Freuen oder ärgern – Fabienne Suter wusste es nicht so recht. «Ja, ich bin zufrieden mit dem Resultat», sagte die Schwyzerin im Zielraum zu ihrem zweiten Rang im Super-G hinter Cornelia Hütter. «Aber natürlich fuchst mich die Zehntelsekunde, die zum Sieg gefehlt hat», fügte sie an.

So gerne hätte Fabienne Suter auf Schweizer Boden einen Sieg eingefahren, oft genug hatte sie schon einen zweiten Platz belegt. Suter tröstete sich selbst: «Ich habe ja nochmals eine Chance.» Nächste Woche am Weltcupfinal in St. Moritz könnte ihr Traum doch noch wahr werden.

Suter zeigte gestern einen soliden Lauf, steigerte sich stetig. Wie nah ihre Fahrt einem Sieg kommen würde, zeigte sich erst von der letzten Zwischenzeit bis ins Ziel, als sie einen Rückstand von 22 Hundertstelsekunden noch halbieren konnte.

Doch die 23-jährige Cornelia Hütter aus Österreicher hatte sich mit Startnummer 22 den Platz zuoberst auf dem Podest erobert und liess sich nicht mehr von dort verdrängen.

Auf Platz 3 feiern lassen konnte sich Hütters 24-jährige Teamkollegin Tamara Tippler. Stark ins Rennen gestartet, hatte sie im Zwischenstück einen kleinen Hänger, bevor sie nochmals aufdrehte und den Vorsprung bis ins Ziel noch vergrösserte. Dies, obwohl ihr Sprung in den Zielhang für ein Raunen bei den Zuschauern sorgte, landete sie doch nur auf einem Bein und schien ihr Gleichgewicht zu verlieren.

Noch 5 Punkte fehlen Gut zum Gesamtweltcup

Die Spannung unter den rund 6500 Zuschauern stieg merklich, als die Tessinerin Lara Gut ins Rennen startete. Ihre Fahrt war gut, aber nicht besser als die der anderen. Gut liess den Rückstand bis zur letzten Zwischenzeit auf 65 Hundertstelsekunden anwachsen und sich selbst vom Podestkurs abbringen.

Doch bis ins Ziel verkleinerte sie den Abstand zur Spitze noch auf 22 Hundertstel, belegte kurzzeitig Platz 3, bis die nach ihr gestartete Hütter sie wieder vom Podest stiess.

«Im mittleren Teil konnte ich nicht so Ski fahren, wie ich es gerne getan hätte», analysierte Gut ihre Leistung. Sie werde sich ihre Fahrt nochmals auf Video ansehen, denn sie habe noch einiges besser zu machen für ihren heutigen Einsatz in der Kombination.

«Ich bin nur halbwegs zufrieden mit meiner Fahrt», so Gut. Und wie gewohnt, äusserte sich die 24-Jährige auch gestern nicht zu einem möglicherweise frühzeitigen Sieg im Gesamtweltcup. Mathematisch sei die Sache noch nicht bestimmt, erklärte sie. Und wie sich der Gewinn der grossen Kristallkugel als erste Schweizerin nach Vreni Schneider in der Saison 1994/95 anfühlen würde, das könne sie «erst am 20. März sagen».

Guts letzte Konkurrentin in Bezug auf den Gesamtweltcup, die Deutsche Viktoria Rebensburg, zog gestern nicht ihren besten Tag ein. Kopfschütteln und Schulterzucken im Ziel nach einer Fahrt, die letzten Endes nur für Rang 18 reichte. Hätte Gut gestern 38 Weltcuppunkte mehr gesammelt als Rebensburg, hätte sie sich die grosse Kugel vorzeitig gesichert. Dies gelang zwar trotz Rebensburgs mässiger Leistung nicht, nun fehlen Gut aber nur noch fünf Punkte bis zum Triumph.

Auch Suter und Holdener bringen Grund zur Freude

«Die Spannung wird immer kleiner», sagte denn auch Markus Wolf, Sportdirektor von Swiss Ski. Er freue sich vor allem über den Podestplatz von Fabienne Suter, so Wolf. Mit ihm taten das die zahlreich angereisten Zuschauer. Unter ihnen auch eine Fangruppe der Liechtensteinerin Tina Weirather.

Die «Fast-Einheimische» zeigte eine gute Fahrt, auf den dritten Rang fehlten ihr als Vierte letztlich nur sieben Hundertstel. «Schade hat es knapp nicht aufs Podest gereicht», hielt sie fest und freute sich dennoch. Es hätten faire Bedingungen geherrscht und die neue Streckenführung mit den paar Wellen gefalle ihr. Nur das Aufwärmen sei etwas speziell gewesen, so Weirather.

«Irgendwie hab ich den Weg zum Starthaus nicht gefunden», erzählte sie. Die Fahrt über Bruchharst mit den langen Ski und dem schweren Rucksack auf dem Rücken habe dann ordentlich warm gegeben. «So musste ich meine Beine bis zum Start nur noch gut durchschütteln», sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Von den acht gestern gestarteten Schweizerinnen konnten die beiden Slalomspezialistinnen Denise Feierabend und Wendy Holdener eine persönliche Bestleistung erzielen. Mit dem 14. (Feierabend) und dem 24. Rang (Holdener) schafften die beiden ihr jeweils bestes Ergebnis in einem Weltcup-Super-G. Ein gutes Vorzeichen für die erst 22-jährige Wendy Holdener, die in der heutigen Kombination die Disziplinenwertung gewinnen könnte.