Ski alpin

«Schau nur nicht zu, wie sie starten»: Wie Supertalent Marco Odermatt das erste Mal auf der Streif erlebte

Brutales Kitzbühel? Ein Blick in das Gesicht von Marco Odermatt sagt alles. key

Brutales Kitzbühel? Ein Blick in das Gesicht von Marco Odermatt sagt alles. key

Marco Odermatt erlebte das erste Mal auf der Streif in Kitzbühel. Den Tipp von Beat Feuz ignorierte er.

Fünfmal Gold an einer Junioren-WM. Das hat bisher nur er geschafft: Marco Odermatt. Und weil viele Stars der Gegenwart früher einmal Medaillen bei den Junioren gewannen, weckt das natürlich Erwartungen und stösst auf Interesse.

Vor dem Hotel Schweizerhof in Kitzbühel wartet ein dreiköpfiges Kamerateam auf Marco Odermatt. Der 21-Jährige soll in einer Folge der preisgekrönten Dokumentations-Reihe «In search of speed» vorkommen. Das Format setzt auf Stars: Marcel Hirscher, Lindsey Vonn, Aksel Lund Svindal – sie alle haben ihren Auftritt.

Der mehrfache Junioren-Weltmeister Marco Odermatt

Der mehrfache Junioren-Weltmeister Marco Odermatt

Marco Odermatt antwortet locker auf Englisch. Er, der künftige Star? Als er wenig später in der Lobby Platz nimmt, sagt er: «Meine Erfolge an der Junioren-WM nützen mir im Weltcup nichts mehr. Das hier ist eine ganz andere Welt.» Der junge Mann aus Buochs im Kanton Nidwalden hebt nicht ab. Er spricht immer wieder davon, Erfahrungen sammeln zu wollen. Er will sich herantasten an die Besten.

Vermutlich hilft, dass er auch schon die Schattenseiten kennt. 2016 war er in seinem zweiten Weltcuprennen zum Saisonbeginn im Riesenslalom in Sölden mit Startnummer 53 auf Platz 17 gefahren. Es war ein Schnellstart, der im Januar 2017 abrupt gestoppt wurde: Meniskusschaden, Operation, Saisonende. «Mein nicht geplanter Umweg», nennt er es.

Nun also langsamer. Herantasten. Wobei: In Val d’Isère belegte er im Riesenslalom Rang sieben. In Bormio war er im Super-G Achter, zuletzt in Adelboden klassierte er sich im Riesenslalom auf Rang zehn. Odermatts Entwicklung ist atypisch. Er ist sowohl Techniker als auch Speedfahrer. «Neben dem Riesenslalom ist der Super-G meine Paradedisziplin. Um da schnell zu sein, muss man auch die Abfahrten beherrschen», sagt er.

Darum bestreitet er in dieser Saison auch diese Disziplin. Wie momentan in Kitzbühel. «Während ich in den beiden anderen Disziplinen resultatmässige Ziele verfolge, geht es in der Abfahrt nur darum, die Strecken kennen zu lernen», sagt er.

Marco Odermatt als Riesenslalom-Fahrer

Marco Odermatt als Riesenslalom-Fahrer

Der Tipp von Beat Feuz

Und nirgends ist das brutaler als in Kitzbühel. Es gibt zahlreiche Geschichten vom ersten Mal auf der Streif. Selbst Rekordsieger Didier Cuche überlegte vor der Premiere, mit der Gondel nach unten zu fahren. «Beat Feuz sagte zu mir: Schau nur nicht zu, wie die anderen starten und die Mausefalle runterrasen»,erzählt Odermatt. Die Neugier siegte und der Debütant schaute hin. «Im Riesenslalom bin ich mir pickelharte und gewässerte Pisten langsam gewohnt. Nur auf einer Abfahrt ist das nochmals was anderes.»

Die Gondel hat Odermatt nicht genommen. «Bei einem Bungee-Jump muss man nur den ersten Schritt wagen und dann passiert es von selbst. Hier ist der erste Stockabstoss erst der Anfang», sagt er. Am Ende ist es Trainingsrang 49, 5,77 Sekunden hinter dem Tagesschnellsten.

Mission Herantasten erfüllt. Früher gabes sie, Fahrer, die sowohl Abfahrten wie auch Riesenslaloms zur gleichen Zeit gewannen. Didier Cuche zum Beispiel. Doch heute haben sich die Besten längst spezialisiert. Odermatt träumt trotzdem davon, irgendwann beides zu können. «Es ist eine Herausforderung», sagt er. Aber der 21-Jährige hat ja noch viel Zeit. Die Stars aus «In search of speed» sind alle viel älter.

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