Marktanteile
Skispringen und Ammann im freien Fall: TV-Zuschauer künden «Simi» die Treue

Je weniger weit Simon Ammann springt, desto weniger Zuschauer schalten zuhause ein. Das Schweizer Fernsehen verlor im Schnitt 10 Prozent Marktanteil im Vergleich zur Saison 2014/15. Das Interesse am Sport schwindet.

Rainer Sommerhalder
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Einschaltquote sinkt weiter: Im Vergleich zur Saison 2014/15, als Simon Ammann noch ein ernstzunehmender Podestkandidat war, verliert das SRF knapp 10% Marktanteil.
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Zuletzt beim Absturz in Oberstdorf und Garmisch schalteten noch 92 000, respektive 96 000 Zuschauer das TV-Gerät an. Vor zwei Jahren waren es noch 153 000 und 157 000.
Parallel mit den Leistungen von Simon Ammann gehen auch die Einschaltquoten immer weiter Richtung Bedeutungslosigkeit.
Simon Ammann auf der Vierschanzentournee

Einschaltquote sinkt weiter: Im Vergleich zur Saison 2014/15, als Simon Ammann noch ein ernstzunehmender Podestkandidat war, verliert das SRF knapp 10% Marktanteil.

KEYSTONE

Wenn Simon Ammann an der Vierschanzentournee nur hüpft und nicht fliegt, hat das deutliche Auswirkungen auf das Publikumsinteresse. Im Vergleich zur Saison 2014/15, als «Simi» letztmals ein regelmässiger Podestkandidat war, verliert das Schweizer Fernsehen mit Skispringen im Schnitt rund 10 Prozent Marktanteil.

Zuletzt beim Absturz in Oberstdorf und Garmisch schalteten noch 92 000, respektive 96 000 Zuschauer das TV-Gerät an. Vor zwei Jahren waren es noch 153 000 und 157 000.

Eklatant auch der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Durchgang. Am Neujahrstag 2015, als das Schweizer Aushängeschild in Garmisch als Zweiter aufs Podest stieg, betrug die Zuwachsrate zum Final 34 000 Zuschauer. Generell war die Aufmerksamkeit bei der definitiven Entscheidung höher.

In der aktuellen Vierschanzentournee hingegen bedeutete der erste Sprung nicht nur für Simon Ammann Lichterlöschen. Auch das TV-Publikum wandte sich desinteressiert ab, als es für die Weltbesten um den Sieg ging: 18 000 weniger in Oberstdorf, 8000 weniger in Garmisch. Skispringen ohne Simon Ammann zieht kaum jemanden in den Bann.

Während der Blütezeit des Ausnahmekönners erreichten die Übertragungen von SRF stolze 25 Prozent Marktanteil. Derzeit dümpeln sie zwischen 9 und 14 Prozent. Die höchste Zuschauerzahl in diesem Winter notierte das Schweizer Fernsehen bei Ammanns erstem Sprung in Engelberg. 130 000 Personen verfolgten das Geschehen, danach
dramatische 41 000 weniger beim Final.

Nur Roger Federer liegt hinter Simon Ammann

Mit der Baisse des vierfachen Olympiasiegers fällt Skispringen in der Gunst der Zuschauer weit hinter andere Sportübertragungen zurück. Die aktuelle Ausgabe der Tour de Ski mit Dario Cologna erreicht regelmässig sechsstellige Einschaltquoten, den Final des Spengler Cups sahen an Silvester-Mittag 151 000 Zuschauer (Marktanteil 34,2 Prozent), den 2. Lauf des Frauenslaloms in Semmering wollten sich sogar 205 000 Interessierte nicht entgehen lassen.

Spitzenwerte für Sport im Schweizer Fernsehen sind die aktuellsten Beispiele allerdings nicht. Die letzte Lauberhorn-Abfahrt verfolgten 823 000 Zuschauer. Den Jahresrekord für sämtliche SRF-Sendungen hält König Fussball: Das EM-Spiel Schweiz – Frankreich erreichte 1,56 Millionen TV-Konsumenten.

Nur einen hat selbst Simon Ammann beim Live-Sport im neuen Jahr hinter sich gelassen: Roger Federer! Das Comeback des Maestros am 2. Januar wollten nur 64 000 Personen am TV sehen – 30 000 weniger als Ammanns 43. Platz in Garmisch. Offensichtlich stirbt auch bei den treuen Simi-Fans die Hoffnung zuletzt.