Langlauf
Selbstbewusster Dario Cologna: «Ich will wieder Gold»

Am liebsten möchte der Olympiasieger an der WM in Falun den Titel über 50 Kilometer gewinnen. Die erste Chance auf Edelmetall bietet sich dem Bündner am Samstag im Skiathlon.

Johannes Kaufmann
Drucken
Teilen
Dario Cologna ist bereit für neue Grosstaten

Dario Cologna ist bereit für neue Grosstaten

KEYSTONE

Zum vierten Mal startet Dario Cologna in Falun an nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Seine Medaillenbilanz ist einmal Gold im Skiathlon und einmal Silber über 50 km, beides eingelaufen vor zwei Jahren im Val di Fiemme. Der 28-jährige Münstertaler sprich über seine Aussichten und Ziele für den Saisonhöhepunkt.

Dario Cologna, Sie wurden 2010 ein erstes Mal Olympiasieger. Ein gravierender Einschnitt. Änderte sich das Leben nun auch nach den in Sotschi eroberten Titeln 2 und 3?

Dario Cologna: Das einschneidendste Erlebnis war der erste Triumph an der Tour de Ski 2008/09. Danach kam ein Jahr später der erste Olympiasieg in Vancouver. Klar, Olympia ist noch einmal eine andere Dimension als die Tour de Ski. Doch wie gesagt, den grossen Sprung in Sachen öffentlicher Wahrnehmung hatte ich da schon hinter mir. Doppel-Gold in Sotschi vor einem Jahr war vor allem infolge der speziellen Vorgeschichte mit meiner Fussverletzung eine tolle, spezielle Sache für mich und die Öffentlichkeit.

Sie gehörten schon vor Sotschi zur Liga der am besten verdienenden Schweizer Wintersportler. Gab es da nochmals eine Steigerung?

Ja, wobei ich da nicht mehr von einem Quantensprung sprechen will. Nennen wir es eine Optimierung auf hohem Niveau. Ich wäre natürlich auch ohne dieses Doppelgold ein interessanter Partner für meine Sponsoren geblieben, die teilweise an Leistungen gekoppelten Verträge laufen weiter. Perspektivisch betrachtet sind diese Titel 2 und 3 an Olympischen Spiele sicherlich von Wert. Meine Karriereplanung läuft vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang.

Seit Sie in der Saison 2008/09 in die absolute Weltspitze vorgestossen sind, hatten Sie keine längeren Formkrisen. Wie schaffen Sie diese Kontinuität auf höchstem Niveau?

Es gibt da kein Geheimnis. Ich investiere schlicht alle Ressourcen in den Sport, nie standen andere Dinge im Vordergrund. Ich fand zudem jede Saison ein grosses Ziel, auf das ich mit aller Konsequenz hinarbeitete. Bis jetzt ging es fast immer auf.

Die Erwartung an Ihre Person ist deshalb immer besonders gross.

Das ist richtig. Deshalb hatte die nicht einfache Situation vor Sotschi auch ihre positiven Seiten. Für einmal durfte ich nahezu als Aussenseiter an Olympische Spiele reisen. Eine durchaus angenehme Begleiterscheinung. Ich dachte nach der Verletzung ja selbst nicht an Medaillen oder gar Siege. Und dann wurde es Doppel-Gold.

Vor diesen Weltmeisterschaften finden Sie diese Rahmenbedingungen nicht mehr vor.

(lacht) Nach Sotschi wird von der Öffentlichkeit in der Tat fast schon wieder Doppel-Gold erwartet.

Wie lautet Ihre Zielsetzung?

Klar, auch ich will eine Goldmedaille. Wenn ich die über 50 Kilometer gewinne, bin ich restlos zufrieden mit der WM. Dann ist alles gut.

Langlauf-Romantiker wünschen sich zur Krönung des besten Langläufers den traditionellen «50er» mit Einzelstart zurück.

Der Unterschied zwischen einem Skiathlon über 30 Kilometer und dem «50er» mit Massenstart ist in der Tat nicht gravierend. Ich bin überhaupt noch nie über 50 Kilometer mit Einzelstart gelaufen. Das wäre eine interessante Herausforderung. Es ist bedauerlich, dass nicht zumindest an der traditionsreichen Stätte am Holmenkollen über 50 Kilometer wie in früheren Zeiten mit Intervallstart gelaufen wird.

Wie steht es jetzt um Ihre Form?

Ich bin auf Kurs. Der Saisoneinstand verlief im Dezember ein wenig zäh. Die Folgen der zweiten Fussoperation waren spürbar. Ich durfte nicht davon ausgehen, bis zur WM wieder in der aktuell guten Verfassung zu sein. Ja, mutmasslich bin ich auf dem Stand wie vor zwei Jahren vor der WM im Val di Fiemme.

