Ski alpin

Ski-Fan Adolf Ogi: «Keine Rennen in Adelboden? Unvorstellbar!»

Adolf Ogi ist überzeugt: «Der Riesenslalom ist nicht nur der schwierigste, sondern auch der attraktivste des ganzen Jahres.»

Adolf Ogi ist überzeugt: «Der Riesenslalom ist nicht nur der schwierigste, sondern auch der attraktivste des ganzen Jahres.»

Alt Bundesrat Adolf Ogi ist Stammgast an den Rennen im Berner Oberland. Er blickt zum 60-jährigen Jubiläum am Chuenisbärgli zurück und sagt: «Ein Winter ohne die Rennen im Berner Oberland wäre kein richtiger Winter.»

Wie oft sind Sie schon selbst das Chuenisbärgli in Adelboden mit den Ski heruntergefahren?

Adolf Ogi: Leider habe ich keinen Zähler an den Ski. Im Februar 1957 war ich das erste Mal am Chuenisbärgli. Seit 1965 bin ich jedes Jahr in Adelboden. Da sind einige Fahrten zusammengekommen. Am liebsten hätte ich Ski, die mir am Abend jeweils einen Kassenbon ausdrucken, der mir zeigt, wie viele Kilometer ich gemacht habe und noch wichtiger: Wie viele Kurven ich gefahren bin.

Seit 1965 sind Sie bei jedem Rennen in Adelboden. Im Oktober 1964 wurden Sie beim Schweizerischen Skiverband eingestellt, den Sie erst im Jahr 1981 wieder verliessen.

Genau. Nachdem die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer an den Winterspielen in Innsbruck 1964 keine Medaillen gewonnen hatten, war mein Auftrag, dass dies spätestens 1972 in Sapporo wieder anders sein muss. Das Motto für die Winterspiele in Japan hiess dann: Ogis Leute müssen siegen heute.

Es klappte. Die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer überzeugten.

Vielleicht bin ich deshalb sogar später Bundesrat geworden. Mein Bekanntheitsgrad wurde durch die Erfolge gross. Zusammen mit meinem kurzen Namen brachte mich das wohl in den Bundesrat (lacht).

Werner Mattle gewann in Sapporo Bronze im Riesenslalom, nachdem er zuvor in Adelboden siegte.

Genau. Für Sapporo mussten wir noch die letzten Athleten selektionieren. Mattle war noch nicht im Aufgebot. Dann gewann er in Adelboden und wir haben ihn am letzten Tag vor der Abreise nach Japan selektioniert. Das war hektisch. Man musste ihn noch einkleiden und konnte kein neues Renndress organisieren. Trotzdem gewann er in Sapporo eine Medaille. Die Rechnung ging voll auf. Dieses richtige Gespür macht mich heute noch stolz. Man hätte ja auch sagen können, es reicht nicht mehr.

Welche Schweizer Erfolge in Adelboden sind Ihnen sonst in bester Erinnerung?

Unvergesslich sind die Fahrten von Pirmin Zurbriggen. Aber auch von Didier Cuche oder Michael von Grünigen. Und Hans Pieren, der heute als Rennleiter in Adelboden fast Unmögliches schafft und die Piste am Chuenisbärgli jedes Jahr unter jeden Bedingungen optimal hinbekommt, fuhr in seinem letzten Rennen auf das Podest. Solche Dinge sind mir natürlich noch in bester Erinnerung.

Am Wochenende finden die Rennen zum 60. Mal statt. Was sind Ihre ersten Erinnerungen?

Ich war mit Fred Rubi, der 1956 die ersten internationalen Skirennen in Adelboden organisierte, gut befreundet. Schon unsere Väter kannten sich. Fred und ich waren gemeinsam im Nationalrat. Er für die SP und ich für die SVP, trotzdem haben wir uns sehr gut verstanden. Er baute das Rennen in Adelboden auf. Ich bewunderte, wie er den Event immer besser machte und wie akribisch er arbeitete.

Dabei ist er kein Adelbodner.

Genau. Inspiriert wurde er von den Rennen in seinem Heimatdorf Wengen. Er suchte eine Lücke im Wettkampfkalender und fand das Datum in der Woche vor den Rennen am Lauberhorn. Es war der Beginn des Klassikers in Adelboden, der heute nicht mehr wegzudenken ist. Der Riesenslalom ist nicht nur der schwierigste, sondern auch der attraktivste des ganzen Jahres. Das gilt für die Fans, aber auch für die Fahrer.

Schweizer Erfolge am Chuenisbärgli sind selten geworden. Da muss Ihnen als Ski-Fan das Herz bluten.

Wenn die Schweizer Skifahrer keine Rolle mehr spielen, geht das Interesse der Zuschauer verloren. Der Skisport steht im Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten und nur, wenn man erfolgreiche Schweizer Fahrer hat kommen sehr viele Zuschauer. Im Riesenslalom ist die Ausganglage für die Schweizer im Moment sehr schlecht. Aber ich will hier nicht über Gründe mutmassen. Trotzdem tut mir das natürlich sehr weh.

Gibt es also vielleicht irgendwann keine Rennen mehr in Adelboden?

Das ist unvorstellbar. Ein Winter ohne die Rennen im Berner Oberland wäre kein richtiger Winter.

Wieso?

Die Schweiz verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen für Wintertourismus. Sie hat die schönste Natur und die schönsten Berge. Von Vorteil ist, dass dies alles nahe beieinander liegt, eine Winterwelt im Taschenformat. Und in diesem Format braucht es Schnee, Sonne, Veranstaltungen, also auch Weltcupskirennen und Stars. Adelboden hat dies alles.

Sind Sie eigentlich auch selbst in der Freizeit Ski-Rennen gefahren?

Ich hatte mit Kollegen die Idee, dass man bei Skirennen eine Art Handicap einführen könnte, also wie im Golf. Am Abend vor dem Rennen wurde an der Bar das Handicap, also der Zeitverlust auf den Schnellsten, den geeichten Fahrer, diskutiert. So sind wir Rennen auf der Tschentenalp in Adelboden gefahren.

Sie sind ein guter Skifahrer. Ist Ihr Handicap also tief?

Ja. Für mein Alter sicherlich.

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