Natürlich: Kitzbühel ist nicht Wengen und anders als in den Heimrennen am Lauberhorn lief es Carlo Janka auf der Streif noch nie richtig gut. In der Abfahrt ist sein Bestresultat ein 6. Rang, herausgefahren im letzten Jahr. «Aber dies auf einer Strecke ohne die Zieltraverse, die mir noch nie gelegen ist», sagt er.

Carlo Janka sitzt im Hotel Schweizerhof in Kitzbühel und gibt sich Mühe, die Erwartungen nach dem gelungenen Rennwochenende im Berner Oberland (Sieg in der Kombination und Rang drei in der Abfahrt) tief zu halten. Erleben wir die Rückkehr des alten Carlo Janka? «Das zu behaupten, ist bei mir immer heikel.»

Janka will (noch) nicht auf den Zug der Optimisten aufspringen. «Erst die nächsten Rennen geben mir Aufschluss darüber.» Der Zweifler, der ihn in den letzten Jahren so treu begleitet hat, sitzt dem 28-Jährigen noch immer im Nacken. Er hat die gesundheitlichen Probleme, den Ärger mit dem Material und die vielen Fragen, die Janka in den schwierigen Jahren plagten, nicht vergessen.

Dabei gibt es gute Gründe, dass Janka den Weg zurück an die Spitze gefunden, oder zumindest eingeschlagen hat. Die «Nordwestschweiz» erklärt, warum das so ist. Die entscheidenden Faktoren sind Gesundheit, Material und Selbstvertrauen.

Die Gesundheit:

«Es läuft mir gesundheitlich so gut wie seit Ewigkeiten nicht mehr», sagt Janka. Die Erschöpfungszustände treten nicht mehr auf. Die Herzrhythmusstörungen sind weg. Genau so wichtig aber ist, dass Janka seit gut zwei Jahren ohne Rückenschmerzen fahren kann.

Geschafft hat das der Physiotherapeut Rolf Fischer aus der Innerschweiz. Der Bewegungsmethodiker hat für Janka ein spezielles Programm zusammengestellt. Das Motto: Weniger ist mehr. «Statt wie früher unzählige Gewichte zu stemmen, lege ich mehr Wert auf Schonung», sagt Janka, der auch sein Konditionstraining umgestellt hat. Das Resultat: Er ist so fit wie lange nicht mehr. «Rolf ist ein Genie in Gesundheitsfragen. Er koordiniert alle Bereiche.» - Fazit: erfüllt

Das Material:

Die Liebe zu Atomic war schon länger erloschen. Den Wechsel zu Rossignol vollzog Janka aber erst auf diese Saison. Während bei Atomic alles auf Marcel Hirscher ausgerichtet ist, spürt der Bündner nun Wertschätzung. «Ich weiss von allen Athleten, was für Ski sie fahren, welche Schuhe sie tragen und welche Einstellungen sie wählen», sagt Janka.

Er konnte bei den Tests aufgrund dieser Daten mehr ausprobieren und fand so schneller das richtige Set-up. «Ich fühle mich sehr wohl auf den Ski», sagt Janka. Das ist eine Voraussetzung für Erfolg. - Fazit: erfüllt

Das Selbstvertrauen:

Es ist eine einfache Formel: Erfolg gibt Vertrauen und Vertrauen macht schnell. Nur gilt auch der Umkehrschluss: ohne Vertrauen kein Erfolg. Janka war in dieser Spirale lange gefangen. Den Schalter umgelegt, hat er im Sommertraining. «Es gab Tage, an denen ich richtig ins Fahren kam.» Alles stimmte.

Die Gesundheit, das Material, das Tempo. «Dieses Gefühl nimmt man in die Saison mit», sagt er. Dieses Jahr war es gut. Der letzte Kick kam am Lauberhorn. «Die Resultate gaben mir Auftrieb. Das Vertrauen in mich ist aktuell gross», sagt Janka. - Fazit: erfüllt

Das Gesamtpaket bei Janka stimmt. «Aber es ist wie ein Puzzle. Selbst wenn man die richtigen Teile hat, muss man sie in jedem Rennen richtig zusammensetzen», sagt Janka. Der Zweifler hat das letzte Wort.