Ski alpin

Shootingstar Wendy Holdener will nicht elegant, sondern erfolgreich fahren

Wendy Holdener blickt trotz Armbruch in der Vorbereitung zuversichtlich auf die neue Saison.keystone

Wendy Holdener blickt trotz Armbruch in der Vorbereitung zuversichtlich auf die neue Saison.keystone

Wendy Holdeners Arm schützt eine spezielle Schiene – Grund ist ein Sturz vom Motorroller im September. Nichtsdestotrotz will die 20-Jährige am Samstag im Slalom von Levi an die sehr gute letzte Saison anknüpfen.

Den Schönheitspreis würde sie sich selbst nicht verleihen. Wendy Holdener sagt es und lacht. Gemeint ist ihr Fahrstil zwischen den Slalomstangen. «Wenn ich meine Fahrten auf Video anschaue und mit Tina Maze oder Mikaela Shiffrin vergleiche, sieht das bei ihnen schon eleganter aus.» Aber nicht schneller. Den Vergleich mit den Slalom-Dominatorinnen des letzten Winters muss die 20-Jährige nicht scheuen. Jene Fahrt im März in Ofterschwang trug sie auf Rang zwei – es war der erste Podestplatz im Slalom für eine Schweizerin seit Sonja Nef im Jahr 2003.

Die letzte Saison war eine gute für Wendy Holdener. Jeden Slalom beendete sie in den Top 20. Die Slalomjahreswertung schloss sei auf Rang 6 ab. Das machte die Schwyzerin zum Shootingstar im Schweizer Team – und das ausgerechnet in jener Disziplin, die den Schweizerinnen noch vor kurzem heftige Bauchschmerzen bereitete. Unvergessen ist die Rücktrittswelle im Jahr 2011, als gleich vier Fahrerinnen entmutigt das Handtuch warfen.

Grosse Sicherheit

Jenes Ende war aber auch ein Neubeginn. Mauro Pini wurde 2012 als Cheftrainer durch Hans Flatscher ersetzt und unter dem Österreicher bildete sich ein neues, junges Slalomteam, das mit Michelle Gisin, der jüngeren Schwester von Dominique Gisin, bereits ein zweites Talent in der erweiterten Weltspitze hat. Und mit Holdener eine Teamleaderin, die erst 20 Jahre alt ist. Druck verspürt sie deswegen aber nicht. Im Gegenteil: «Bis jetzt fühlt sich das ganz gut an», sagt sie. Es ist diese Sicherheit, die sie auch in den Rennen auszeichnet. Keinen einzigen Ausfall musste sie in der letzten Saison verkraften. «Ein Geheimrezept?» Sie überlegt lange. «Nein, das habe ich nicht. Und ich bin ja auch ausgeschieden, nur nicht im Weltcup.»

Morgen findet im finnischen Levi der erste Slalom der Saison statt. Dass Holdener starten kann, ist nicht selbstverständlich. «Eigentlich hatte ich richtig Schwein», sagt sie. Anfang September ist sie mit einem Motorroller gestürzt, hat sich den rechten Arm gebrochen und musste operiert werden. Ein Schock in der unmittelbaren Vorbereitung für den Winter. Doch entmutigen liess sie sich nicht. «Mir fehlen jetzt zwar einige Tage auf Schnee, dafür konnte ich intensiver Ausdauer trainieren und das ist ja vielleicht auch nicht schlecht», sagt sie.

Schmerzen hat sie heute keine mehr. Den Arm schützt eine speziell angepasste Schiene. «Das gibt mir Sicherheit», sagt sie. Eine Prognose will sie aber nicht wagen. Zu viel sei ungewiss vor der neuen Saison. «Ich setze mich nicht unter Druck und denke, ich muss in diesem Winter unbedingt ein Rennen gewinnen», sagt sie. Aber als sie über Marlies Oester spricht, die letzte Schweizer Slalomsiegerin 2002, ist schon zu spüren, dass sie die Bernerin lieber heute als morgen in dieser Statistik ablösen würde.

Olympia noch in weiter Ferne

Eine Konsequenz hatte der Armbruch aber doch. Weil Holdener alle Energie und die wenigen Schneetage für das Slalom-Comeback aufwenden musste, kam das Training für den Riesenslalom zu kurz. Am Plan, auch in dieser Disziplin bald den gleichen Sprung zu schaffen wie letztes Jahr im Slalom, ändert dies aber nichts. Doch alles der Reihe nach. «Ich muss jetzt erst mal schauen, wie es in Levi wird», sagt sie.

Und dann finden im Februar ja auch noch die Olympischen Winterspiele in Sotschi statt. Es werden ihre ersten. Ändert dies irgendwas an der Saisonplanung? «Das Einzige, was anders ist als sonst, ist, dass die Journalisten danach fragen», sagt sie und lacht.

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