Lauberhornabfahrt

Skirennfahrer Patrick Küng: «Bei Tempo 160 spürt man jeden kleinen Schlag auf die Ski»

Patrick Küng: «Im Ziel-S geht es ums Überleben.»Tanja Demarmels

Patrick Küng: «Im Ziel-S geht es ums Überleben.»Tanja Demarmels

Vor vier Jahren hat Patrick Küng als bisher letzter Schweizer die Lauberhornabfahrt gewonnen. Der 34-Jährige erklärt, wo die Schlüsselstellen sind.

Der Blick hinaus aus dem Starthaus des Lauberhornrennens in Wengen gilt als der schönste in der ganzen Skisaison. Zeit, das Bergpanorama zu geniessen, haben die Abfahrer zumindest vor dem Rennen aber nicht. Patrick Küng sagt: «Sekunden vor dem Start bin ich vollkommen auf die Piste fokussiert. Ich weiss, dass es die längste Strecke im Weltcup ist und es entsprechend streng werden wird.»

4270 Meter sind es in diesem Jahr offiziell. Kürzer als auch schon, weil der Kurs direkter gesetzt wurde, um die Rennzeit zu verringern. «Die TV-Stationen wünschen sich eine Rennzeit von maximal 2 Minuten und 30 Sekunden», erklärt Rennleiter Bob Lehmann. Diesen Wunsch erfüllte der Veranstalter.

Als erste Schlüsselpassage gilt der Hundschopf (siehe Grafik oben). «Die Zeit, die man bis dorthin verloren hat, ist schwer aufzuholen», sagt Küng. Den Sprung über den Hundschopf meistern die Athleten dann meist ohne Probleme. «Für die Zuschauer sieht es spektakulär aus. Für uns Fahrer braucht es beim ersten Mal zwar etwas Überwindung. Danach ist es nicht mehr allzu dramatisch», sagt der seit gestern 34-Jährige, der am Samstag schon zum siebten Mal zur Weltcupabfahrt am Lauberhorn startet.

Adrenalin im Hanneggschuss

Das Kernen-S hiess früher Brüggli-S. Küng nennt die Passage noch immer so und sagt: «Wichtig ist, geduldig zu bleiben. Man darf nicht zu früh einbiegen.» Wer die Kurvenkombination falsch fährt, verliert viel Tempo. Die Geschwindigkeit, die ein Athlet mitnimmt ins Flachstück Langentrejen, hat grosse Auswirkungen auf das Rennen. «In Langentrejen spürt man ein erstes Mal, dass die Oberschenkel brennen», sagt Küng, der dann froh ist, dass das Adrenalin, das die mehr als 160 km/h schnelle Fahrt durch den Hanneggschuss auslöst, die Müdigkeit etwas verdrängt. «Bei diesen Tempi spürt man jeden kleinen Schlag auf den Ski», sagt Patrick Küng, der 2017 im Training mit 168,8 km/h geblitzt wurde.

Patrick Küngs Siegesfahrt am Lauberhorn 2014.

Patrick Küngs Siegesfahrt am Lauberhorn 2014

Der Abfahrts-Weltmeister von 2015 spricht aber von einem Messfehler und somit hält der Franzose Johan Clarey mit 161,9 km/h den offiziellen Rekord.

Als nächste Schlüsselstelle nennt Patrick Küng den Silberhornsprung. «Wenn man zu weit springt, landet man im Flachen. Das ist nicht gut für den Rücken.» Überhaupt wird der Körper des Rennfahrers auf der langen Strecke stark beansprucht. «Im Ziel-S geht es nur noch ums Überleben», sagt Küng. «Kraft hat niemand mehr. Nur der Kopf trägt dich ins Ziel.»

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