Ski alpin

Sölden zeigte, wie der Ski-Weltcup funktionieren kann

Beim Weltcup-Auftakt in Sölden stand der Sport im Vordergrund

Beim Weltcup-Auftakt in Sölden stand der Sport im Vordergrund

Was die Stimmung anbelangte, herrschte beim Weltcup-Opening in Sölden Tristesse, das gewohnt coole Skifest fand nicht statt. Der Sport stand im Vordergrund.

Der ÖSV- und die lokalen Organisatoren zeigten mit einem umfassenden und strikten Sicherheits- und Hygiene-Konzept vor, dass Rennen auch in dieser aussergewöhnlichen Corona-Saison durchgeführt werden können.

Wo sonst beim Weltcup-Prolog mehr als 12'000 Fans das Zielstadion und den Rand des untersten Streckenteils bevölkerten, verloren sich - abgesehen von den Athleten und Betreuern - nur ein paar Dutzend Menschen an den Rettenbachgletscher. Guggenmusik-Klänge, tosender Applaus, begeisterte Jubelschreie, alles Fehlanzeige und in Zeiten des über allem wie ein Damoklesschwert schwebenden Coronavirus nicht mehr möglich. Auch die früher jeweils am Abend öffentlich durchgeführten Startnummernauslosungen und Siegerehrungen vor mehreren Tausend Fans im Weltcup-Partydorf - ein solches war im praktisch verwaisten Sölden natürlich ebenfalls nicht vorhanden - konnten nicht stattfinden.

Im normalen Rahmen und mit den gewohnten Abläufen stattfinden konnte aber alles Sportliche. Dabei bewahrheitete sich, dass Ski vor allem auch ein TV-Sport ist. Wer die Rennen zuhause am Fernseher verfolgte, der bekam nicht viel mit von der sonderbaren Stimmung im Ziel auf knapp 2700 m Höhe. Zwar kommentierte das Speaker-Duo gewohnt laut, marktschreierisch und chauvinistisch. Doch Abnehmer, sprich Fans, die diese Worte hören wollten, gab es praktisch keine. Angesichts der miserablen Leistungen der ÖSV-Fahrer war vielleicht gerade gut, dass vor Ort keine Zuschauer zugelassen waren. Wenn man den (Laut-)Sprechern am Mikrofon wohlgesinnt sein wollte, so konnte man anführen, dass sie immerhin für ein Stück Normalität sorgten, wäre doch ansonsten die Stimmung am Rettenbachgletscher noch viel gespenstischer gewesen.

Sowohl am Samstag, als die Halbzeit-Führende Marta Bassino im Finaldurchgang mit Bestzeit über die Linie fuhr, wie auch tags darauf, als der Leader Gino Caviezel den Sensationssieg gegen Lucas Braathen knapp verpasste und sich hinter dem Norweger und auch hinter Marco Odermatt als Dritter einreihte, stieg der eh schon tiefe Lärmpegel nur um wenige Dezibel. Das Publikum habe sicher gefehlt, die Fans gehörten zu unserem Sport, sagte denn auch Caviezel nach dem Rennen. "Als ich von meinem ersten Podestplatz träumte, da war das Publikum sicher dabei." Doch der Bündner liess sich die Freude nicht trüben. "Covid-19 ist ein Riesenthema, durch welches wir uns nicht die Energie rauben lassen dürfen. Aber Podest bleibt Podest."

Ähnlich sah es auch sein Teamkollege Loïc Meillard: "Dass es keine Zuschauer vor Ort gibt, ändert an den Rennen selbst nichts. Die oberste Priorität hat für mich und die anderen Athleten, dass wir die Tore möglichst schnell absolvieren." Dies gelang dem Westschweizer mit Rang 5, nur einen Zehntel vom Podest weg, hervorragend. Meillard hofft - wohl vergebens - auf eine "möglichst normale Saison". Aber er schaue nur von Woche zu Woche, denn "zu weit nach vorne blicken bringt nichts".

In Sölden konnte das Sicherheitskonzept mit den vier verschiedenen Blasen, in denen sich die jeweiligen Akteure ausschliesslich bewegen durften, fast unter Laborbedingungen durchgezogen werden - weil es eben Sölden war, Mitte Oktober, noch ohne Ski-Touristen und auf dem abgelegenen Gletscherhang. Das wird in den kommenden Wochen und Monaten in den anderen Wintersportorten allerdings kaum möglich sein.

Das ist sich auch Markus Waldner bewusst: "In Zukunft können wir nicht genau dieses Konzept anwenden. In anderen Orten werden wir unmöglich den ganzen Berg isolieren können. So strikt wie hier können wir nicht weiterfahren." Der FIS-Renndirektor aus dem Südtirol gibt zu, dass man trotz aller Konzepte, Tests und Massnahmen nie "zu 100 Prozent sicher sein kann. Wir können nur das Risiko minimieren." Das Schlüsselwort heuer heisse deshalb, so Waldner, Eigenverantwortung. "Maske tragen, Distanz wahren und Hygiene beachten."

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