Skicross

Vater von totem Skicrosser: «Die Verantwortlichen waren blind!»

Predrag Zoricic (Zweiter von rechts) bei der Trauerfeier Ende März in Toronto.

Predrag Zoricic (Zweiter von rechts) bei der Trauerfeier Ende März in Toronto.

Predrag «Bebe» Zoricic, der Vater des im März in Grindelwald verunfallten Skicrossers Nick Zoricic, hadert mit dem Tod seines Sohnes und wirft der FIS und den Organisatoren Versagen vor.

Der kanadische Ski-Alpin-Coach Bebe Zoricic hat vor dem Weltcup-Auftakt der Skicrosser in Nakiska vom Wochenende schwere Vorwürfe an die Adresse der FIS und an die Organisatoren In Grindelwald gerichtet. «Es hätte so leicht verhindert werden können», sagte Zoricic der «Vancouver Sun». «Alle waren blind und dachten ein anderer sei verantwortlich. Vielleicht haben sie die Sicherheitsmängel sogar gesehen, aber sie sagten sich: Es liegt ja nicht in meiner Verantwortung, ein anderer soll das tun.»

Vor allem den fehlenden Abstand zum Sicherheitsnetz beim Zielsprung kann der Kanadier nicht verstehen. Dieser sei letzten Endes auch verantwortlich für den Tod seines Sohnes.

«Dieses Sicherheitsnetz, in das er gesprungen ist, hätte niemals dort sein dürfen!», ärgert sich Zoricic. «Man braucht mindestens fünf bis sechs Meter Auslauf neben dem Zielsprung. Hätten sie ihm diesen gewährt, wäre Nick vermutlich nicht mal gestürzt. Er wäre nebendurch gefahren und disqualifiziert worden. Ganz einfach.»

Der Kanadier gesteht, dass es für ihn unter diesen Umständen nicht einfach ist, den Tod seines Sohnes zu verarbeiten. «Man spricht immer davon, dass Zeit alle Wunden heilt, aber mir und meiner Frau wird es niemals so ergehen. Diesen Schmerz werden wir immer in uns tragen.» Er reist am Freitag alleine zum Weltcup-Auftakt in die Nähe von Calgary. «Meine Frau kommt nicht mit. Sie würde wohl das ganze Wochenende nur weinen.»

Zoricic verzichtet auf Klagen

Dennoch hegt Zoricic keinerlei Groll gegen die Disziplin Skicross. Er hat auch keine Klagen eingereicht, weder gegen die FIS noch gegen die Pistenbauer in Grindelwald. «Es ist ein ausgesprochen attraktiver Sport. Zuschauerfreundlich und auch aufregend für die Athleten. Aber er muss in einer sicheren Umgebung stattfinden.»

Um diese Sicherheit in Zukunft zu gewährleisten, fordert Bebe Zoricic von der FIS ein Umdenken und einschneidende Veränderungen am Sicherheitskonzept. Er kritisiert, dass die FIS Skicross bisher als «Freestyle-Anlass « behandelte und deshalb nicht derselbe Aufwand für die Sicherheit betrieben wurde wie bei Ski-Alpin-Rennen. Dies müsse nun dringend geändert werden.

Unterstützung erhält Zoricic in seiner Forderung von seinem Landsmann und Skiverbandspräsidenten Max Gartner. «Die FIS realisiert erst langsam, dass es sich beim Skicross um einen Speed-Event handelt und man die Disziplin auch dementsprechend behandeln muss. Dabei kann man von den im Ski alpin gemachten Erfahrungen profitieren.»

Für Nick Zoricic kommen derlei Überlegungen zu spät. Immerhin bleibt zu hoffen, dass sein Tod etwas bewirkt hat und künftig dank dringend benötigter Sicherheitsanpassungen derart tragische Unfälle vermieden werden können.

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