Biathlon

Selina Gasparin: «Ich musste auf einem tiefen Niveau wieder beginnen»

Selina Gasparin kehrt nach ihrer Babypause zurück

Selina Gasparin kehrt nach ihrer Babypause zurück

Selina Gasparin steht nach ihrer Babypause vor dem Comeback. Die Olympia-Zweite ist bereits überraschend gut in Form. Laut ihrem Trainer ist sie lockerer geworden, seit sie Mutter geworden ist. Es herrscht eine grosse Euphorie bei der 31-jährigen.

Selina Gasparin schont sich nicht. Im Gegenteil: Beim Rennen auf dem Laufband gibt die 31-Jährige nicht auf, bis sie das Letzte aus sich herausgeholt hat. Im Medical Center von Swiss Olympic in Magglingen holt die Biathletin nach, was sie im Frühling verpasst hat: die standardisierten Leistungstests, welche die Swiss-Ski-Athleten periodisch absolvieren.

Cheftrainer Markus Segessenmann staunt: «Selina hatte noch nie so gute Testwerte», sagt er. Und dies, obwohl Gasparin die bisherige Bestmarke vor dem Olympiawinter im Oktober aufgestellt hatte – also erst zu einem späteren Zeitpunkt der Saisonvorbereitung.

Erstes Training nach drei Monaten Pause

Dabei hat Gasparin das Training erst im Mai wieder aufgenommen – rund sechs Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Leila. Und nach einer Pause von insgesamt drei Monaten. «Ich musste auf einem tiefen Niveau wieder beginnen», sagt die Engadinerin, die mit dem russischen Top-Langläufer Ilja Tschernoussow verheiratet ist. «Dafür habe ich die Fortschritte umso besser gemerkt. Das war sehr motivierend.»

Dabei hätte es der Silber-Medaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Sotschi ohnehin nicht gefehlt. «Die Pause hat mir mental gut getan», sagt Gasparin. Zum ersten Mal seit 14 Jahren erlebte die Athletin wieder einen Winter ohne Wettkämpfe. Nach der Geburt zeigte sich aber rasch, dass dem geplanten Comeback nichts im Weg stand. Die Schwangerschaft war problemlos verlaufen, die Tochter gesund und pflegeleicht – und der sportliche Ehrgeiz der Mutter ungebrochen.

Seit Juli trainiert Gasparin wieder wie gewohnt mit dem Nationalteam, dem auch ihre Schwestern Elisa und Aita angehören. «Es war mir wichtig, nicht zu früh wieder anzufangen», sagt die Teamleaderin. «Ich brauchte Zeit, um mit meiner Tochter eine gute Beziehung aufzubauen.»

Die Tochter reist immer mit

Leila wird ihre Mutter auch während der Saison auf allen Reisen begleiten. «Ich habe mich für entschieden, eine Familie zu gründen», sagt Selina Gasparin. «Also will ich mein Kind auch bei mir haben.» Möglich wird dies durch eine gute Organisation: Wenn Mama einen Wettkampf bestreitet oder trainiert, kümmert sich eine Nanny um die Tochter.

«Ich weiss, dass Leila in meiner Abwesenheit in guten Händen ist», sagt Gasparin. «Deshalb kann ich mich dann ganz auf den Sport konzentrieren.» Umgekehrt ist sie ganz Mama, wenn sie bei ihrem Kind ist. «Davon profitieren beide Seiten», ist Gasparin überzeugt. «In den unterschiedlichen Rollen kann ich abwechslungsweise den Akku für die jeweils andere laden.»

Als Sportlerin egoistisch, als Mutter sozial

Die erste Schweizer Weltcupsiegerin im Biathlon glaubt also nicht, dass die Tochter einer erfolgreichen Fortsetzung ihrer Karriere im Weg stehen würde. Im Gegenteil: «Sie hilft mir eher und bringt mich auch als Sportlerin weiter», sagt die Athletin, die ihre Doppelrolle als spannend erlebt: «Als Spitzensportlerin bin egoistisch, als Mutter hingegen lebe ich meine soziale Seite aus.» Auch in physischer Hinsicht will sie die Erfahrung von Schwangerschaft und Geburt nicht missen. «Ich habe meinen Körper besser kennen gelernt.»

Auch Trainer Segessenmann hat eine Veränderung festgestellt. «Sie ist als Athletin lockerer geworden», sagt er. Ob Gasparin im Winter an ihre erfolgreiche Olympiasaison wird anknüpfen können, muss sich aber erst zeigen – obwohl die Leistungstests sie optimistisch stimmen. «Ich muss aufpassen, dass ich jetzt nicht zu euphorisch werde und zu viel trainiere», sagt die Bündnerin, welche ihre Biathlon-Karriere noch mindestens bis zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang fortsetzen möchte.

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