Ski alpin
Team-Wettkampf: Show, Sport oder am Ende doch nur «ein Scheiss»?

Deutschland hat den Team-Wettkampf auf der Lenzerheide gewonnen. Bereits 2018 soll die Disziplin olympisch werden – so will es der Weltverband FIS. Das finden nicht alle toll. Der Italiener Christof Innerhofer schiesst scharf.

Martin Probst, Lenzerheide
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Die Schweizerin Wendy Holdener (r.) im Duell mit Deutschlands Veronique Hronek.

Die Schweizerin Wendy Holdener (r.) im Duell mit Deutschlands Veronique Hronek.

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Gerade wurde der Super-G der Männer abgebrochen, da holte der Italiener Christopf Innerhofer auf SRF 2 zum Rundumschlag aus. «Man sollte den Tag des Team-Wettkampfs nutzen, um abgesagte Rennen nachzuholen», sagte der Italiener. Doch das Reglement des Weltcupfinales untersagt dies. Der Team-Wettkampf ist ein fixer Programmpunkt, auch mit dem Hintergedanken, die Akzeptanz zu steigern. «Ich verstehe das nicht. Sollen sich die anderen den Scheiss antun, ich verzichte da gerne», widerlegt Innerhofer.

Tatsächlich stösst der Wettbewerb nicht nur auf Gegenliebe. Besonders im Lager der Österreicher hat man den Team-Wettkampf immer belächelt. Bis zur Heim-WM in Schladming, als im Teamwettkampf das erste Gold gewonnen wurde. Plötzlich schwärmten alle vom Event, wie toll er sei und, und ... Doch schon auf der Lenzerheide verzichtete Superstar Marcel Hirscher wieder auf einen Start im Team – obwohl es so toll war.

Dem Weltverband FIS ist dies egal. Er will den Team-Wettkampf bis 2018 ins olympische Programm bringen. Dann gibt es nicht nur WM-, sondern sogar Olympiamedaillen zu gewinnen. «Selbst für die Ersatzfahrer», wie Innerhofer bemängelt. Nie war es leichter, an weltmeisterliches oder olympisches Edelmetall zu gelangen.

Einer der wenigen Stars, die konsequent auf den Teamwettkampf setzen, ist Felix Neureuther. Der Deutsche führte sein Team auch auf der Lenzerheide zum Sieg. Der bald 29-jährige geniesst das Teamerlebnis und ist zudem ein Spezialist für die Parallelbewerbe. Auch die City-Events werden nach dem gleichen Prinzip, einfach mit Einzelstartern, durchgeführt. Somit ist Felix Neureuther eines der Zugpferde für den Team-Wettkampf.

Im Schweizer Team schwärmen vor allem die jungen Athletinnen und Athleten für den Team-Wettkampf. Weniger gross ist die Motivation bei den «Stars». Lara Gut liess sich einst nur unter Protest zum Start bewegen. Seither verzichtet Swiss Ski auf die Cracks und gibt den jungen eine Chance. Ein Konzept, das funktioniert. Zwar war auf der Lenzerheide im Viertelfinal Schluss. Doch gegen den späteren Sieger Deutschland scheiterte die Schweiz nur hauchdünn. Der Team-Wettkampf als Plattform für die Talente von Morgen? Ja – doch dann hat Christof Innerhofer recht und er gehört nicht in das Programm der Stars.

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