Noch nie stand in einem Weltcup-Rennen eine so junge und unerfahrenen Schweizer Mannschaft im Einsatz. Ausgerechnet im schwersten Riesenslalom der Welt in Adelboden schickt Osi Inglin ein Küken-Team in die Schnupperlehre.

Mit 356 Rennen hat Didier Défago beinahe allein mehr Einsätze als der Rest der Equipe zusammen. Zum «Hunderter-Club» zählen auch Marc Berthod (148 Rennen), der Sieger von 2007 und 2008, sowie Carlo Janka (136 Rennen), der aber in Adelboden noch nie über einen 12. Rang hinauskam. «Das Chuenisbärgli war noch nie mein Hang», sagt der Ex-Weltmeister und Olympiasieger, der intensiv an seinen Materialproblemen arbeitete: «Was möglich ist, haben wir gemacht.»

Sonst verfügen nur noch die beiden Slalom-Spezialisten Marc Gini (91 Rennen) und Markus Vogel (38) über mehrjährige Erfahrung. Hinter ihnen folgt bereits Manuel Pleisch, der bisher elf Weltcup-Riesenslaloms bestritt und sich im Dezember in Alta Badia erstmals für den 2. Lauf qualifizierte, ehe er ausschied.

Erstmals standen bei der Medienkonferenz auf den Tisch Kärtchen mit den Namen der Athleten. Die Journalisten wären sonst beim «Who’s who der Nobodys» überfordert gewesen. Sogar Swiss-Ski-Medienchef Lorenz Liechti räumte ein: «Ich habe heute Morgen nicht alle gekannt.»

Ramon Zenhäusern, Daniel Yule und Luca Aerni gaben im November und Dezember ihren Weltcup-Einstand. Vor allem der 19-jährige Berner Aerni zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Beim City-Parallel-Event in München wurde er bei der Starparade am Olympiaberg ins heisse Wasser geworfen. «Ich war der Einzige, den niemand kannte», erzählt der zweisprachige Aerni, der in Crans-Montana geboren, in Grosshöchstetten BE wohnt, aber skifahrerisch ein Walliser Umfeld besitzt.

«Umso mehr freute mich», so Aerni, «dass sich sogar eine Julia Mancuso bei mir vorgestellt hat.» Offenbar motiviert durch dieses Erlebnis gewann Aerni in Chamonix sein erstes Europacup-Rennen und verpasste im Weltcup-Slalom von Zagreb mit der Nummer 60 den 2. Lauf nur um zwei Hundertstel.

In Adelboden ist der Fokus auf ein Debütanten-Trio gerichtet, von denen sich noch keiner im Europacup unter den Top Ten klassierte. Alle drei gelten als ungeschliffene Diamanten.

Niederberger familiär vorbelastet

Elia Zurbriggen (22). Für den Sohn von Pirmin ist die Messlatte hoch. Im Alter von 22 Jahren war sein Vater bereits 14-facher Weltcupsieger. «Vom Vater habe ich den Namen, aber ich bin eine andere Person», relativiert Elia, der im letzten Jahr als verkabelter Vorfahrer mit GPS für die FIS Daten sammelte. Er gilt als Spätzünder, da er als 15-Jähriger erst 45 kg wog und dann als 19-Jähriger in die Höhe schoss auf das Gardemass von 1,90 m. Beim Europacup-Rennen in Zuoz belegte er mit der Nr. 71 den 18. Rang.

Vincent Gaspoz (21). Er stammt aus dem Val d’Hérens oberhalb Sion, derselben Gemeinde wie einst Chantal Bournissen. Mit Joël Gaspoz ist er nicht verwandt. «Aber seine Geschichte kenne ich», sagt Vincent. Er stürzte an der WM 1987 mit Bestzeit beim zweitletzten Tor – darauf war die Karriere beendet. Gaspoz bestritt bisher 15 Europacup-Rennen, holte aber im Riesenslalom noch nie Punkte, dafür als 22. im Slalom.

Bernhard Niederberger (23). Nach Markus Vogel und Reto Schmidiger ist er der dritte Nidwaldner im Weltcup. Er wuchs in Beckenried auf, nur 200 m von Vogel entfernt, und ist familiär vorbelastet: Seine Tante ist die Monika Käslin, eine ehemalige Schweizer Meisterin und Ex-Weltcup-Fahrerin. Seine Mutter musste seine Karriere unfallbedingt während der Interregionszeit abbrechen. Niederberger verdiente sich die Nomination mit einem 13. Europacup-Rang in Levi.