Ski alpin

Traumdestination Åre – Corinne Suter wird bereits zum zweiten Mal gefeiert

Silber und Bronze: Corinne Suter lebt ihren WM-Traum.

Corinne Suter gewinnt Silber in der Abfahrt und wird zur Schweizer WM-Heldin.

Vielleicht sollte sich Corinne Suter in Åre eine Wohnung kaufen. Sie und das kleine WM-Städtchen – das passt einfach: Nach Bronze im Super-G gewann die 24-Jährige gestern Silber in der Abfahrt. Was für eine Geschichte. Suter schwärmt: «Ich liebe dieses Land. Wenn man oben am Start steht und in diese Landschaft blickt, hat man ja eigentlich schon gewonnen.»

250 000 Franken kostet eine kleine Wohnung in Åre. Unweit des House of Switzerland, wo Suter gestern Abend schon zum zweiten Mal gefeiert wurde, wirbt ein lokaler Immobilienmakler dafür.

Während der WM lebt Suter in einer Mietwohnung. Aber diese ist ein Puzzleteil für ihren Erfolg. Dort fühlt sich die Schwyzerin wohl. Und dorthin konnte sie sich zurückziehen nach den so aufwühlenden Tagen zwischen Dienstag und Sonntag.

Ablenkung auf dem See

Am Dienstag nach der Bronzefahrt im Super-G konnte Suter gar nicht mehr aufhören, zu weinen vor Glück. Nie stand sie im Weltcup auf dem Podest. Ausgerechnet an der WM klappte es. Es bedarf viel, nach einem solchen Rausch der Gefühle, zurück auf den Boden zu finden. Dass es Suter gelang, ist beeindruckend.

Ruhe fand sie in der Wohnung direkt neben der Strecke. Ablenkung auf dem See. Zusammen mit Teamkollegin und Freundin Jasmine Flury fuhr Suter am Samstag einen Sportwagen auf der vereisten Unterlage. Die Action abseits der Ski-Piste war ein weiteres Puzzleteil für den Erfolg.

Flury hatte nach ihrem Premierensieg im Dezember 2017 im Weltcup erlebt, dass Emotionen, auch wenn sie positiv sind, zu viel werden können. Bei ihr ging lange gar nichts mehr. Nun half sie ihrer Freundin, Gleiches zu vermeiden. Nach der Silberfahrt in der Abfahrt sagt Suter: «Ich habe meine Emotionen heute besser im Griff.» Tränen gab es keine.

«Die WM ist für mich so perfekt gelaufen»

Es half, dass der so lang ersehnte Exploit bereits im Super-G erfolgt war. Das nahm Druck. Aber Suter wusste, dass in der Abfahrt viel möglich ist. Das hatten schon die Trainings gezeigt. Das erhöhte den Druck wieder. Aber Suter hielt stand. Und ohne einen Fahrfehler im Mittelteil, als sie kurz von der Ideallinie abkam, wäre vielleicht sogar Gold möglich gewesen. Doch darüber ärgern wollte sich Suter nicht. «Als ich im Ziel war, ging ich aufgrund meines Fehlers nicht davon aus, dass die Fahrt für das Podest reicht. Die WM ist für mich so perfekt gelaufen. Ich kann es gar nicht fassen.»

23 Hundertstelsekunden war sie am Ende langsamer als Siegerin Ilka Stuhec. Die Slowenin verteidigte als erste Abfahrerin seit Maria Walliser, die 1987 und 1989 Weltmeisterin wurde, den Titel. Stuhec verpasste nach ihrem WM-Sieg 2017 in St. Moritz den ganzen Olympiawinter mit einem Kreuzbandriss. Erst zu Beginn dieser Saison kehrte sie zurück und bescherte der Schweizer Skifirma Stöckli einen weiteren Grosserfolg. Witziges Detail: Stuhec ist gestern den gleichen Ski gefahren wie vor zwei Jahren. Und dies, obwohl er zwischenzeitlich kaputt ging und geflickt werden musste.

Als die Zweifel endeten

Mit Ausnahme von Suter konnte keine Schweizerin in der Abfahrt überzeugen. Lara Gut-Behrami fuhr auf Rang acht, was ihrem bestem Saison-Ergebnis in dieser Disziplin entspricht. «Ich nehme mit, dass ich in einzelnen Passagen mit den Besten mithalten kann», sagt die 27-Jährige. Vor allem aber freute sie sich für Corinne Suter: «Ich habe sie in ihrer Karriere schon so oft aus Enttäuschung weinen gesehen. Sie hat die Medaillen verdient.»

Die Geschichte von Corinne Suter war lange eine des Zweifelns. Enttäuschungen setzten ihr viel stärker zu als vielen ihrer Kolleginnen. Oft ging es lange, bis sie Tiefschläge wegsteckte. Damit bremste sie sich immer wieder selbst. Doch seit dieser Saison wirkt sie lockerer. Vielleicht liegt es daran, dass sie im Herbst viel Glück hatte. Einen Bluterguss im Fuss ignorierte sie so lange, bis daraus eine Blutvergiftung entstand, die sie das Bein hätte kosten können. Suter aber kam ohne Folgeschäden davon. Und es veränderte ihren Blick ein wenig. Sie ist nun weniger verbissen, dafür umso erfolgreicher.

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