Ski Alpin
Rückkehr nach Verletzung: Weltmeister Küng will es nochmals wissen

Letztes Jahr verletzte er sich am Knie und musste die Saison abbrechen. Jetzt kehrt Patrick Küng zurück und startet im November in die neue Skisaison. Im Februar steht die Titelverteidigung in der Abfahrt an der Heim-WM in St. Moritz auf de Programm.

Konstantin Furrer
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Patrick Küng (r.) und Beat Feuz wollen in diesem Winter wieder Ski fahren und nicht ihre Zeit beim Physiotherapeuten verbringen. Keystone

Patrick Küng (r.) und Beat Feuz wollen in diesem Winter wieder Ski fahren und nicht ihre Zeit beim Physiotherapeuten verbringen. Keystone

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Es zieht Nebel auf über dem Feegletscher und in kurzer Zeit ist das Restaurant beim Eispavillon umhüllt von der grauen Masse. Patrick Küng lässt sich davon nicht die Laune verderben. «Es geht mir gut», sagt er mit einem breiten Lachen im Gesicht.

Das ist nicht selbstverständlich. Im vergangenen Sommer verletzt er sich an der Patellasehne am linken Knie. Im November gibt er zwar sein Comeback und fährt in Beaver Creek auf den 9. Platz. Aber das Knie bereitet ihm immer noch Schmerzen. Es folgen drei Platzierungen ausserhalb der Top 30. Im Januar muss er die Saison vorzeitig abbrechen: Zu gross sind die Schmerzen im entzündeten Knie.

Der Saisonabbruch im Januar sei die richtige Entscheidung gewesen, auch wenn es nicht leicht fiel. «Aber Regeneration braucht eben seine Zeit.» Eine Entscheidung, die auch im Hinblick auf die kommende Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz fiel. «Es ist mir ein Anliegen, an der Heim-WM wieder voll angreifen zu können», sagte Küng im Januar. Statt auf der Piste verbrachte er deshalb den Sommer im Kraftraum und beim Physiotherapeuten.

Jetzt steht er wieder auf den Ski. «24 Schneetage habe ich bereits beisammen», sagt der amtierende Weltmeister zufrieden. Seit August steht Küng wieder auf der Piste. In Zermatt holte er nach, was in der vergangenen Saison zu kurz kam: das Skifahren. «Die ersten Schneetage verliefen zufriedenstellend.» Aber in Zermatt spürt er auch wieder sein Knie. Einen Schlag habe er erwischt. Trotzdem gibt sich Küng zuversichtlich: «Bis jetzt wurde es nicht schlimmer. Ich habe schon einige Verletzungen gehabt und bin immer wieder zurückgekommen.»

Das Training wird wegen seines angeschlagenen Knies angepasst. Zusammen mit Sepp Brunner, dem Leiter Abfahrt, werden in nächster Zeit keine Sprünge trainiert. Auch Bodenwellen, die eine starke Belastung für das Knie darstellen, werden gemieden. Ende November beginnt in Lake Louise die Saison der Speed-Fahrer. Bis dahin will Küng die Zeit auch noch nützen, um abseits der Piste Fortschritte mit seinem Knie zu machen: «Wenn ich die zwei Monate noch nutzen kann, reise ich mit einem positiven Gefühl nach Lake Louise.»

Das ganze Team steht am Start

Verletzungen haben Küngs Karriere geprägt. Erst als 25-Jähriger kommt er zu seinem Debüt im Weltcup. Die technischen Disziplinen musste er aufgrund seiner Verletzungen bereits früh aufgeben. Er ist nicht der einzige Schweizer Fahrer, der sich mit Verletzungen herumschlagen musste. Auch Beat Feuz plagte im vergangenen Jahr das Knie, bei Carlo Janka zwickte der Rücken. Dass dieses Jahr das Team vollständig ist, ist eine Seltenheit. «Besonders die jüngeren Athleten können davon profitieren», sagt Feuz. Nach dem Rücktritt von Marc Berthod ist Küng der älteste Speed-Fahrer im Team. Für ihn ist wichtig, dass dieses Jahr so viele Athleten am Start stehen, die auf einem hohen Niveau fahren. «Dass Beat Feuz vergangene Saison nach seiner Verletzung noch so eine gute Saison gemacht hat, hilft mir. Das gibt einen gewissen Anhaltspunkt», sagt Küng.

Wenn im Februar in St. Moritz die Ski-WM stattfinden, geht es für Küng um nichts anderes als die Titelverteidigung. Erst einmal steht aber ein erfolgreicher Start in die Saison bei der Abfahrt in Lake Louise im Vordergrund. Von einer Formsteuerung, also nur auf die WM in St. Moritz hinzuarbeiten, will Küng nichts wissen. «Ich will gut starten und Vertrauen aufbauen», sagt Küng, «klar, wenn man schon einige Rennen gewonnen hat, hat man eine Vorstellung, wie die Saison verlaufen soll. Aber um in St. Moritz auf dem Podest zu stehen, braucht es auch eine Portion Glück.» Zuerst geht es für Küng wieder darum, das Gefühl zu finden, die Abläufe zu automatisieren und auch das Material wiederrichtig einzustellen. «Es sind gewisse Punkte, die nicht mehr selbstverständlich sind. Es braucht noch ein bisschen Zeit, bevor ich wieder im Rennmodus bin.»

Aus Schweizer Sicht darf man sich freuen, dass in dieser Saison auch die grossen Namen wieder an den Start gehen. Trotzdem bleibt bei Küng und Feuz ein Restrisiko. Hält das Knie?