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Rudi Huber tritt zurück: «Ich opferte sogar meine Gesundheit»

Ski alpin Rudi Huber tritt als Chef alpin von Swiss-Ski per sofort zurück. Wurde ihm zum Verhängnis, ein Österreicher zu sein?

Martin Probst
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Rudi Huber ist als Chef alpin bei Swiss-Ski gescheitert.

Rudi Huber ist als Chef alpin bei Swiss-Ski gescheitert.

Keystone

Es wird intrigiert. Wie überall im Leben. Doch vielleicht noch etwas mehr, wenn es um den Skisport geht und um die Rivalität zwischen Österreich und der Schweiz. Vor zwei Jahren, als der Schweizer Skisport einen Tiefpunkt erreicht hatte, kam einer aus dem Nachbarland und sollte für Aufwind sorgen. Rudi Huber wurde zum Chef alpin.

Schon damals gab es einige, die fragten, ob ein Österreicher der Richtige sei. Zumal gleichzeitig auch die zwei Cheftrainerposten mit Österreichern besetzt waren. Hans Flatscher war bei den Frauen schon im Amt. Walter Hlebayna wurde gleichzeitig mit Huber als neuer Männerchef vorgestellt.

Zwei Jahre später ist nur noch Flatscher da. Hlebayna war schon nach einer Saison weg und wurde durch den Schweizer Tom Stauffer ersetzt. Gestern nun wurde der Rücktritt von Rudi Huber bekannt, obwohl er noch einen Vertrag bis 2017 hätte. «Ich opferte meine Gesundheit für einen Job, den ich sehr gerne machte, der aber öffentlich pausenlos kritisiert und oft zu Unrecht bombardiert wurde», sagte Huber gestern.

Swiss-Ski wollte weitermachen

Huber litt von Beginn an und bis zuletzt an fehlender Akzeptanz. Ihm wurde vorgeworfen, dass er weder die Strukturen des Schweizer Skiverbandes kenne noch Französisch spreche. Einzig von der Verbandsführung habe er immer Rückhalt gespürt.

Im Hintergrund aber wurde intrigiert. Besonders aus der Westschweiz, wie aus Insiderkreisen zu vernehmen ist. Ein Streit mit dem mittlerweile entlassenen Slalomtrainer Steve Locher führte schliesslich gar dazu, dass sich Huber per SMS über «extreme Ausländerfeindlichkeit» in der Schweiz ausliess. Die Nachricht, die Huber einem Landsmann schickte, der sich für einen Job bei Swiss-Ski interessierte, landete bei der Zeitung «Blick», die die Geschichte veröffentlichte.

«Die SMS war ein grosser Fehler», sagte Huber gestern. «Ich war emotional durch den Streit aufgeladen.» Entschuldigen tut dies den Ausrutscher nicht, doch selbst die Swiss-Ski-Führung hätte ihm den Fauxpas verziehen. «Wir wollten die Situation am Sonntagabend mit Rudi aufarbeiten. Der Vorfall war nicht so gravierend, dass es automatisch personelle Konsequenzen gebraucht hätte», sagte Markus Wolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Swiss-Ski, gestern.

Gibt es Fremdenfeindlichkeit?

Im Raum aber bleibt der schwere Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit bei Swiss-Ski. Huber relativierte: «Ich meinte damit die kulturellen Unterschiede in den verschiedenen Landesregionen der Schweiz und die gegenseitigen Akzeptanzprobleme. Nicht nur gegen Ausländer – auch unter Schweizern.»

Der Faktor der Nationalität spielte aber zumindest indirekt wohl doch eine Rolle. Anders als Hans Flatscher, der vor seinem Aufstieg zum Chef schon lange für Swiss-Ski tätig war und mit der ehemaligen Weltklasse-Athletin Sonja Nef eine Schweizer Frau hat, kamen Huber – und übrigens auch Hlebayna – direkt von aussen und zu ihren Chefposten. Dass dadurch die lange gehegte und gepflegte Rivalität zwischen der Schweiz und Österreich schneller zu einem Thema wird, liegt auf der Hand. Zumal es auch um Eitelkeiten geht, welche in der Tat – wie von Huber moniert – auch die Zusammenarbeit der Regionalverbände erschwert.

Bei der Nationenfrage muss sich die Swiss-Ski-Führung um Präsident Urs Lehmann den Vorwurf gefallen lassen, dieses Risiko bei der Besetzung der Chefposten vor zwei Jahren unterschätzt zu haben. Eines ist schon jetzt klar. Der Nachfolger von Huber wird mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein. Auch wenn er Schweizer ist. Aber zumindest könnte in diesem Fall die Nationalität nicht gegen ihn verwendet werden.

Markus Wolf sagte: «Wir wollen uns bei der Besetzung des Postens Zeit lassen und das Stellenprofil neu ausarbeiten. Ich werde mich aber sicherlich hüten, die Nationalität oder Sprachkenntnisse an oberste Stelle zu stellen.» Denkbar ist zurzeit alles: von einer internen Lösung bis zu Auflösung des Postens.

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