Abfahrt

Rache kann so süss sein

Weltmeister Patrick Küng (l.) und Bronzegewinner Beat Feuz freuen sich im Schweizer Haus in Vail über ihre Medaillen.

Weltmeister Patrick Küng (l.) und Bronzegewinner Beat Feuz freuen sich im Schweizer Haus in Vail über ihre Medaillen.

Küng und Feuz revanchieren sich mit Gold und Bronze auf ihre Weise. Selbst in der Stunde des Triumphes konnte sich Patrick Küng einen Seitenhieb nicht verkneifen: «Einige Trainer und die Medien hatten mich nicht mehr auf der Rechnung».

Falsch liegt der erste Schweizer Weltmeister in der Abfahrt seit Bruno Kernen 1997 damit nicht. «Ich bin nun schon lange genug dabei, dass ich mein eigenes Umfeld habe, worauf ich vertraue und höre», sagt er.

Gut so. Man könnte aber auch sagen: Zum Glück hatte ihn niemand auf der Rechnung. Als Beat Feuz, der Bronzegewinner der Abfahrt, im letzten Winter in seinem dritten Rennen nach dem Comeback nach seiner schweren Knieentzündung in der Abfahrt in Beaver Creek auf Rang sechs fuhr, war er das grosse Thema. Patrick Küng nervte sich am nächsten Tag: «Ich bin als Fünfter bester Schweizer in der Abfahrt und niemanden interessiert das», schimpfte er. Das Comeback von Feuz war die grössere Sensation.

Zum Glück: Denn am Tag danach revanchierte sich Küng mit der Wut im Bauch. Mit dem Super-G in Beaver Creek gewann der Glarner sein erstes Weltcuprennen.

Niemand wollte es glauben

Auch vor der WM-Abfahrt war vor allem von Carlo Janka und Beat Feuz die Rede. Küng galt als Aussenseiter. Obwohl er in der Saisonvorbereitung überzeugte, schied er in Beaver Creek im vergangenen Dezember zweimal aus. In der Abfahrt verhinderte er einen Sturz nur mit viel Können. Der Abflug hätte böse ausgehen können. «Wäre ich gestürzt, hätte ich die WM im TV verfolgt», sagt er. Doch Patrick Küng fing sich auf.

Trotzdem war er in den nächsten Rennen verunsichert, auch wenn er dies selbst nicht so sagen würde. Erst in Wengen (Rang vier in der Abfahrt) und Kitzbühel (Rang sieben in der Abfahrt) fand Küng wieder Vertrauen. Gerade rechtzeitig.

«Auch wenn mir das niemand glauben wollte, ich wusste immer, dass ich es noch kann», sagt Küng. Glauben wollte es wirklich niemand so recht. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann sagt: «Die Ausfälle in Beaver Creek hatten Patrick stärker verunsichert, als er es je zugeben würde.»

Egal. In der WM-Abfahrt am Samstag zeigte es Küng allen. Mit einer perfekten Fahrt («Es ging alles so leicht», sagt er) wurde der 31-Jährige verdient Weltmeister. Der Glarner revanchierte sich bestmöglich. Rache kann so süss sein. Der Weltmeistertitel ist das Highlight seiner Karriere. «Patrick ist über sich hinausgewachsen», sagt Lehmann. «Für den Schweizer Skisport war das ein grosser Tag.»

In der Tat: Denn mit Beat Feuz fuhr ein zweiter Schweizer in der WM-Abfahrt auf das Podest. Und irgendwie passt es, dass der Emmentaler, der im letzten Winter mit Rang sechs beim Comeback und der darauffolgenden Berichterstattung Küng nervte, den Glarner auf dem WM-Podest flankierte. Für beide ist Beaver Creek ein spezieller Ort.

Feuz schlägt zurück

Küng gewann hier sein erstes Weltcuprennen und Feuz stand im letzten Dezember zum ersten Mal seit seiner Rückkehr in den Weltcup als Zweiter wieder auf dem Podest. An der Feier im Schweizer Haus in Vail freuten sich die beiden gemeinsam. «Diese Medaille ist für mich sehr viel wert, weil sie mir vor zwei Jahren fast niemand zugetraut hätte», sagt Feuz. Und auch für den 27-Jährigen war es eine gelungene Rache. Nachdem er in Wengen hinter dem Österreicher Hannes Reichelt in der Lauberhornabfahrt Rang zwei belegte, sagte er: «Wir schlagen zurück.» Der Plan ist aufgegangen. In der Abfahrt war der beste Österreicher auf Rang 12 klassiert. Rache kann so süss sein.

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