Ski alpin

Schweizer mit britschem Humor: Daniel Yule soll die Schweizer Ehre retten

Daniel Yule ist jung, schnell und selbstbewusst.

Daniel Yule ist jung, schnell und selbstbewusst.

Seine Eltern sind Schotten. Doch Whisky mag Daniel Yule nicht. Viel lieber fährt er Ski und ist damit typisch Schweizer – mit Walliser Dialekt, wie er sagt.

In seinem Zimmer im Hotel Steinmattli hat Daniel Yule vor dem Fernseher mit Justin Murisier mitgelitten. Die beiden Westschweizer teilen sich im Weltcup die Unterkunft. «Ich werde ihn am Abend mit ein paar Witzen aufmuntern», sagt Yule, der weiss, wie sehr der 39. Platz im gestrigen Riesenslalom seinen Freund ärgert. «Es ist wichtig auch mal abzuschalten, um Abstand vom Skisport zu gewinnen», sagt Yule.

Der 21-Jährige ist in diesem Winter mit Abstand der stärkste Techniker im Schweizer Team. Zwei zehnte Plätze in den Slaloms von Levi und Zagreb stechen heraus. Anders als Murisier setzt Yule nur auf den Slalom. «Damit habe ich genug zu tun. Mir läuft es lieber gut im Slalom, statt in zwei Disziplinen mittelmässig zu sein.»

Auffallende Konstanz

Im letzten Winter überraschte Yule im Slalom von Kitzbühel, wo er 2012 sein erstes Weltcuprennen bestritt, mit dem siebten Rang. Damit qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele in Sotschi, wo er im Slalom im zweiten Lauf ausschied. «Die Erfahrungen, die ich an den Spielen gesammelt habe, helfen mir jetzt», sagt der Walliser.

Zum Beispiel, was es heisst und wie es ist, wenn grosse Erwartungen auf ihm lasten. So wie jetzt in Adelboden, wo er heute im Slalom fast im Alleingang die Ehre der Schweizer am Chuenisbärgli retten soll. «Davon lasse ich mich nicht beeindrucken. Mein Ziel sind die Top 15 und das ist alles, was für mich zählt», sagt Yule, der in der letzten Saison die Slalom-Gesamtwertung im Europacup für sich entschied.

Auffallend ist die Konstanz, die der Doppelbürger in diesem Winter beweist. «Ich fühle mich wohl im Team, verstehe mich gut mit den Trainern und meinem Servicemann. Vielleicht kann ich dieses gute Gefühl mit auf die Piste nehmen», erklärt er es.

Wichtig, als Schweizer wahrgenommen zu werden

Von seinem Vater, ein Schotte, der im Wallis französisch lernen wollte, sich in die Region verliebte und blieb, habe er die Statur, erzählt Yule. Er ist gross und kräftig, mit einem markanten Gesicht. Auch seine Mutter ist Schottin, geboren wurde Daniel Yule aber im Wallis. «Wenn ich französisch spreche, habe ich einen starken Walliser Dialekt», sagt Yule, «mit Schottland verbindet mich der britsche Humor.» Whisky mag er nicht. «Ich kenne nur die Namen. Ein Raclette mit Weisswein ist mir lieber.»

Yule ist es wichtig, als Schweizer wahrgenommen zu werden. Der 21-Jährige spricht neben Französisch und Englisch sehr gut Deutsch. Gelernt hat er es von seinen Deutschschweizer Teamkollegen und Trainern. «Sie verstehen mittlerweile aber alle ziemlich gut französisch», sagt Yule schelmisch grinsend. «Wir müssen also aufpassen.»

Sein Flair für Sprachen kommt aber nicht von irgendwo. Die Matura, die er anders als die viele Sportler auf dem herkömmlichen Weg parallel zum Skisport absolvierte, schloss er mit einer Note über fünf ab. Diese Vielfalt an Talenten und Interessen zeichnet ihn auch auf der Piste aus. Seine Trainer attestieren ihm hohe Intelligenz und die Gabe, die Dinge richtig einzuschätzen.

Darum denkt Yule auch noch nicht an die WM. Obwohl er aus dem Slalom-Team als einziger das Ticket bereits auf sicher hat. «Für die Slalomfahrer ist der Januar mit Adelboden, Wengen und Kitzbühel das Highlight», sagt er. «Für mich zählt hier und jetzt nur das Rennen am Chuenisbärgli. Heute will er den starken Saisonstart bestätigten und zeigen, dass er zurecht als grosse Zukunftshoffnung gilt. Er ist der Lichtblick im Team der Techniker.

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