Curling

Schweizer Curler holen EM-Gold, Frauen Bronze

Die Schweizer Delegation kehrt mit vollem Erfolg von den Curling-EM in Stavanger (No) heim. Die Männer um Skip Sven Michel holen Gold, die Frauen um Mirjam Ott gewinnen die Bronzemedaille.

Die Schweizer Curler räumten an den Europameisterschaften in Stavanger ab. Die Männer holten mit einem 8:6 im Final über Norwegen Gold; die Frauen sicherten sich mit einem 6:4 über Dänemark Bronze. Die Olympia-Hauptprobe gelang beiden Teams.

Vor allem der Grosserfolg der Schweizer Männer entspricht einer enormen Überraschung. Die junge Schweizer (Profi-)Equipe mit Lead Simon Gempeler (27), Benoît Schwarz (22), Sandro Trolliet (25), Claudio Pätz (26) und Skip Sven Michel (25) nahm erst zum vierten Mal an Titelkämpfen teil und hatte vorher zweimal an Europameisterschaften und einmal an der WM die Playoffs verpasst. Auch von den sieben grossen Turnieren, die sie in diesem Herbst in Kanada und der Schweiz bestritten, gewannen die Akteure des CC Adelboden keines. Am erfolgreichsten trumpften sie in Brooks (Ka) auf, wo sie mit fünf Siegen den Final erreichten, diesen aber gegen das kanadische Team um Skip Mike McEwen 0:8 verloren.

"Wir sind jetzt natürlich überglücklich, dass uns der erste Turniersieg gleich an der Europameisterschaft gelungen ist", so Skip Sven Michel. "Gegen Ende des Spiels wurde der Druck nochmals gross. Aber wir waren weniger nervös als noch am Freitag, weil wir die Silbermedaille immerhin schon auf sicher hatten."

Der hochklassige Final in Stavanger gegen Gastgeber Norwegen wogte hin und her. Die Norweger führten in der ersten Spielhälfte 2:0 und 4:3; dazwischen sah es nach einem Dreierhaus im dritten End erstmals gut für die Schweizer aus. Die Vorentscheidung fiel im achten End: Die Schweizer stahlen drei Punkte vom 4:4 zum 7:4, weil beide Draws des norwegischen Skip und zweimaligen Europameisters Thomas Ulsrud viel zu lang gerieten. In der Folge verkürzte Norwegen noch auf 6:7 (9. End), die Schweizer kontrollierten jedoch mit dem Vorteil des letzten Steins das Geschehen. Die letzte heikle Situation im zehnten End bereinigte Claudio Pätz mit einem Promotion-Takeout, der den Schweizern die Mitte des Hauses offen hielt.

Das Team um Skip Sven Michel holte die erste Goldmedaille bei den Männern seit dem Triumph von Andreas Schwaller an der EM 2006 in Basel und erst die zweite seit dem WM-Triumph von Markus Eggler vor 21 Jahren. Das Team aus dem Berner Oberland holte seine erste Goldmedaille auf die genau gleiche Weise, auf die Mirjam Ott vor anderthalb Jahren - damals im Duell gegen Schweden - Weltmeisterin geworden war: In der Round Robin und den Playoffs verlor das Team um Skip Michel zweimal gegen Norwegen; als es am Ende aber um die Wurst ging, erwiesen sich die Schweizer (Teamerfahrung: 10 Titelkämpfe) gegen die viel routinierteren Norweger (67 Titelkämpfe) als nervenstärker und cleverer.

Eine Schlüsselrolle kam neben dem Skip dem erst 21-jährigen Genfer Benoît Schwarz zu. Der Junioren-Weltmeister von 2010, der normalerweise für Genf auf der Nummer-4-Position spielt, gelangte in den Spielen 7 bis 12 an Stelle von Sandro Trolliet als Nummer 2 zum Einsatz. Er löste die für ihn teils ungewohnten Aufgaben mit Bravour.

Wenn die Schweizer Männer ab Dienstag mit dem dritten Aufenthalt in Kanada binnen dreier Monate ihre Olympia-Vorbereitung fortsetzen, wird Schwarz vorerst wieder nicht mit von der Partie sein. Der Genfer konzentriert sich wieder auf seine Aufgaben im Team von Peter De Cruz und wird nur in die Trainings in der Schweiz eingebunden. Ein Risiko sieht Nationalcoach Andreas Schwaller in dieser Planung nicht, obwohl Sandro Trolliet zuletzt immer wieder mit Knieproblemen (Knorpel) zu schaffen hatte. Schwaller: "Benoît (Schwarz) hat diese Woche bewiesen, dass er sich problemlos ins Team integrieren lässt und dass er den Aufgaben gewachsen ist."

Bronze für Ott

Auf der Höhe der Aufgabe stand am Ende auch wieder das Frauen-Team um Skip Mirjam Ott. Das Curlerinnen des CC Davos waren mit sieben Siegen ins Turnier gestartet, ehe vier Niederlagen hintereinander folgten. "Aber zum Glück gelang uns ein erfolgreicher Abschluss", so Mirjam Ott. "Natürlich waren wir gestern enttäuscht, dass wir trotz zweier Chancen das Goldmedaillenspiel verpassten. Aber wir waren in der kurzen Zeit seit der Halbfinalniederlage in der Lage, uns nochmals aufzuraffen."

Das Spiel um Bronze gewannen die Schweizerinnen mit 6:4. In der letzten Partie gelang ihnen nochmals eine solide Leistung, obwohl die Däninnen gleich im ersten End einen Stein stehlen konnten. Es blieb jedoch Dänemarks einzige Führung. Im zweiten und fünften End schrieben die Schweizerinnen je zwei Punkte (zum 2:1 und 4:2), womit die Basis für die Medaille gelegt war. Die Schweizerinnen bauten die Führung sogar noch auf 5:2 aus, ehe es die Däninnen mit zwei Punkten im siebenten End nochmals spannend machten. Das Team von Mirjam Ott gab die Kontrolle über die Partie aber nicht mehr aus der Hand.

Damit holten die Teams des Curlingverbandes erstmals seit den Heim-Europameisterschaften in Champéry von 2010 wieder zwei Medaillen, nachdem in der Vorsaison der Schweizer Verband erstmals in seiner Geschichte an EM und WM ohne Medaille geblieben war. Das doppelte Edelmetall krönte die äusserst erfolgreiche Kampagne mit insgesamt 14 Siegen (jeweils 7:2 bei Männer und Frauen) schon in der Round Robin. Mehr Siege feierten die Schweizer an einer EM noch nie; ebenfalls 14 Siege in der Vorrunde gab es zuletzt 2005 in Garmisch-Partenkirchen und 2010 in Champéry. Und in Champéry im Wallis finden auch die nächsten Europameisterschaften Ende November 2014 wieder statt.

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