1. Die Ausserirdischen

Mikaela Shiffrin kann offenbar alles. In Lake Louise gewinnt sie eine Abfahrt und wird einmal Dritte. Dies ausgerechnet im Königreich von Lindsey Vonn. 25 Mal stand Vonn in Kanada schon auf dem Podest, 19 Mal als Siegerin. Kurz vor den Rennen wagt das beachtete amerikanische Magazin «Outdoor» die Prognose: Shiffrin ist bereits jetzt die grösste Skifahrerin der Geschichte. Vonn reagierte genervt und postet die Wikipedia-Einträge all ihrer Rekorde.

Ja: Die 33-Jährige führt die Listen noch an. Doch in Lake Louise bleibt Vonn ohne Podest. Ob der schieren Stärke von Shiffrin scheint es nur eine Frage der Zeit, bis sie die Rekorde hält. Im Slalom hat die 22-Jährige längst alles gewonnen, ist dreifache Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Im vergangenen Winter gewann Shiffrin erstmals den Gesamtweltcup. Nun siegt sie selbst in der Abfahrt. Bleibt sie unverletzt, kann man ihr die grosse Kristallkugel eigentlich schon jetzt übergeben.

Ein gewohntes Bild: Mikaela Shiffrin lässt sich als Slalom-Siegerin feiern.

Ein gewohntes Bild: Mikaela Shiffrin lässt sich als Slalom-Siegerin feiern.

Schon sechsmal in Folge hat Marcel Hirscher den Gesamtweltcup für sich entschieden. Im August bricht er sich den Knöchel im linken Fuss. Die Konkurrenz hofft. Doch vergebens. Im Slalom von Levi wird der 28-jährige Österreicher zwar nach einem starken ersten Lauf noch auf Rang 17 durchgereicht. Doch schon den Riesenslalom in Beaver Creek gewinnt er souverän. Dies mit drei Monaten Trainingsrückstand.

Shiffrin und Hirscher sind die besten Skifahrer der Gegenwart, die Ausserirdischen im Weltcup.

2. Die Rückkehr

Neben Marcel Hirscher sind andere Athletinnen und Athleten stark nach einer Verletzung zurückgekehrt. Die Österreicherin Cornelia Hütter zum Beispiel gewinnt nach überstandenem Kreuzbandriss das erste Rennen nach ihrem Comeback. Aksel Lund Svindal steht nach einer Knieoperation schon nach dem ersten Weltcup-Einsatz auf dem Podest und gewinnt das vierte Rennen.

Marcel Hirschers Schrei der Erlösung nach dem Sieg in Beaver Creek.

Marcel Hirschers Schrei der Erlösung nach dem Sieg in Beaver Creek.

In die Kategorie der überzeugenden Rückkehrerinnen gehört auch Lara Gut. Im fünften Rennen nach ihrem im Februar in St. Moritz zugezogenen Kreuzbandriss und Meniskusschaden fährt sie in Lake Louise im Super-G auf Rang zwei. Nach dem Rennen sagt sie im Fernsehen: «Das macht Lust auf mehr.»

3. Die Schweizer

Neben Gut machten andere Schweizer Freude. Beat Feuz ist in der Abfahrt aktuell der schnellste Mann weltweit. Er gewinnt in Lake Louise und wird in Beaver Creek Zweiter. Nun scheint sogar der Disziplinensieg möglich. Noch wichtiger: Der 30-Jährige ist ein Versprechen für die Olympischen Spiele im Februar in Südkorea. Der Abfahrts-Weltmeister von St. Moritz sagt: «Es ging gut los.»

Gut in die Saison gestartet sind auch Wendy Holdener und Michelle Gisin. Holdener fährt im ersten Slalom der Saison auf Rang drei und scheidet im zweiten in Killington in sehr guter Ausgangslage aus. Die Kombinations-Weltmeisterin und Slalom-Zweite von St. Moritz ist auch in der neuen Saison in blendender Form.

Holdener fährt im ersten Slalom der Saison auf Rang drei.

Holdener fährt im ersten Slalom der Saison auf Rang drei.

Das gilt auch für Michelle Gisin, die beweist, dass ihr die Abfahrt immer mehr Spass macht: Rang drei in Lake Louise. Es scheint sogar möglich, dass die 23-jährige Engelbergerin dereinst in die Fussstapfen ihrer Schwester Dominique tritt. Diese wurde 2014 in Sotschi Olympiasiegerin in der Abfahrt. Träumen ist auf jeden Fall erlaubt.

Zumindest von einem Podestplatz träumen dürfen Justin Murisier und Loïc Meillard. Die beiden Schweizer nähern sich in der einstigen Schweizer Sorgendisziplin Riesenslalom immer mehr den Podestplätzen. Rang fünf (Murisier) und sechs (Meillard) in Beaver Creek machen Lust auf mehr. Das macht auch Meillards Schwester Mélanie. Auch bei ihr scheint es nur eine Frage der Zeit, bis sie auf Weltcup-Podium steigt.

Die zwei besten Skifahrer der Welt kommen zwar nicht aus der Schweiz. Zufrieden dürfen wir mit dem Saisonstart trotzdem sein.