Ski WM
Reichelt gewinnt, Miller stürzt und Schweizer gehen leer aus

Hannes Reichelt gewinnt an der WM in Vail/Beaver Creek den Super-G und löst somit Didier Cuche als ältester Weltmeister ab. Bode Miller riskiert wieder einmal zuviel und zahlt den Preis dafür. Die Schweizer Resultate fallen wenig erfreulich aus.

Martin Probst
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Super-G Männer Beaver Creek
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Der 25-jährige Kanadier Dustin Cook wird überraschender Zweiter.
Adrien Theaux gewinnt die Bronzemedaille im Super-G.
Topfavorit Kjetil Jansrud verletzte sich beim Rennen und verpasst das Podest knapp.
Bode Miller stürzt vor Heimpublikum auf den erst im November operierten Rücken und muss um die weitere WM-Teilnahme bangen.
Aksel Svindal war sichtlich zufrieden mit seiner Leistung.
Didier Défago verpasst seine grösste Chance auf ein WM-Podest um 15 Hundertstelsekunden und landet auf dem 7. Platz.
Carlo Jankas Aufschrei der Enttäuschung nach der Zieleinfahrt - er verpasst sogar die Top 10.
Auch Patrick Küng scheitert im Super-G, er wird 16.
Mauro Caviezel landet als vierter Schweizer direkt hinter Patrick Küng auf dem 17. Rang.

Super-G Männer Beaver Creek

Keystone

Gemessen an den Emotionen, die Carlo Janka sonst zeigt, kann das, was er nach dem Überqueren der Ziellinie tat, schon fast als emotionaler Ausbruch bezeichnet werden. Der 28-Jährige schlug mit dem Skistock in den Schnee: Verflucht!

Die Reaktion von Janka gibt die Gefühlslage im Schweizer Team nach dem WM-Super-G ganz gut wieder. Verflucht, die Chance nicht genutzt. Sowohl Janka wie auch Patrick Küng bemängelten nach dem Rennen Fehler. «Ich hatte von Beginn an kein gutes Gefühl und kam nicht ins Fahren», sagte Küng, der in Beaver Creek im letzten Winter mit dem Super-G sein erstes Weltcuprennen gewonnen hatte. Von einer Wiederholung dessen war er im WM-Super-G weit entfernt. Rang 16 war eine Enttäuschung. «Darüber müssen wir gar nicht erst sprechen», bestätigte er.

Nicht viel besser erging es Janka, der das Rennen auf dem 12. Platz beendete. «Ich hatte nach dem Golden-Eagle-Sprung einige Fehler drin. Den grossen Rückstand kann ich mir aber nicht wirklich erklären, denn das Gefühl auf dem Ski war gut», sagte er. Ratlos, aber zuversichtlich: «Wenn ich das Gefühl in die Abfahrt mitnehmen kann, liegt etwas drin.»

Weniger über sich selbst als über den knappen Rückstand auf das Podest ärgerte sich Didier Défago. «Ich bin gut gefahren. Vielleicht war ich in ein paar Kurven etwas zu weit draussen und das machte es aus.» Der 37-Jährige verpasste Bronze um 15 Hundertstelsekunden und klassierte sich bei seiner letzten WM auf Rang sieben.

Direkt hinter Aksel Lund Svindal. Der Norweger zeigte dreieinhalb Monate nach seinem Achillessehnenriss ein beeindruckendes Comeback. Ohne in dieser Saison auch nur ein Rennen bestritten zu haben, fuhr er schon wieder mit den besten um den Sieg. Was für eine Leistung!

Stürze und ein Umsturz

Svindals Comeback passte bestens in einen spektakulären Super-G, der bei strahlendem Sonnenschein alles bot, was den Skisport interessant macht. Bode Miller, der zweite Comeback-Star (nach einer Rückenoperation im November) am Start, fuhr auf Teufel komm raus. Sieg oder Krankenhaus. So tat es der 37-Jährige schon immer und so tat er es gestern. Mit Bestzeit unterwegs hängte der Amerikaner an einem Tor an, überschlug sich und rutschte die Piste herunter. Im Ziel wurde klar: Der Ski hatte dem Amerikaner beim Sturz tief in die Wade geschnitten: offene Fleischwunde.

Autsch: Bode Millers Sturz in Vail.

Der Amerikaner musste, wie der bisherige Speeddominator der Saison, Kjetil Jansrud, für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus nach Vail gebracht werden. Jansrud touchierte ebenfalls und schon sehr früh ein Tor. Der Norweger fuhr aber mit starken Schmerzen – und einer eventuell ausgekugelten Schulter – auf Rang vier! Eine genaue Diagnose war, wie bei Miller, bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Für Miller könnte die WM zu Ende sein.

Lange durften Jansrud und der zeitgleich klassierte Matthias Mayer sogar auf Bronze hoffen. Doch dann kam mit Startnummer 28 der Kanadier Dustin Cook. Der 25-Jährige klassierte sich im Weltcup noch nie in den Top Ten, gestern gewann er Silber. Was für ein Ergebnis für das so verletzungsgebeutelte Team, das vom Schweizer Alpindirektor Martin Rufener geführt wird. Cooks Freundin kommt aus Vail und den «Heimvorteil» und die Vertrautheit mit der Piste nutzte er gestern eindeutig aus.

Dass das Klassement spät noch änderte und sich der Franzose Adrien Théaux, der in dieser Saison nie auf dem Podest stand, statt Silber nur Bronze umhängen durfte, passte perfekt zu diesem Rennen, das begeisterte. Und dies tat auch Sieger Hannes Reichelt. Der Österreicher hatte im Dezember den Weltcup-Super-G von Beaver Creek gewonnen und doppelte nun an der Weltmeisterschaft nach. An der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen gewann er mit Silber im Super-G seine zuvor einzige Medaille an einem Grossanlass.

Im letzten Winter musste er nach dem Sieg in Kitzbühel die Saison mit einem schweren Bandscheibenvorfall beenden. Sich in Topform befindend, verpasste er die Olympischen Spiele in Sotschi. Die verpasste Chance holte er gestern nach: Weltmeister mit 34 Jahren. Älter war noch keiner. Er löste damit Didier Cuche ab, der 2009 bei seinem Super-G-Gold in Val d’Isère zwar ebenfalls 34 Jahre alt, jedoch 43 Tage jünger als Reichelt gestern war.

Beaver Creek (USA). WM. Super-G der Männer: 1. Hannes Reichelt (Ö) 1:15,68. 2. Dustin Cook (Ka) 0,11 zurück. 3. Adrien Théaux (Fr) 0,24. 4. Matthias Mayer (Ö) und Kjetil Jansrud (No) 0,27. 6. Aksel Lund Svindal (No) 0,37. 7. Didier Défago (Sz) 0,39. Ferner: 12. Carlo Janka (Sz) 0,82. 16. Patrick Küng (Sz) 1,01. 17. Mauro Caviezel (Sz) 1,16. - Ausgeschieden u.a.: Bode Miller (USA).