Analyse
Spätfolgen bei Dario Cologna nach seiner Fussverletzung

Vor etwas mehr als einem Jahr verletzte sich Dario Cologna schwer am Fuss. Nach der Operation legte er den Fokus voll auf Olympia, wo er kurz darauf zweimal Gold holte. Nun bekommt er die Quittung dafür.

Simon Steiner
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Dario Cologna läuft der Konkurrenz an der Tour de Ski hinterher.

Dario Cologna läuft der Konkurrenz an der Tour de Ski hinterher.

Keystone

Dario Cologna kann die Tour de Ski nicht mehr gewinnen. Zwei Etappen vor Schluss liegt der dreifache Olympiasieger so weit zurück, dass auch ein Podestplatz kaum mehr realistisch ist. Das ist eine Enttäuschung, wenn man in Betracht zieht, dass Cologna die Tour bereits dreimal gewonnen hat und sie seit seinem Durchbruch in der Saison 2008/09 bei jedem Start auf dem Podest beendete.

Der Sieg im Prolog in Oberstdorf täuschte zunächst darüber hinweg, dass Cologna nicht mit dem gleichen Formniveau in die Tour de Ski eingestiegen ist wie in anderen Jahren. Wenn man seine Leistungen in den letzten Tagen analysiert, zeigt sich zwar, dass der 28-jährige Bündner in den Distanzrennen nicht weit von der aktuellen Weltspitze entfernt ist und an einem guten Tag sogar einen Etappensieg holen kann.

Dennoch sagt auch Trainer Ivan Hudac: «Dario ist noch nicht bei 100 Prozent.» Die Gründe sind in der vergangenen Saison zu suchen. Im November 2013 zog sich Cologna bei einem Misstritt beim Joggen eine schwere Bänder- und Sprunggelenkverletzung im rechten Fuss zu.

Mit Trainingsrückstand in die Saison

Nach einer Operation, bei der unter anderem ein künstliches, stabilisierendes Band eingesetzt wurde, richtete sich Colognas Rehabilitationsphase ganz nach einem Ziel aus: den Olympischen Spielen in Sotschi. Mit Erfolg: Drei Monate nach dem Unfall gewann der Münstertaler Olympiagold im Skiathlon, wenige Tage später doppelte er über 15 km klassisch nach.

Nach den Spielen brach Cologna die Saison vorzeitig ab, um sich das eingesetzte Band in einer zweiten Operation wieder entfernen zu lassen. Damit begann der zweite Teil der Rehabilitation. Zusammen mit dem Fakt, dass die aussergewöhnliche Olympiavorbereitung viel körperliche und mentale Energie gekostet hatte, prägte dieser das Sommertraining massgeblich mit.

Erst im Spätherbst konnte Cologna wieder schmerzfrei rennen – mit der Folge, dass er mit einem Trainingsmanko insbesondere in den Bereichen Schnelligkeit und Explosivität in diese Saison startete. Dies macht sich bis heute bemerkbar – am ausgeprägtesten in den Sprintrennen. So verlor er denn auch bei der Tour de Ski in der Sprintetappe im Val Müstair entscheidend an Boden.

Den Fokus nun auf die WM gelegt

Es mag erstaunen, dass es Cologna gelang, in Sotschi so kurz nach seiner Verletzung in einer Topform zu sein, ein Jahr später hingegen nicht. Dies lässt sich damit erklären, dass sein Formstand zum Zeitpunkt des Unfalls nach eine optimalen Sommertraining exzellent war. In diesem Sommer hingegen konnte er sich wegen der gesundheitlichen Einschränkungen nicht die gleiche Basis erarbeiten.

Möglicherweise wäre Cologna heute in Bestform, wenn er nach seiner Verletzung auf Olympia verzichtet und sich ganz der Rehabilitation gewidmet hätte. Diese Frage bleibt jedoch hypothetisch – und erübrigt sich auch darum, weil sich der gewählte Weg für Cologna in Sotschi bezahlt gemacht hat.

Es ist ja auch nicht so, dass er völlig ausser Form wäre: Im Gesamtweltcup steht er immerhin an fünfter Stelle, wenn auch mit beträchtlichem Rückstand auf Leader Martin Johnsrud Sundby. Zudem steht der Höhepunkt der Saison noch bevor: Bis zur WM ab Mitte Februar im schwedischen Falun ist Cologna eine Steigerung durchaus zuzutrauen.

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