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Patrik Küng: «Weltmeister zu sein, ist nicht immer leicht»

Patrick Küng: «Wenn man verletzt ist, merkt man mal wieder, dass man es viel zu wenig schätzt, wenn man gesund ist.»

Patrick Küng: «Wenn man verletzt ist, merkt man mal wieder, dass man es viel zu wenig schätzt, wenn man gesund ist.»

Die Ziele für die neue Saison sind hoch. Der Weltmeister will im Weltcup überzeugen. Doch noch ist unklar, ob Patrick Küng rechtzeitig zum Auftakt überhaupt fit wird. Die Uhr tickt.

Eigentlich wäre Patrick Küng ja gerne an einem anderen Ort. Weit weg. Doch während seine Kollegen in Südamerika trainieren, sitzt der 31-Jährige fein herausgeputzt in der Lobby des Hotels Kameha Grand in Opfikon, das an diesem Abend seine grosse, pompöse Eröffnung feiert.

Termine wie dieser gehören zu den Pflichten eines Weltmeisters. Schliesslich dürfen die Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski künftig im Luxushotel übernachten, wenn sie am nächsten Morgen früh ab Kloten abfliegen. Darum ist Küng hier. Quasi als offizieller Danke-Sager für den Deal.

Nun ja. Eigentlich ist es auch eine gute Abwechslung. Anzug statt Therapiesitzung. Denn seit sich Küng Ende Juli im Konditionstraining eine Verletzung der Patellasehne zugezogen hat, kann er nicht voll trainieren. Schon gar nicht auf Schnee. Darum der Verzicht auf den Südamerikatrip. «Es macht keinen Sinn, etwas zu erzwingen», sagt er. Darum Pause. Sechs bis acht Wochen sicher. «Es kann mir kein Arzt eine Prognose erstellen. Eine Sehne ist schlecht durchblutet und eine Sehne braucht lange, bis sie sich erholt.»

Gut Ding will Weile haben

Küng will am liebsten gar nicht über das Thema sprechen. «Ich versuche, positiv zu bleiben», sagt er. «Aber erstens werde ich ständig auf meine Verletzung angesprochen und zweitens renne ich von Therapiesitzung zu Therapiesitzung.» Da kann er den Kopf gar nicht überlisten. Auch wenn das Knie ohne Belastung gar nicht schmerzt. «Das ist das Schwierigste. Verletzt zu sein, ohne es im Alltag zu spüren.»

Geduld haben. Den Oberkörper und im Ausdauerbereich trainieren. Einfach fällt es Küng nicht. «Als Skifahrer will man Skifahren.» Trotzdem ist der Glarner überzeugt, zum Saisonstart der Abfahrer Ende November bereit zu sein. «Jetzt kann ich noch reagieren, wenn die Saison angelaufen ist, kann ich nichts mehr tun.» Ausser mit Spritzen und Tabletten die Schmerzen lindern.

Das will Küng umgehen. «Ich glaube, dass mir noch genügend Zeit zur Vorbereitung bleibt, wenn sich alles gut entwickelt.» Geduld haben. Das kennt er ja. Erst 2009, mit 25 Jahren, gab er sein Debüt im Weltcup. Seinen ersten von bisher zwei Weltcupsiegen holte er 2013 mit 29 – und mit 31 Jahren wurde er im Februar in Beaver Creek Weltmeister in der Abfahrt.

Der Erfolgshunger ist noch lange nicht gestillt

Während Dominque Gisin, die wie Küng während ihrer Karriere mit vielen Verletzungen kämpfte, nach dem Sieg in der Olympiaabfahrt von Sotschi irgendwie zu spüren begann, dass sie mit fast 30 nicht mehr die Energie aufbringt, sich im Sommertraining immer und immer wieder zu schinden, denkt Küng nicht im Entfernesten an einen Rücktritt. «Ich fahre sicher noch bis zu den Winterspielen 2018.» Anders als bei Gisin hat ihn der grosse Titel im Palmarès zusätzlich motiviert – und nicht gesättigt. «Als Abfahrer bin ich jetzt im besten Alter. Didier Cuche war für mich auch in diesem Bereich immer ein grosses Vorbild. Ich wäre ja dumm, würde ich jetzt aufhören», sagt Küng.

Darum erneut Therapie. «Natürlich ist es bitter», sagt er. «Aber irgendwann muss man sich damit abfinden und wieder vorwärts schauen.» Zum Beispiel auf die neue Saison. Küngs Ziele, auch wenn er noch nicht weiss, wie sich der Heilungsprozess im Knie entwickelt, sind hoch. «Für die Abfahrer gibt es auch in einer Saison ohne Grossanlass tolle Rennen zu gewinnen.» In Wengen zum Beispiel oder in Kitzbühel.

Inzwischen rückt Küngs Rede näher. Still wiederholt er nochmals den Namen des Gastgebers. Routine hat er nicht. «Die Aufmerksamkeit ist durch den WM-Titel gestiegen. Ich werde jetzt viel häufiger erkannt. Das hat auch Schattenseiten», sagt er. «Weltmeister zu sein, ist nicht immer leicht.»

Speziell dann, wenn er gerne seine Ruhe hätte. «Ich muss manchmal aus dem Skialltag ausbrechen.» Im Frühling hatte er sich diese Zeit gegönnt. Er hat mit Freunden und der Familie viel unternommen. Dann, als er eigentlich wieder motiviert war, sich zurück auf den Schnee zu begeben, rebellierte der Körper. Pläne ändern sich. «Wenn man verletzt ist, merkt man mal wieder, dass man es viel zu wenig schätzt, wenn man gesund ist», sagt Küng und verabschiedet sich auf die grosse Bühne.

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