Die Hoffnungen hatten auf Emilie Aubry und Sandra Frei geruht. Diesem Duo traute unter anderem Swiss-Snowboard-Chef Franco Giovanoli im ersten von zwei Rennen in Arosa einen Podestplatz zu. Das sprichwörtliche Schicksal bestimmte aber eine Fahrerin zur bestklassierten Schweizerin, die niemand wirklich auf der Rechnung hatte. Tanja Besancet nutzte die Gunst der (ersten) Stunde zu einer Top-12-Klassierung.

Die 22-jährige Neuenburgerin blieb im Gegensatz zu ihren Teamkolleginnen und -kollegen von Kollisionen oder Berührungen mit Gegnern verschont und schaffte es bis in den Halbfinal. Der elfte Schlussrang, den sie dank dem fünften Platz im kleinen Final erreichte, darf dennoch als gelungenes Erstresultat bezeichnet werden. Zumal die Europacup-Dritte, die als Belohnung für den ersten Sieg auf der Lenk am letzten Wochenende erstmals eine Startgelegenheit im Weltcup erhalten hat, mit dem ungewohnten Format konfrontiert war.

Wie an den X-Games oder einst auf der längst aufgelösten FIS-Konkurrenztour ISF starte(te)n in Arosa jeweils sechs Fahrer pro Lauf. Davon versprechen sich Swiss-Snowboard als Impulsgeber und auch die Organisatoren noch mehr Action, Überholmanöver, Rangverschiebungen und eine entsprechende Ausdehnung auf mehrere Rennen im kommenden Winter. Besancet kam relativ gut damit klar, obwohl sie zugab, dass allein die Umstellung vom Europacup auf den Weltcup sehr schwierig war.

Für Aubry, die aufgrund der diversen Absenzen und Ausfälle ihrer Teamkolleginnen den Grossteil der Saison als "One-Woman-Team" zu bestreiten hatte, und für Frei gab es im Ersatzrennen für Yongpyong (SKor) nichts zu holen. Nach den Rängen 9 und 6 in der Qualifikation schieden die routinierteren Schweizerinnen bereits in der ersten Runde aus. Aubry und Frei kamen nach regulär geführten Positionskämpfen zu Fall und konnten den Rückstand auf dem sehr selektiven Kurs nicht mehr aufholen. Wie die allesamt im Achtelfinal gescheiterten drei Schweizer Männer haben die Swiss-Snowboarderinnen im zweiten Rennen von heute Freitag die Chance, sich mit einem Erfolgserlebnis in die Sommerpause zu verabschieden.

Weil Weltmeisterin Lindsey Jacobellis auf die Reise nach Arosa verzichtete, reichte der kanadischen WM-Dritten Dominique Maltais der fünfte Rang, um die Disziplinenwertung zum zweiten Mal nach 2005/06 für sich zu entscheiden. Der Tagessieg ging an Alexandra Jekova, die als erste Bulgarin ein Weltcuprennen gewinnen konnte. Ebenfalls auf das Podest schafften es die Amerikanerin Callan Chythlook-Sifsof und Zoe Gillings von der englischen Isle of Man.

Bei den Männern wurde die Entscheidung über den Sieg im Boardercross-Weltcup auf Freitag vertagt. In die Pole Position manövrierte sich Pierre Vaultier, der hinter dem zweifachen Olympiasieger Seth Wescott (USA) und vor seinem Landsmann Paul-Henri De le Rue Zweiter wurde. Der Franzose hat gute Chance, seinen dritten Disziplinentitel nach 2007/08 und 2009/10 zu erringen. Vaultiers Vorsprung auf den bislang führenden Amerikaner Jonathan Cheever beträgt 200 Punkte, der australische Weltmeister Alex Pullin hat ebenfalls noch (theoretische) Chancen auf den Gesamtsieg.