Nun will sich der Toggenburger für seine sechsten Spiele 2018 in Pyeongchang in Position bringen.

Die Top Ten liegen für den Routinier wieder griffbereit. "Vor einem Jahr hatte ich noch 30 Punkte Rückstand auf die Besten, jetzt sind es nur noch 15", sagte der Toggenburger nach dem Weltcup-Wochenende von Engelberg, wo er sich mit einem 14. und 11. Rang in die Weihnachtstage verschiedet hatte. Vor dem Heimpublikum klappte es nicht ganz, um erstmals seit dem März 2016 oder über 30 Springen wieder unter den ersten zehn aufzutauchen. Doch viel fehlt nicht mehr. Sofern Ammann seine aufsteigende Form festigen kann, wird er nicht nur an der Schwelle zu den Top Ten stehen, sondern er erreicht auch wieder regelmässige einstellige Klassierungen.

Die Vierschanzentournee wäre der ideal Ort, um diesen nächsten Schritt zu machen, zumal ihn auch die Tournee vor drei Jahren aus der Weltspitze katapultiert hatte. Die Konsequenzen aus Ammanns schwerem Sturz am 6. Januar 2015 in Bischofshofen lagen primär in der Umstellung der Landung. Er verlor das Vertrauen in sein schwächeres linkes Bein, das jahrelang die Kräfte bei der Telemark-Landung auffing. Stattdessen versucht er nun seit zweieinhalb Jahren, das rechte Bein nach vorne zu bringen. Schafft er die Umstellung? Oder doch nicht? Es macht den Anschein, als ob er diese Diskussion nun endgültig beenden kann. Nach seinen Flügen leuchtet regelmässig eine 18 bei den Stilnoten auf. Somit ist er in diesem Bereich wieder einigermassen konkurrenzfähig.

Nun muss der vierfache Olympiasieger noch seinem Ruf als Weitenjäger gerecht werden. Dass dies einst seine Spezialität war, wird den Reportern beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wieder bewusst werden. Dort erschient seit 2010 der Name Ammann auf jedem Resultatblatt unter der Rubrik Schanzenrekord (143,5 m).

Freitag soll Deutschlands Tournee-Flaute beenden

Gelingt dem Schweizer die Tournee nach Wunsch, wird er am 6. Januar in Bischofshofen erstmals seit vier Jahren wieder unter den Top Ten des Schlussklassements auftauchen. Um den Sieg streiten sich andere. Der Deutsche Richard Freitag kommt mit drei Siegen in diesem Winter und der deutlichen Gesamtführung im Gepäck an der Favoritenrolle nicht vorbei. Der 26-Jährige soll die 16 Jahre dauernde Tournee-Flaute für den Gastgeber vergessen machen - letztmals schwang für Deutschland Sven Hannawald mit seinem historischen Vierfachsieg 2001/02 oben aus.

Die Ausgangslage schient perfekt, denn hinter dem Gelb-Träger Freitag hat sich auch der Weltcup-Zweite Andreas Wellinger in Position gebracht. Der Titelverteidiger Kamil Stoch aus Polen, Österreichs Weltmeister Stefan Kraft oder der Norweger Daniel-André Tande gelten diesmal nicht als Favoriten, sondern als härteste Widersacher der Deutschen.

Keine Schonfrist für die Besten

Die 66. Vierschanzentournee mit den Stationen Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen bringt insbesondere für die Top-Springer eine gewichtige Änderung. Seit diesem Winter sind die besten zehn des Weltcup-Klassements nicht mehr vorqualifiziert. Ein zusätzlicher Ruhetag liegt nicht mehr drin, jeder muss am Vortag springen.

Das K.o.-System hingegen gelangt weiterhin zur Anwendung. Die Paarungen für den ersten Durchgang ergeben sich aufgrund der Resultate in der Qualifikation (1. gegen 50., 2. gegen 49. etc.). Die 25 Sieger der Duelle und fünf Lucky Loser erreichen den Finaldurchgang, der im traditionellen Format ausgetragen wird.

Zur Qualifikation in Oberstdorf wird ein Schweizer Trio antreten. Neben den für die Tournee gesetzten Ammann und Gregor Deschwanden empfahl sich an den Continental-Cup-Springen vom Mittwoch und Donnerstag in Engelberg auch der Waadtländer Killian Peier (3 und 7.) für die Teilnahme.