Aus Schweizer Sicht werden von dieser Saison, die am Wochenende auf dem Corvatsch bei Silvaplana zu Ende geht, besonders zwei wichtige Erkenntnisse bleiben: Einerseits ist da das Wissen, dass die Schweiz im Slopestyle wie im Big Air nicht nur zur Elite gehört, sondern diese auch anführt. Andererseits lieferte 2019 den Beleg dafür, wie nah Glück und Pech im Freestyle-Sport auch für die Stars der Szene zusammen liegen. Bei allen Schweizer Top-Athleten war die Saison 2018/19 eine mit viel Licht, aber nicht ohne Schatten.

Von 2019 bleibt etwa die Geschichte von Andri Ragettli. Der Flimser peilte Medaillen an X-Games und Weltmeisterschaften an, verpasste beide Wettkämpfe aufgrund einer Knieverletzung, kehrte im März in den Weltcup zurück und sicherte sich erstmals in seiner Karriere die Kristallkugel für den Gewinn des Big-Air-Weltcups. Da war die Enttäuschung von Fabian Bösch über einen verpassten Podiumsplatz an den X-Games, die der Freude über den Weltmeistertitel im Big Air wich. Und es bleibt die Story von Mathilde Gremaud und Sarah Höfflin, für die auf Glücksgefühle nach den Medaillengewinnen an den X-Games WM-Frust folgten. Im Big Air in Park City waren die beiden unter den Erwartungen geblieben, ihre Revanche im Slopestyle verhinderten die WM-Organisatoren durch Absage des Wettkampfes.

Am Heimevent zum Abschluss mag die Ausgangslage für die Swiss-Ski-Athleten unterschiedlich sein, ihre Zielsetzung dürfte sich nahezu identisch anhören: Eine abwechslungsreiche Saison mit einem guten Gefühl abschliessen. Am meisten auf dem Spiel steht am Heimweltcup für Olympiasiegerin Höfflin. Die 28-Jährige ist auf gutem Weg, zum zweiten Mal nach 2017 den Slopestyle-Gesamtweltcup zu ihren Gunsten zu entscheiden. Höfflin führt die Wertung mit 26 Punkten Vorsprung auf die Amerikanerin Eileen Gu an, die auf dem Corvatsch nicht antritt. Der Abstand zur drittklassierten Kanadierin Megan Oldham beträgt 49 Zähler und Höfflins Teamkollegin Gremaud liegt bereits 70 Punkte zurück.

Während Höfflin die Kristallkugel nach überstandener Finalqualifikation kaum mehr zu nehmen ist, könnte Gremaud im Idealfall nach der Big-Air-Gesamtwertung auch den Slopestyle-Weltcup als Gesamtzweite abschliessen. Dazu müsste die 19-jährige Freiburgerin allerdings an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen. Beim letzten Big-Air-Wettkampf der Saison in Québec vor zwei Wochen hatte sich Gremaud den Tagessieg gesichert.

Bei den Männern beschränken sich die Ambitionen derweil besonders auf den Tagessieg. Der Appenzeller Colin Wili liegt in der Weltcup-Gesamtwertung als bester Schweizer im 7. Rang, dürfte aber nach der Finalqualifikation in Silvaplana noch einige Ränge gutmachen. Als einer von fünf Schweizern schaffte es Wili in den Final der Top 15.

Besonders zu überzeugen wussten auf dem Corvatsch Ragettli und der Davoser Kim Gubser. Punktgleich mit je 95,25 Punkten schlossen sie die Qualifikation mit dem Bestwert des Tages ab. Damit arbeiten die Schweizer Freeskier bei ihrem letzten Auftritt des Jahres daran, dass vom Winter 2019 eine dritte Erkenntnis bleiben könnte: Uns aufzuhalten ist gefährlich.