Die starke Reaktion seiner Tochter auf das Ausscheiden in der Kombination und Abfahrt kam für Pauli Gut allerdings nicht überraschend: "Diese ist ihr am Tag nach einem schlechten Rennen schon oftmals gelungen."

Zusammen mit ihrem Vater und Trainer Pauli, aber auch mit weiteren Personen in ihrem Umfeld, ging Lara Gut am Samstag nach der Abfahrt und dem zweiten Ausfall innert zwei Tagen der Ursache für die Probleme auf den Grund. "Ich habe mein Herz meinem Team geöffnet und versuchte dabei zu beschreiben, dass das Gefühl für die Ski schlicht nicht vorhanden war."

Die zahlreichen und intensiven Gespräche brachten den erhofften Erfolg. Am Sonntagmorgen war das gute Gefühl zurück und "vom ersten Tor an ging es den Weg, den ich wollte". Vater Gut sprach davon, dass man sich in diesen Diskussionen teilweise auch im Kreis gedreht habe. "Doch am Ende war die Lösung ganz einfach. Danach hat es bei Lara Klick gemacht", so Pauli Gut.

Sehr wahrscheinlich sei, dass man den veränderten äusseren Umständen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Nach dem ersten Abfahrts-Training am Mittwoch, in welchem Lara Gut überlegen Bestzeit gefahren war, wurde es in Val d'Isère jeden Tag kälter. Zudem wurde die häufig befahrene Piste O.K. aggressiver, wie es im Ski-Jargon heisst.

Wenn dies geschehe, dann müsse man beim Set-up korrigieren. "Das heisst beispielsweise, dass man die Skikanten weniger scharf schleift. So kann Lara mehr mit dem Schnee spielen." Vor allem in der Abfahrt sei es für Lara etwas zu "hackig" gewesen, erzählte Pauli Gut. "Im Nachhinein ist man immer gescheiter."

Kam bei Guts zehntem Super-G-Sieg im Weltcup dazu, dass ihr Kurssetzung und auch das wellige Terrain entgegenkamen. Die Athletinnen waren gefordert, sowohl mit Kopf als auch aggressiv zu fahren. "Genau dies ist eine Stärke von Lara, die sie trotz ihrer zwei Ausfälle ausspielen konnte."