Skispringen
Simon Ammann: «Der erste Saisonsieg ist mir schon gelungen»

Skispringer Simon Ammann spricht vor der Saison über das neue Team, Olympia und den Pilotenschein. Die Pilotenausbildung hat Ammann resistenter gegen den Stress gemacht, was dem Sort zugute kommt.

Simon Steiner, Magglingen
Merken
Drucken
Teilen
Simon Ammann flog der Konkurrenz auf und davon

Simon Ammann flog der Konkurrenz auf und davon

Keystone

Simon Ammann wirkt locker und gelöst, als er in der Cafeteria der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen zum Gespräch erscheint. Er hat allen Grund dazu: Unmittelbar zuvor hat ihm der Leistungstest im Medical Center von Swiss Olympic bessere Kraftwerte bescheinigt denn je. Am Samstag hat er zudem die Theorieprüfung für den Pilotenschein erfolgreich hinter sich gebracht.

Gratulation zur bestandenen Prüfung. Wie lange geht es noch, bis Sie richtig abheben dürfen?

Simon Ammann: Die Theorieprüfung war der grösste Brocken auf dem Weg zum Pilotenschein. Mit ihr ist mir schon der erste Saisonsieg gelungen - mein Winter wird super! Nun hoffe ich auf gutes Wetter in den nächsten Tagen, dann schaffe ich vielleicht sogar die praktische Prüfung noch vor dem Weltcupstart. Dann wäre ich wohl erst recht im siebten Himmel.

Den ersten Soloflug haben Sie bereits im Sommer hinter sich gebracht.

Genau. Das ist wohl das grösste Erlebnis für jeden Piloten. Erstmals allein abzuheben und dann zu realisieren: Jetzt hatte ich solche Freude, aber nun muss ich auch wieder landen ...
Das müssen Sie beim Skispringen ja auch. Was hat der Sportler Ammann vom Piloten Ammann gelernt?

Die Pilotenausbildung hat mich resistenter gemacht gegen Stress. Das kommt mir beim Skispringen sicher zugute. Dann habe ich auch einiges gelernt über Themen wie Aerodynamik und nehme auch meine Checkliste vor dem Wettkampf wieder auf andere Art wahr.

Im letzten Sommer haben Sie viel Zeit im Kraftraum verbracht, um schwerer und muskulöser zu werden. Haben Sie dieses Jahr wieder so hart geschuftet?
Ich habe den Fokus im Krafttraining wieder mehr auf die Qualität gelegt als auf die Quantität - so wie in früheren Jahren auch. Das war aber nur möglich, weil ich im letzten Sommer so viel in den Muskelaufbau investiert habe.

Damit folgen Sie der Entwicklung Ihrer Sportart. Haben heute nur noch Kraftspringer eine Chance?

Die federleichten Fliegertypen gibt es an der Spitze heute nicht mehr, sondern nur noch absprungstarke Techniker. Es ist keine Zufall, dass mit dem Deutschen Andreas Wank ein vergleichsweise schwerer, dynamischer Athlet den Sommer-Grand-Prix gewonnen hat. Diese Entwicklung fordert einen im Training stärker heraus, konstant gut zu springen.

Verstärken die neuen, engeren Anzüge diese Tendenz?

Ja, als Springer hat man in der Luft weniger Widerstand und damit weniger Halt. Dadurch sind wir schneller, verlieren aber auch rascher an Höhe. Es braucht mehr Anlauf, um auf die gleichen Weiten zu kommen wie früher. Dass ich einen eher aggressiven Absprung pflege, kommt dabei aber eher entgegen.

Die Umstellung scheint Ihnen im Sommer gut gelungen zu sein.

Das gute Gefühl beim Springen hat sich im Unterschied zum letzten Jahr relativ schnell eingestellt. Ich hatte deshalb einen schönen Sommer, obwohl ich beim Grand-Prix gern noch etwas besser abgeschnitten hätte. Inzwischen bin ich im Aufbau aber nochmals einen Schritt weitergekommen und sehe dem Winter zuversichtlich entgegen.

Was sind Ihre Ziele für die Saison?

Ich strebe zuerst einmal Konstanz an, um mein Niveau vom Sommer noch etwas zu steigern. Ich habe den Anspruch, an der Spitze mitzuspringen.

Ist der Gewinn der Vierschanzentournee, der in ihrem Palmarès noch fehlt, immer noch ein Ziel?

Ja, aber ich strebe es nicht mehr mit der gleichen Aggressivität an wie auch schon. Ob ich die Tournee gewonnen habe oder nicht, wird mir nach meiner Karriere nicht wichtig sein. Ich habe mich an der Tournee oft in der Detailsuche verloren. Ich versuche nun, sie mit etwas mehr Distanz anzugehen und mehr zu geniessen.

Ist die Lust am Skispringen immer noch so gross wie vor 15 Jahren?

Auf jeden Fall. Erst recht, wenn ich sehe, wie sich unser Team in diesem Sommer entwickelt hat. Gregor Deschwanden und Marco Grigoli haben einen entscheidenden Leistungsschritt gemacht. Das ist ein schöner Lohn für meinen Entscheid, bis nächste Saison weiterzumachen.

Haben Sie das Team in der letzten Saison vermisst?

Ja, vor allem auch, weil die Kollegialität im Springerlager in den letzten Jahren international gesehen etwas gelitten hat. Das Aufrüsten im Materialbereich hat zur Folge, dass jeder mehr für sich schaut.

Im Sommer waren Sie mit dem Team in Sotschi, dem Olympiaort von nächstem Winter. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Ich war schon zum zweiten Mal dort, aber erstmals auf der Schanze. Ich habe so viele Eindrücke mitgenommen, dass ich mich fast nicht aufs Springen konzentrieren konnte. Es war mir wichtig, die Umgebung zu visualisieren. Dank meiner aus Russland stammenden Frau Yana habe ich zudem viele Dinge vor Ort besser verstanden.

Haben Sie das Olympiaspringen von Sotschi im Traum schon erlebt?

Nein, das wird sich dann im nächsten Winter automatisch ergeben. Der Besuch im Sommer war ein wichtiger Meilenstein, doch der Weg bis zu den Spielen ist noch weit.