Der alpine Skisport kämpft gerade an vielen Fronten. Mit neuen Formaten sowie Gedankenspielen über eine Verkleinerung der Starterfelder ringt er um die Gunst des Publikums. Und mit immer mehr Schneekanonen kämpft er gegen das sich verändernde Klima an, das sich in der Zwischensaison vielerorts mit extremen Wettersituationen bemerkbar machte.

Zwar hat eine anhaltende Schönwetter-Periode dem Schweizer Team in St. Moritz über eine längere Zeitspanne optimale Trainingsbedingungen ermöglicht. Der Blick auf die immer häufiger bis weit in den Spätherbst hinein schneefreien Gipfel, die schrumpfenden Gletscher und braunen Pistenränder stimmen aber auch Fahrer und Funktionäre zusehends nachdenklich. «Wenn es so weit kommt, dass wir unsere Rennen in Hallen fahren müssen, ist der Skisport für mich tot», sagte etwa Gian Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Skiverbands, Ende Oktober in Sölden, gerade als das Wetter vom einen Extrem ins andere kippte.

Konzentrationsfähigkeit wird auf die Probe gestellt

Von der unschönen Entwicklung bleibt auch Lake Louise nicht verschont. 2016 mussten dort die Männerrennen wegen Schneemangels und zu hoher Temperaturen abgesagt werden, heuer konnte erst mit Verzögerung grünes Licht für den Speed-Auftakt gegeben werden. Gerade noch rechtzeitig für die geplante Abfahrt der Männer am Samstag und den Super-G am Sonntag kehrte der Winter ein.

Damit können sich die Athleten vorderhand wieder auf ihr Kerngeschäft fokussieren – wobei die Konzentrationsfähigkeit durch eine neuerliche Tragödie auf die Probe gestellt wird. Ein Jahr nach dem tödlichen Trainingssturz des Franzosen David Poisson bezahlte der Bündner A-Kader-Fahrer Gian-Luca Barandun einen Gleitschirmflug mit dem Leben.

Den Fokus aufs Sportliche

Je näher die Rennen rücken, desto mehr müssen die Fahrer diese unangenehmen Aspekte ausblenden und den Fokus aufs Sportliche rücken. Dass die ersten Ergebnisse der Saison, allen voran die Slalomsiege von Marcel Hirscher vor Henrik Kristoffersen und Mikaela Shiffrin vor Petra Vlhova, bekräftigten, dass sich die Hackordnung über einen Sommer schwer über den Haufen werfen lässt, ist für Beat Feuz ein gutes Zeichen.

Der Emmentaler, der im Juni zum ersten Mal Vater geworden ist, gewann letzte Saison die kleine Kristallkugel für den besten Abfahrer, stand achtmal auf dem Weltcup-Podest und holte an den Olympischen Spielen in Südkorea zwei Medaillen. Vielversprechend ist ausserdem der Umstand, dass sein Knie in der Vorbereitung keine neuen Probleme bereitete.

Wie schlägt sich Carlo Janka?

Dass Feuz’ härteste Gegner aus dem eigenen Lager kommen werden, ist eher unwahrscheinlich, lief es diesen im Vorwinter doch nicht wunschgemäss. Als 12. in der Abfahrtswertung und als 15. im Super-G war Mauro Caviezel der zweitbeste Schweizer. Ebendiesem ist aber eine Steigerung durchaus zuzutrauen. Aus Teamkreisen war zu vernehmen, dass die Leistungen des 30-jährigen Bündners in den Trainings verheissungsvoll waren.

Eine der Fragen bei Swiss Ski lautet, wie sich Carlo Janka in der Saison nach dem Kreuzbandriss schlägt. Er sei noch nicht auf dem gleichen Level wie vor einem Jahr, vor der Verletzung, liess der Olympiasieger von 2010 verlauten. Zudem fand er sich mit dem neuen Schuhmaterial so schlecht zurecht, dass er doch wieder zum alten Modell griff.

Die grossen Fragen bei Swiss Ski

Weiter ist auch unklar, ob Patrick Küng, der Weltmeister von 2015, nach der verpatzten Vorsaison die Kurve noch einmal kriegt. Ob Gilles Roulin trotz Doppelbelastung mit Jus-Studium zu einer neuerlichen Steigerung fähig ist. Ob Marc Gisin auch anderswo als in Kitzbühel und Wengen schnell sein kann. Wie stark Niels Hintermann nach verpasster letzter Saison und Schulter-Operation zurückkehrt. Und ob der Youngster Marco Odermatt auch in den Speed-Disziplinen bereits ein Faktor ist.

Hintertürchen offen für den Rücktritt

Den Platz an der Sonne dürften Feuz in der Abfahrt die gleichen streitig machen wie im Vorjahr. Es sind dies der Österreicher Vincent Kriechmayr, den Feuz für dessen technisch brillanten Fahrstil bewundert, Altmeister Aksel Svindal, Dominik Paris, Max Mayer, Thomas Dressen und Kjetil Jansrud – wobei hinter Svindal ein Fragezeichen zu setzen ist. Der Norweger, der seit längerem körperlich eingeschränkt ist, hält sich nach wie vor ein Hintertürchen für einen Rücktritt offen, nachdem sich seine Knieprobleme im Olympiawinter akzentuiert haben. Zwar konnte er im Oktober erstmals seit langem wieder fünf Tage am Stück trainieren, dennoch bezifferte er seine Chancen auf eine Fortsetzung der Karriere unlängst auf lediglich 50 Prozent.