

Neben Crans-Montana will sich nun eine weitere Nobeldestination ein Stück des Weltcupkuchens abschneiden. Zermatt hat es wegen seines weltbekannten Matterhorns zwar nicht nötig, doch die Matter schielen auf die Saisoneröffnung: Die Weltcuprennen zum Saisonauftakt sollen genutzt werden, um der Welt zu zeigen «Zermatt ist schneesicher».

Zermatt liegt auf über 1600 Metern und bietet dank seiner Gletscher auch Sommergästen Skivergnügen. Das machen sich die Profis schon längst zu Nutzen, trainieren doch viele im Sommer in Zermatt. Dem Kurdirektor Daniel Luggen reicht das nicht. Er sagt: «Wir wollen in den nächsten zehn Jahren mit einer spektakulären Herrenabfahrt in den Weltcup-Zirkus.» Zermatt war nie Austragungsort für Weltcuprennen, doch haben die Matter vor der Einführung des Ski-Weltcups 1967 zahlreiche sogenannte FIS-A-Rennen durchgeführt. FIS-A-Rennen waren bis zur Einführung des Weltcups die höchste Klasse internationaler Skirennen.

Die Walliser geben Gas. Doch die Hürde ist hoch, von der FIS in den Kalender aufgenommen zu werden. Lang ist der Schatten, den das etablierte Adelboden, Wengen und St. Moritz auf ihre Konkurrenten werfen.

Ein Weltcup im Entlebuch

Ganz aus dem Rennen ist Veysonnaz, das wie Crans-Montana im Unterwallis liegt. Seit mehr als zehn Jahren fand dort kein Weltcuprennen mehr statt. Der Ort mit seiner eindrücklichen «Bärenpiste», die sich durch eine Waldschneise in die Tiefe stürzt, hatte es sich mit der FIS verscherzt. Nachdem das OK verschiedentlich Auflagen missachtet hatte, kehrte die FIS den Unterwallisern den Rücken zu.

Wie Veysonnaz erging es vielen. 25 Wintersportorte (siehe Liste) haben seit 1967 Weltcuprennen durchgeführt. Unter ihnen finden sich Exoten wie Flühli im luzernischen Entlebuch oder Ebnat-Kappel im Toggenburg.