Skisport

«Schweizer Skifahrer sind nur noch dritte Klasse»

Carlo Janka in Beaver Creek.

Carlo Janka in Beaver Creek.

Sepp Brunner brachte als Technik-Gruppentrainer schon fünf Schweizer Weltcupsieger hervor. Zurzeit krebsen aber auch seine Fahrer in ungewohnten Niederungen herum. Der Trainer über den Tiefpunkt im Schweiezr Skisport.

Kein Schweizer im Klassement, was sagen Sie dazu?

Sepp Brunner: Das ist ein Tiefpunkt. Da braucht man nichts zu beschönigen. Tiefer können wir nicht mehr fallen, es kann nur noch aufwärtsgehen. Wir hatten eine ausgezeichnete Vorbereitung im Sommer, aber jetzt sind wir nicht ins Fahren gekommen.

Carlo Janka sieht das anders. Er sagt, das Südamerika-Training sei in die Hosen gegangen?

Er meint das wahrscheinlich punkto seiner Materialumstellung, wo er irrsinnige Probleme hatte. Das stimmt. Ich rede von der Qualität des gesamten Riesenslalom-Trainings. Und jetzt sind wir nirgends. Das macht im Moment die Situation so schwierig.

In Alta Badia hatte man den Eindruck, ihr betreibt eine andere Sportart als Ligety oder Hirscher.

Ich würde das mal nur auf Ligety beziehen. Er ist im zweiten Durchgang nicht voll gefahren und hat überdies Fehler gemacht. Trotzdem ist er zwei Sekunden voraus. Im Riesenslalom ist zwischen Ligety und den andern ein Klassenunterschied, und dann sind irgendwo eine Klasse weiter noch wir.

Techniktrainer Sepp Brunner

Techniktrainer Sepp Brunner

Dann ist unser Team bei der gegenwärtigen Zweiklassen-Gesellschaft nur noch dritte Klasse?

Heute kann man davon ausgehen.

Was ist der Grund?

Jetzt rede ich von Carlo. Er ist ausser in Beaver Creek, wo wir hofften, es ginge aufwärts, immer hinterhergefahren. Er hat noch nie das gefunden, um wieder befreit Ski fahren zu können. Er ist total verunsichert, obwohl er jene Skimarke fährt, auf der er schon immer gefahren ist und irrsinnig viel investiert hat. Marc Berthod fuhr im Training sehr gut. Er war schneller als Marcus Sandell, der jetzt in Alta Badia Siebter wurde. Aber im Rennen ist er blockiert.

Janka 7,81 Sekunden zurück – das ist ein unvorstellbarer Rückstand.

Nicht nur Carlo, auch andere Top-Leute lagen weit zurück, vor allem jene, die von der Abfahrt kamen. Wenn man auf einen so schweren Hang kommt und verunsichert ist, passiert so etwas.

Wie gehts weiter? Es steht nur noch ein Riesenslalom an, dann ist bereits die Weltmeisterschaft. Fahren wir dort nur mit einem Mann?

Das ist im Moment so. Aber wir werden in Adelboden alles daransetzen, damit wir uns besser präsentieren. Wir werden, auch die Jungen, wegen der grossen Verunsicherung unter unserem Wert geschlagen.

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