Der Dario Cologna in absoluter Bestform war aber wohl der im November 2013, unmittelbar vor der Fussverletzung.

Das stimmt, damals war ich besser denn je. Die tolle Sotschi-Story wäre wohl ohne diese herausragende Basis nicht möglich gewesen. Es ist natürlich ein Ansporn für mich, nochmals auf dieses Niveau zu gelangen.

Vor zwei Jahren gewannen Sie Ihre ersten zwei WM-Medaillen. Sie sind an Olympischen Spielen erfolgreicher als an Weltmeisterschaften. Wie erklären Sie sich dies?

Mein WM-Einstand in Liberec 2009 mit einem vierten und sechsten Rang war für einen 22-Jährigen durchaus ein gutes Ergebnis. Oslo 2011 war speziell, wir bekamen die Materialprobleme nie in den Griff. Ich bestritt somit im Prinzip je zwei Weltmeisterschaften und Olympische Spiele.

Der Wettkampfkalender im Januar und zu Beginn des Februars war sehr ausgedünnt. Sie betonen oft, dass Sie Rennen benötigen, um Ihre Topverfassung zu erreichen. Wären Sie gerne öfter gestartet?

Es ist in unserem Sport unmöglich, den gesamten Winter in Topform Woche für Woche Rennen zu laufen. Die Wettkampf-Flaute zur Wintersporthochsaison im Januar bis Anfang Februar ist vielleicht ein wenig unglücklich für unseren Sport. Sie ist aber auch den Strapazen der Tour de Ski zum Jahresbeginn geschuldet. Danach geht es nicht ohne eine allgemeine Erholungspause. Und ein Weltcup in Otepää und Rybinsk steht natürlich hierzulande nicht so sehr im Fokus. Rybinsk war für mich indes auf jeden Fall eine Reise wert. Ein Sieg tut immer gut, positiv überrascht war ich vom relativ grossen Vorsprung auf die Konkurrenz. Vor der WM gab es nochmals eine längere Pause, abgesehen von einem Weltcup in Schweden unmittelbar vor Falun. Sie kam nicht ungelegen. Wir feilten in Davos und St. Moritz akribisch an der WM-Form.

Wie sieht Ihr WM-Programm aus? In Sotschi kam der Verzicht auf die Staffel nicht nur gut an. Laufen Sie die Staffel in Falun?

Ja, ich plane neben den drei Distanzrennen mit der Staffel. Der Verzicht auf den Klassisch-Sprint lag auf der Hand, hier sind die Medaillenchancen eher klein.

Im Dezember wiesen Sie angesichts der teilweise erdrückenden Norweger-Dominanz im Weltcup darauf hin, dass ein Jahr zuvor trotz ähnlicher Tendenz bei den Winterspielen in Sotschi andere Läufer auf dem Podest standen. Ein Fingerzeig für Falun?

Die Norweger waren zu Saisonbeginn einmal mehr enorm leistungsfähig. Doch mittlerweile gibt es einige andere Läufer, die sich auf ähnlichem Niveau bewegen. Aber klar, Petter Northug muss man immer auf der Rechnung haben. Nicht zu vergessen natürlich Weltcup-Leader Martin Johnsrud Sundby.

Wie lautet das Zwischenfazit unter dem neuen Trainer Ivan Hudac?

Positiv. Mehrere Teamkollegen steigerten im laufenden Winter ihr Leistungsvermögen. Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet lohnt sich die Neuausrichtung. Für meine Person war es zentral, mich für die neuen Ideen von Hudac zu öffnen, um die Vorzüge seiner Philosophie in den Trainingsalltag einfliessen zu lassen. Generell weiss ich aus der Vergangenheit, was es braucht, um im Winter schnell zu sein.

Blick in die Zukunft. Nächstes Jahr steht ein sogenanntes Zwischenjahr ohne grosse Meisterschaften an. Eine Saison für Experimente?

Im Prinzip ist das so. Die letzten sechs, sieben Jahre waren eine extrem intensive Zeit. Es gibt Überlegungen, den immensen Trainingsaufwand vielleicht ein wenig nach unten anzupassen. Es gibt aber auch den Gedankengang, auf derselben Schiene konsequent weiterzufahren. Bislang fehlte es mir nie an der nötigen Motivation. Nach einer kurzen Pause war ich im Frühling immer voller Tatendrang. Und natürlich ist es auch reizvoll, erneut den Gesamtweltcup ins Visier zu nehmen. Dieser Grundsatzentscheid wird mich aber erst nach der WM beschäftigen. Jetzt liegt der Fokus voll auf Falun.

Aktuelle Nachrichten