Als Aksel Lund Svindal beim Arzt war und ihm von seinem Plan erzählte, an der WM zu starten, schaute dieser nur verdutzt und sagte: «Sind Sie verrückt, Herr Svindal?»

Dann zog der 32-jährige Norweger seine Socke aus und der Doktor sagte: «Wir sind mindestens einen Monat weiter, als ich es für möglich gehalten hätte.»

Svindal hatte sich am 19. Oktober des vergangenen Jahres die Achillessehne gerissen. Gemäss Prognosen der Ärzte war es das Saisonaus für den Norweger. Bei dieser Verletzung ist im Normalfall frühestens nach rund vier Monaten ein leichtes Lauftraining möglich.

Gut dreieinhalb Monate nach der Verletzung will Svindal heute nicht nur langsam joggen, sondern im Super-G der WM starten. Wie ist das möglich? «Die Operation und die Rehabilitation sind sehr gut verlaufen», sagt Svindal. Hinzu kam sein Wille, es schaffen zu wollen. «Fast niemand hätte geglaubt, dass es möglich ist», sagt Svindal. «Umso mehr will ich starten und beweisen, dass es geht.»

Nur Ski fahren geht

Damit es überhaupt möglich ist, benutzt Svindal einen speziellen Skischuh. Die verletzte Achillessehne ist noch ungefähr viermal dicker als eine gesunde Sehne. Damit der Fuss in den Schuh passt, hat der Norweger ein Spezial-Modell entwickeln lassen. Der Schuh wurde innen stark verändert, und dafür wurde viel Plastik entfernt. «Ich muss ehrlich sein: Fussball spielen oder Leichtathletik betreiben könnte ich heute noch nicht», sagt Svindal. Erst der harte Skischuh sorgt für die nötige Stabilität.

Schmerzen hat der Norweger keine. «Die einzige Gefahr besteht, dass ich das Rennen – salopp gesagt – verkacke», sagt er. Das Risiko einer erneuten Verletzung sei in etwa gleich gross wie der Riss der anderen Achillessehne.

Bereit für die Spitze

Trotzdem: Wie konkurrenzfähig ist Svindal? Es gibt das Beispiel von Manfred Mölgg. Der Italiener hatte sich am 19. August des vergangenen Jahres die Achillessehne gerissen. Rund viereinhalb Monate später fuhr Mölgg wieder Rennen. Mit Platzierungen zwischen dem 16. und 28. Rang. Vor seiner Verletzung fuhr der Italiener regelmässig in die Top Ten.

Svindal könnte, nicht zuletzt aufgrund seines grossen Talents, schon viel weiter sein, obwohl er einen Monat früher zurückkehrt. Zuletzt hat er in Aspen trainiert und auch den Vergleich mit dem Speeddomintator der Saison, seinem Landsmann Kjetil Jansrud, gesucht. Svindal sagt: «Wir hatten Nebel und es sah schlecht für mich aus. Aber am Montag bin ich zum ersten Mal bei schlechten Bedingungen gut gefahren und habe gemerkt: Ich fühle mich bereit.» Eine definitive Entscheidung über einen Start will der Norweger zwar erst vor dem Rennen fällen. Doch es spricht nichts gegen einen Versuch. «Anders als in früheren Jahren, wo ich nur gestartet wäre, wenn ich eine Chance auf den Sieg gehabt hätte, ist es dieses Mal anders. Alleine der Start wäre ein Erfolg», sagt Svindal.

Jansrud sieht das anders. «Aksel ist schon sehr gut in Form», sagt er. Und schliesslich lässt sich auch Svindal dazu hinreissen, konkreter zu werden: «Obwohl wir einen kurzen Vergleich gefahren sind. So weit bin ich nicht hinter Kjetil gelegen.»

Auch Miller gibt Comeback

Neben Svindal gibt heute ein zweiter Star der Szene sein Comeback. Bode Miller hatte sich Mitte November am Rücken operieren lassen müssen. Wie Svindal hat er darum in dieser Saison noch kein Rennen bestritten. «Die Reha verlief besser, als ich es mir erträumt hätte», sagt der 37-Jährige. In Wengen und Kitzbühel hatte der Amerikaner nur die Trainings bestritten. «Nun fühle ich mich bereit, ans Limit zu gehen.» Das ist eine Ansage.