Sicherheit

Schutzengel für Küng und Co.: Wie Airbags Skifahrer bei Stürzen schützen sollen

Werner Heel mit Airbag-Buckel

Werner Heel mit Airbag-Buckel

Im Starthaus zur Abfahrt von Kitzbühel rutscht sogar den Draufgängern das Herz in die Hosen. Schon bald könnte ein Airbag für mehr Gelassenheit sorgen. In der Formel-1 kommt er bereits zum Einsatz.

Es knallt ziemlich laut, doch Werner Heel bleibt gelassen. In Bruchteilen einer Sekunde bläst sich das Luftkissen auf – und schützt Schulter, Schlüsselbein und Brust. D-air nennen es die Entwickler, gemeint ist ein Airbag für Skifahrer. «Das ist ein riesiger Schritt nach vorne für mehr Sicherheit», sagt Heel.

Der Italiener erinnert vor dem Versuch ein wenig an den Glöckner von Notre-Dame. Deutlich zeichnet sich der Buckel unter seinem Renndress ab. Darin versteckt sind ein Luftkissen, der Auslöser und eine komplizierte Steuerungselektronik. Getragen wird der Airbag über dem Rückenpanzer. Der Kanadier Manuel Osborne-Paradis sagt: «Auf der Piste vergisst man, dass man den Airbag trägt. Das Fahrgefühl bleibt identisch.»

Promovideo für den Skifahrer-Airbag

Promovideo für den Skifahrer-Airbag

Komplexer Sport

Drei Jahre hat die Firma Dainese in Zusammenarbeit mit dem Skiverband FIS und zahlreichen Athleten am Airbag getüftelt. Gestern wurde in Kitzbühel das Resultat der Arbeit vorgestellt.

Im Motorradsport kommt der Airbag schon seit 2009 zum Einsatz. Die Technologie war vorhanden, doch die Adaption für den Skisport gestaltete sich als schwierig. «Im Motorradsport ist die Berechnung für die Auslösung leicht. Bei einem Sturz löst das System aus», erklärt FIS-Renndirektor Günter Hujara. Im Skisport gibt es zusätzliche Faktoren. Wie erkennt das System beispielsweise den Unterschied zwischen Sprung und Sturz?

Das Problem löst ein komplexer Algorithmus. Diverse Athleten haben 238 Abfahrten mit einem Messgerät absolviert. Die gesammelten Daten dienen als Grundlage für den Auslösemechanismus. Hinzu kommen sieben Sensoren. Fehlauslösungen können so fast komplett ausgeschlossen werden. Im Notfall liesse sich die Fahrt aber sogar mit aufgeblasenem Kissen fortsetzen.

Werner Heel testet den Airbag

Werner Heel testet den Airbag

Noch ist der Einsatz des Airbags in den Rennen nicht erlaubt. «Doch wir stehen kurz davor», sagt Hujara. In den Trainings wurde das System zu Testzwecken bereits zugelassen. Ein Problem ist die Aerodynamik. «Es darf für Träger und Nichtträger keine Vor- oder Nachteile geben», sagt Hujara. Ein Obligatorium ist reglementarisch nicht erlaubt. Zumal sich wohl nicht jede Nation die teure Technologie – die Preise sind noch nicht bekannt – leisten kann.

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