Ski Alpin

Riskiert Carlo Janka seine Gesundheit?

Pokerface: Carlo Janka ist bereit, am Wochenende in den Speedrennen an den Start zu gehen.

Pokerface: Carlo Janka ist bereit, am Wochenende in den Speedrennen an den Start zu gehen.

Der 29-jährige startet trotz einer Ermüdungsfraktur im fünften Lendenwirbel am Wochenende in Lake Louise. «Ich bin nach Nordamerika gereist, um die Rennen zu fahren», sagt der Bündner. Macht das Sinn?

Macht es Sinn? Es ist eine der grossen Fragen des Lebens. Und meist ist die Antwort darauf für Aussenstehende anders als für die Betroffenen.
Carlo Janka will am Wochenende bei den ersten Speedrennen der neuen Skisaison im kanadischen Lake Louise starten – trotz einer Ermüdungsfraktur im fünften Lendenwirbel. «Ich bin nach Nordamerika gereist, um die Rennen zu fahren», sagt er. Macht das Sinn?

Swiss-Ski-Teamarzt Walter O. Frey sagt: «Wir würden einen Athleten nie starten lassen, wenn dadurch ein unmittelbares medizinisches Risiko entstünde. Soweit medizinisch abschätzbar, geht Carlo mit einem Start kein erhöhtes Risiko ein und es besteht keine Gefahr, dass langfristige Folgeschäden entstehen.»
Eine Ermüdungsfraktur der Wirbelsäule (Spondylolyse) ist nicht unmittelbar gefährlich. Trotzdem besteht eine gewisse Gefahr. Denn Dr. Frey sagt auch: «Was passieren kann, ist, dass bei einem Übermass an harten Schlägen beim Skifahren an der schwachen Stelle des Wirbels derart intensiv gerüttelt wird, dass diese gereizt wird und dadurch erneut Schmerzen entstehen.»

Immer wieder der Rücken

Momentan ist Janka weitgehend schmerzfrei. «Das Training in den letzten Wochen hat gezeigt, dass eine Rennbelastung durchaus möglich ist», sagt der 29-Jährige. «Dementsprechend steht einem Start derzeit nichts im Wege.» Rückenschmerzen begleiten den Bündner schon lange – und hinderten ihn immer wieder, seine Topleistung abzurufen. Geht Janka nun mit dem frühzeitigen Start also das Risiko ein, den Rest der Saison eingeschränkt zu bestreiten?

Die Frage stellt sich umso mehr, zumal der ehemalige Gesamtweltcupgewinner in den letzten Jahren in Lake Louise nie mehr besonders erfolgreich war. Seit 2011 ist ein 10. Rang seine Topplatzierung in Kanada. Dreimal verpasste Janka sogar die Punkte – in den Jahren 2011 und 2012, als seine Rückenschmerzen besonders ausgeprägt waren. Kommt hinzu, dass der 29-Jährige zuletzt über Defizite im Gleiterbereich klagte, also ausgerechnet in Passagen, die in Lake Louise besonders wichtig sind. Wäre es da für Janka nicht sinnvoller, den Rücken noch etwas länger zu schonen, um dann bei den Klassikern am Lauberhorn und in Kitzbühel im Januar in bester Verfassung zu sein?

Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer sagt: «Carlo hat diesen Sommer und Herbst sicher weniger Trainings- und Testtage absolviert als während der Vorbereitung zur vergangenen Saison. Er hat aber die Erfahrung und das technische Können, um trotzdem in der erweiterten Weltspitze mitfahren zu können.» Wie gross aber ist der Preis, um in der erweiterten Weltspitze mitzufahren? Denn Stauffer sagt auch: «Carlo trainiert momentan nicht volle Umfänge, um den Rücken nicht zu überreizen. Die Balance zwischen Belastung und Erholung zu finden, ist aktuell das Wichtigste für ihn.»

Janka trägt die Konsequenzen

Aber eben, die Antwort auf die Sinnfrage ist für Aussenstehende oft einfacher zu beanworten als für Direktbeteiligte. Janka ist Sportler, und als Sportler will er sich im Wettkampf messen. Dafür trainiert er. Zuschauen ist Strafe. Und Janka weiss auch, dass er zwischen 2008 und 2010 in Lake Louise dreimal auf dem Podest stand. Dass er, wenn alles passt, in Kanada sehr schnell sein kann.

Die Frage, ob es Sinn macht, kann also nur Janka selbst beantworten. Denn es ist er, der die Konsequenzen zu tragen hat. Diesen Poker ist der Bündner bereit, einzugehen. Wünschen wir ihm in der Abfahrt am Samstag und im Super-G am Sonntag eine Piste mit wenig Schlägen.

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